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Waginger Faschingsmusi

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Waginger Faschingsmusi
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Auftritt der Waginger Faschingsmusi beim „Heimspiel“ am So-Halunke-Ball in Waging Historisches Foto aus dem Jahre 1941. Die Waginger Faschingsmusi mit 1. Bürgermeister Matthias Baderhuber (1. Reihe mitte in „zivil“). Foto: Waginger Faschingsmusi

Im Vergleich zu den Karnevalshochburgen am Rhein ist Oberbayern im Regelfall ja weniger als Faschingsregion bekannt. Aber auch im heimischen Umkreis gibt es zahlreiche Faschingsvereine, die in der sogenannten „Närrischen Zeit“ sehr aktiv sind. Im Bereich um den Waginger See hat der Fasching jedoch einen ganz besonderen Stellenwert.


Bereits seit den 1950-er Jahren „boomte“ geradezu in Waging der Fasching mit Veranstaltungen wie dem Feuerwehr-Ball, später dem Feuerwehr-Kranzl, dem Wasserwachts-Kranzl, dem Chor-Kranzl, den beiden Turnerbällen, dem Schreiner-Ball, dem Kolping-Ball und vielen weiteren Veranstaltungen, um die sich ein gewisser Kult-Faktor entwickelte. Höhepunkt ist seit jeher der Faschingszug, der sich am Faschingsdienstag durch Waging schlängelt. Bis 1977 war der TSV Waging für die Durchführung verantwortlich, bis dann im Januar 1978 der Faschingsverein So Halunke gegründet wurde und dieser die Organisation übernahm.

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Der „organisierte“ Fasching geht allerdings mindestens bis in das Jahr 1925 zurück, als sich die Faschingsmusi Waging als „Narrenerhaltungsferein“ (Verein übrigens mit „f“ geschrieben) samt eigener Vereinsfahne gegründet hat. Diese zünftige Idee wurde begeistert aufgenommen und seitdem sind die damals als „Kasparellos“ bekannten Musiker nicht mehr aus dem Waginger Faschingstreiben wegzudenken. Neue Faschingsfahnen wurden dann 1975 beim 50-jährigen Bestehen und im Jahr 2009 beschafft.

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Foto: Waginger Faschingsmusi

Seit jeher ziehen die etwa 30 Musiker in der Faschingszeit von Veranstaltung zu Veranstaltung, erscheinen meist überraschend, sorgen etwa 20 bis 30 Minuten für Stimmung im Publikum und verschwinden dann so schnell wieder wie sie gekommen sind. Schließlich sind ja pro Faschingstag zwei bis drei Veranstaltungen zu besuchen, in den „stressigen“ Tagen auch mal mehr. So kann es durchaus auch vorkommen, dass zu nächtlicher Stunde musikalische Klänge in den Waginger Straßen zu hören sind. Ein ganz besonderes Highlight ist übrigens, wenn man die Männer der Musikkapelle „im Anschluss“ an ihren offiziellen Auftritten erleben darf. In gemütlicher Runde erklingen dann Oberkrainer-Melodien, Blasmusiktitel, das ein oder andere Dixieland-Stück und auch so manches seit Generationen überlieferte Waginger Liedgut wird dann zum Besten gegeben. Und auch in die Nachrichtensendungen von SAT 1 und dem Bayerischen Fernsehen haben es im vergangen Jahr die Waginger Musikanten geschafft, als sie auf der Heimfahrt von einem Auftritt in München im Zug für Stimmung sorgten und dabei von den Mitreisenden gefilmt wurden. Bei der Ankunft in der Heimat bedankte sich das Bahnpersonal sogar über die Lautsprecher für die kurzweilige Zugfahrt.

Wenn am Unsinnigen Donnerstag mit der Weiberroas in Waging die heiße Phase beginnt, ist die Faschingsmusi am „Ruassigen Freitag“, am Faschingssamstag und -sonntag dann schon fast durchgehend auf Achse. Am Rosenmontag, wenn sich in Köln und Düsseldorf die Narrenumzüge durch die Stadt schlängeln, ist die Waginger Faschingsmusi bereits in Waging unterwegs um in zahlreichen Geschäften, Firmen und auch Banken für Stimmung und Tanz zu sorgen. Zu frühmorgendlicher Stunde startet dann am Faschingsdienstag der Weckruf durch die Bahnhofstraße, die Kugelstatt, die Postgasse und die Seestraße hinauf zum Marktplatz. Auch die traditionellen Ständchen beim Bürgermeister und beim Seniorenheim dürfen nicht fehlen, bevor die Faschingsmusi dann den Waginger Faschingszug des „So-Halunke-Vereins“ anführt. Dieser endet dann erst mit dem Konzert am Marktplatz, wenn zum Schluss traditionell der „Gummi-Mambo“ erklingt, bei dem die Musiker nochmals ihr Können präsentieren. Natürlich gibt es dann in den Waginger Gaststätten noch oftmals mehr oder weniger geplante oder auch ungeplante Auftritte in kleineren Besetzungen. Es ist ja schließlich der „höchste Faschingsfeiertag“ in Waging, welcher gebührend begangen werden muss.

Waginger Faschingsmusi
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Foto: Waginger Faschingsmusi

Die Mitglieder rekrutieren sich übrigens aus Musikkapellen, Stimmungsbands und Volksmusikgruppen aus Waging und der näheren Umgebung. Auch sollen schon Mitglieder aus dem „hohen Norden“ wie Palling und Trostberg in den Reihen der Musiker gesehen worden sein. Geleitetet wird diese Musikkapelle, welche traditionell in rot-weiss-karierten Hemden und dem schwarzen Waginger Faschingsmusihut auftritt, derzeit von Musikmeister Stefan „Bärli“ Weiß und dem organisatorischen Leiter Franz Murr junior. Diese dienen als Kontaktadresse, organisieren die Auftritte und natürlich auch die Musikproben, welche jedes Jahr ab Ende November beginnen. Dass in diesem Jahr die Faschingsaktivitäten geradezu auf Null heruntergefahren werden mussten, ließ die Mitglieder der Waginger Faschingsmusik jedoch aktiv werden. Nachdem 2021 ja leider der Fasching „dahoam“ stattfindet und ein Fasching ohne Faschingsmusi und Faschingsmarsch „nix gscheits is'“ kommt die Faschingsmusi zum Publikum nach Hause - und zwar pünktlich zum Faschingssamstag am 13. Februar mit einem Video auf der Internetseite www.faschingsmusiwaging.de

Das Programm und der Faschingsmarsch

Im Stimmungsprogramm der Faschingsmusi sind natürlich immer die aktuellen Hits zu finden. Die großen „Ankommer“ sind aber meistens die Rock-und Pophits, sowie Schlager aus den 1960-er und 1970-er Jahren wie „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“, „Marmor Stein und Eisen bricht“, „Mendocino“ und „Balla, balla“. Mit geradezu abenteuerlichen und auch artistischen Schlagzeugsoli wird auch der „Tiger Rag“ dem Publikum präsentiert. Beim Einmarsch und auch beim Auszug ertönt allerdings immer der Waginger Faschingsmarsch. Dieser in Insiderkreisen auch als der „Waginger Auferstehungsmarsch“ oder auch „Der Altbekannte“ genannte Marsch besteht zum Großteil aus mehreren überlieferten Melodien aus der bayerischen und auch steirischen Volksmusik und ist wohl in Waging der „ewige Faschingshit“.

Thomas Pfeffer

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