weather-image
25°

»Luxuslösung« als Notlösung beschlossen

3.0
3.0
Waging am See: »Luxuslösung« als Notlösung beschlossen
Bildtext einblenden
Vorübergehend sollen 20 Betreuungsplätze im Kinderspielhaus am Campingplatz Strandcamping entstehen. (Foto: Schuhegger)

Waging am See – Auf dem Campingplatz spielt es sich besser als im Container – diese Meinung vertritt wohl der Marktgemeinderat in Waging. Die Gemeinde muss zu Beginn des Kinderkrippenjahrs 2019/2020 20 zusätzliche Kinderbetreuungsplätze schaffen, vorerst vorübergehend für rund 24 Monate. Dann soll ohnehin eine neue Einrichtung entstehen. Zuerst wollte die Marktgemeinde Container anschaffen; den Ratsmitgliedern passte diese Lösung nicht so recht, weshalb sie über weitere mögliche Notquartiere auf Zeit diskutierten: das voll ausgestattete Kinderspielhaus auf dem Campingplatz Strandcamping von Ratsmitglied Andreas Barmbichler (CSU) und das sanierungsbedürftige ehemalige Schulhaus in Tettenhausen.


Das Kinderspielhaus hat das Landratsamt Traunstein bereits angesehen. »Das Amt bemängelte die Lage auf dem Campingplatz, die Doppelnutzung für die Kinderbetreuung und den Campingplatz und niedrige Schlafräume«, berichtete Bürgermeister Matthias Baderhuber (CSU). Einig war sich der Rat, dass das Landratsamt da über seinen Schatten springen müsse. »Wir sprechen von einer bestehenden, voll ausgestatteten Betreuungseinrichtung«, sagte Magdalena Obermayer (CSU). Sie bezeichnete die Notlösung für Betreuungsplätze auf Zeit als »Luxuslösung«.

Anzeige

In Anbetracht der Alternativen handele es sich wahrlich um die beste Lösung, eine altersgemischte Gruppe auf Zeit zu etablieren. Für die Container stellte zwar Ulli Heigermoser (UGW) seine Fläche zur Verfügung, doch müsste die Marktgemeinde die Container erst teuer erstehen oder mieten. »Die Kosten bewegen sich zwischen 200 000 und 300 000 Euro«, informierte Kämmerer Bernhard Kraus.

Altes Schulhaus müsste umgebaut werden

Das ehemalige Schulhaus in Tettenhausen, wo momentan im Erdgeschoß die Ortsvereine zusammenkommen und Senioren ihre Nachmittage verbringen, stand ebenfalls zur Diskussion. »Die Vereine würden zurückstecken«, so Obermayer. Tobias Mayer von der Bautechnik der Marktgemeindeverwaltung ließ vom Planungsbüro Wimmer in Surberg einen Bestandsplan des Schulhauses erstellen. Was dabei herauskam, berichtete er dem Rat: »Wir müssen das Haus bezüglich des Brandschutzes aufrüsten.« Die dafür anfallenden Kosten bezifferte er auf rund 35 000 Euro. Als Kinderbetreuungsstätte klassifiziert sich das alte Schulhaus als Sonderbau, wusste Georg Huber (ÖDP). »Ein Sonderbau fordert einen Rettungsweg«, ergänzte Mayer. »Übergangsweise könnte das auch ein Gerüst sein«, erklärte er. Und weiter: »Um gescheites Sanitär müssten wir uns auch kümmern.«

»Die Container sind teuer. Das Aufrüsten des alten Schulhauses ist teuer«, fasste Baderhuber zusammen. Die Ratsmitglieder stimmten zu. Geschlossen betrachten sie es als beste Lösung, die 20 Betreuungsplätze im Kinderspielhaus am Strandcampingplatz zu schaffen.

Marktgemeinde steht unter Zeitdruck

Langfristig kommt die Marktgemeinde um den Neubau einer Einrichtung nicht herum. Der Antrag für das Investitionsprogramm »Kinderbetreuungsfinanzierung 2017 bis 2020« muss der Regierung von Oberbayern mit allen Anlagen bis Ende August vorliegen. Ob es ein entsprechendes Nachfolgeprogramm gibt, ist ungewiss. »Wenn wir den Antrag nicht bis spätestens August einreichen, werden wir das finanziell zu spüren bekommen«, verdeutlichte Baderhuber, dass »es pressiert«.

Für den Antrag musste der Marktgemeinderat den Bedarf von 24 Betreuungsplätzen anerkennen, was er auch tat. Die neue Einrichtung soll zum Beginn des Krippenjahrs 2021/2022 fertig sein, heißt es in der Beschlussvorlage. Magdalena Obermayer will den Bau noch schneller voranbringen und schlug vor, zum Betreuungsjahr 2020/21 die Plätze geschaffen zu haben. Kämmerer Kraus betrachtete das Ziel als »unrealistisch«. »Mir ist klar, dass ich die Latte hoch setze, doch wir stehen unter Druck«, hielt Obermayer dagegen. »Richtig, wir müssen Gas geben«, bestärkte sie ihr Parteikollege Michael Lamminger. »Ist es schädlich für die Förderung, wenn wir unser Ziel, zum Jahr 2020/21 die Plätze geschaffen zu haben, nicht erreichen?«, fragte der zweite Bürgermeister Martin Dandl (FW). »Mit einer Beschleunigung verbauen wir uns nichts«, verneinte Baderhuber. »Wir halten lediglich den Druck aufrecht«, ergänzte Obermayer.

Die Marktgemeinde Waging will so schnell wie möglich auf lange Zeit neue Kinderbetreuungsplätze schaffen. Unter Kontrolle hat das ein in der Sitzung neu gebildeter Arbeitskreis. li