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Waginger Gemeindewerke fast 40 Jahre lang geprägt

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In rund 2000 Ordnern, die um die 80 Regalmeter umfassen, ist die 70-jährige Historie der Waginger Gemeindewerke festgeschrieben. Ziemlich genau die Hälfte dieser Zeit hat Heinrich Thaler wesentlich mitgestaltet. (Foto: Eder)

Waging am See – Heinrich Thaler, seit 1981 bei den Gemeindewerken Waging beschäftigt und seit 1998 deren Leiter, geht in Ruhestand. Sein letzter Arbeitstag ist am Freitag. In einem Gespräch mit unserer Zeitung blickt Thaler auf, wie er sagt, sehr spannende Jahre zurück.


Der gelernte Installateur und Heizungsbauer Thaler hat 1981 seinen Dienst bei der Gemeinde Waging angetreten. Die Gemeinde hatte zwar eigentlich eine Verwaltungsstelle ausgeschrieben, aber der damalige Bürgermeister Alois Heigermoser, der ja selbst aus der Heizungsbauer-Branche kam, zog einen technischen Mitarbeiter, also einen Praktiker, vor. Die Jahre an der Seite von Bürgermeister Heigermoser seien, so Thaler, eine hervorragende Lehrzeit gewesen: »Da hab' ich narrisch viel gelernt.« Arbeit gab's damals genug. 1985 begannen die Kanalisierung und der Bau des Ringkanals, 1993 der Bau der 35 Millionen Mark teuren Kläranlage in Spöck.

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Eine neue Zeit begann für Thaler mit dem Jahr 1996. Er hatte damals für das Bürgermeister-Amt kandidiert, war aber gegen den späteren Bürgermeister Sepp Daxenberger unterlegen. Trotzdem »haben wir vom ersten Tag an bestens zusammengearbeitet«, so Thaler.

Der neue Schwerpunkt der Gemeindewerke unter dem neuen Bürgermeister war der Energiebereich: »Wir haben rasant losgelegt mit energetischen Maßnahmen«, erinnert sich Thaler: Das Hackschnitzel-Heizwerk in Tettenhausen wurde gebaut, und ein gemeindliches Förderprogramm für Energieeinsparungen wurde aufgelegt. Weitere wichtige Schritte waren der Ankauf des Obag-Stromnetzes auf der Römerleiten, der Bau zweier Blockheizkraftwerke und ganz und gar nicht zuletzt eine neue Brunnenbohrung.

Dazu erzählt Thaler die folgende Episode: Nach der erfolgreichen Brunnenbohrung zögerte vor allem das Gesundheitsamt lange Zeit mit der endgültigen Genehmigung. Daraufhin habe Daxenberger einfach gehandelt: Er hat einen Eröffnungstermin festgelegt und auch die Ämter dazu eingeladen, ohne noch die Genehmigung in Händen zu haben. Der Erfolg habe ihm aber Recht gegeben – die Behördenvertreter kamen und brachten den Bewilligungsbescheid mit.

Ab 2010, als dann bereits Herbert Häusl Bürgermeister war, haben die Gemeindewerke nur noch Strom gekauft, der aus erneuerbaren Energien produziert worden war. In enger Zusammenarbeit mit der Agenda-21-Gruppe um Georg Huber gab es verschiedene weitere Energieprojekte: Kostenlose Energieberatung und ein Heizungspumpenaustausch zu günstigen Konditionen wurden angeboten, 2013 wurde eine Stromtankstelle eingerichtet, 2015 kam das gemeindliche E-Auto dazu. Ein Schwerpunkt in jener Zeit war für Bürgermeister Häusl die Gründung des kommunalen Seebündnisses mit den Gemeinden rund um den See – mit dem Ziel, die Phosphatbelastung der Seen zu reduzieren. Aus diesen Anfängen haben sich dann, so Thaler, die einschlägigen aktuellen Projekte entwickelt: Ökomodellregion, ILE oder boden:ständig. Gut eine Million Euro wurden dann in den vergangenen zwei Jahren investiert, als in Tettenhausen das in die Jahre gekommene Hackschnitzel-Heizwerk durch ein neues ersetzt wurde.

Im Jahr 2008, als der Anbau an das Seniorenheim – immerhin eine rund fünf Millionen Euro teure Investition – umgesetzt wurde, lag es an Heinrich Thaler, die Bauherrnfunktion zu übernehmen und die Kontakte vor allem zu den Planungsbüros zu halten.

Wenn Thaler jetzt in den Ruhestand geht, weiß er, dass er seinem Team, das dann von der bisherigen Stellvertreterin Patricia Hund geleitet wird, große Aufgaben zurücklässt: allem voran die Ertüchtigung der inzwischen 25 Jahre alten Kläranlage nebst Ableitungskanal der Firma Bergader.

Die Arbeit habe sich gegenüber seinen Anfängen sehr stark verändert. Die Zeit, in der einer alles gewusst und getan habe, gehöre der Vergangenheit an. Die zunehmende Anzahl von Mitarbeitern, davon ist Thaler überzeugt, werde über kurz oder lang auch zu leicht steigenden Gebühren und Tarifen führen. Diese seien allerdings jahrzehntelang konkurrenzlos günstig gewesen: »Dies wurde nicht zuletzt durch die enge Zusammenarbeit mit örtlich ansässigen Vertragsfirmen ermöglicht.«

Jetzt freue er sich auf einen »neuen Lebensabschnitt ohne Termine und ohne Telefon«; denn der Druck sei in all den Jahren doch sehr hoch gewesen – auch wenn man ihm das nie angesehen hat und er zumindest nach außen immer wie die Ruhe selbst wirkte. Inzwischen hat er ehrenamtlich die durchaus anspruchsvolle Aufgabe des Kirchenpflegers der Pfarrei Otting übernommen; von daher befürchte er auch in der Rente keine Langeweile. he