Linksabbiegespur bei Gaden soll Verkehrssicherheit erhöhen

Bildtext einblenden
Bürgermeister Matthias Baderhuber (rechts) und Baudirektor Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt besichtigten die Örtlichkeiten an der Staatsstraße 2104 nahe der Unfallstelle von 2018. (Foto: Konnert)

Waging am See – Vor drei Jahren am 9. August 2018 verunglückte ein Kind tödlich, als es mit dem Fahrrad von Gaden zum Campingplatz Schwanenplatz fahren wollte. Beim Überqueren der Staatsstraße 2104 ist es mit einem Auto zusammengestoßen. Wer wen übersehen hat, der Autofahrer das Kind oder das Kind das Auto, wird wohl nie geklärt werden. Der Unfall zog Forderungen der Dorfbewohner von Gaden nach sich, zu Maßnahmen, die die Überquerung der Straße an dieser Stelle sicherer machen sollen. Auch der Vorwurf der Untätigkeit und Mitverantwortung der Behörden stand im Raum.


Das Traunsteiner Tagblatt hat bei Bürgermeister Matthias Baderhuber, Baudirektor Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein, und der Unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt nachgefragt, was in dieser Sache in den drei Jahren unternommen worden ist. Der Tenor: Mit einer Linksabbiegespur bei Gaden soll die Verkehrssicherheit erhöht werden. Der Vorwurf der Untätigkeit wird entschieden zurückgewiesen,

Bambach ist als Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt für das Gebiet zuständig, zu dem auch Waging gehört. Bei einem Orts-termin an der damaligen Unfallstelle wurde vor kurzem der aktuelle Sachstand besprochen. »Die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Staatlichem Bauamt ist eng und konstruktiv«, betont Bürgermeister Baderhuber gleich zu Beginn. Dem stimmt Martin Bambach zu und ergänzt: »Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir kommen immer zu Lösungen, die beide mittragen können und die sich an der Sache orientieren. Dies gilt auch für die Straße bei Gaden«. Das Staatliche Bauamt als staatliche Behörde sei gehalten, vorrangig Projekte anzugehen, die zwingend notwendig sind, um die Verkehrssicherheit sub-stanziell zu verbessern, so Bambach, und müsse sich immer an dem Gebot der Wirtschaftlichkeit der Haushaltsmittel orientieren. Ein gutes Beispiel sei die Ampelanlage beim Lidl, wo Staatliches Bauamt und Gemeinde wegen der Unfallgefahr auf eine schnelle Umsetzung gesetzt haben.

Die Unfallstelle von 2018 bei Gaden sei kein solcher kritischer Unfallschwerpunkt, so der Baudirektor weiter. Die von der Polizei in regelmäßigen Abständen erstellte Unfalltypensteckkarte zeige an dieser Stelle keine Unfallhäufung an, auch das Verkehrsaufkommen spreche nicht dafür.

Machbarkeitsstudieliegt vor

Dennoch sei man in den letzten drei Jahren in dieser Sache nicht untätig gewesen, ergänzt der Bürgermeister, auch wenn dies seitens einiger Bürger anders gesehen werde. Denn die Gemeinde habe nach dem Unfall unbedingt eine Verbesserung der Verkehrssicherheit an dieser Stelle erreichen wollen und sei bereit gewesen, dafür auch in planerische Vorleistung zu gehen. Dies habe der Gemeinderat, der sich mit dem Thema wiederholt beschäftigt habe, bereits Anfang 2019 beschlossen. Nachdem sich das Straßenbauamt bereit gezeigt habe, in das Projekt einzusteigen, falls die Vorplanungen eine technisch umsetzbare Lösung aufzeigen, habe die Gemeinde die S.A.K. Ingenieurgesellschaft in Traunstein beauftragt, die Machbarkeitsstudie zu erstellen. Das Ergebnis liegt nun vor und kam bei dem Termin kurz zur Sprache.

Von Beginn an war für das Staatliche Bauamt klar, dass eine Fußgängerunterführung an dieser Stelle wegen des hohen Grundwasserstands und des in der Straße verlaufenden Schmutzwasserkanals nicht möglich ist. Deshalb fokussierten sich die Vorplanungen zunächst auf den Bau einer Linksabbiegespur und einer Querungshilfe. Im Ergebnis hat die S.A.K. Ingenieurgesellschaft dann zwei Linksabbiegespuren in beide Richtungen nach Gaden und zum Schwanenplatz vorgeschlagen. Dazwischen soll eine Querungshilfe mit Insel den Fußgängern erleichtern, über die Straße zu kommen. In beiden Richtungen sind zudem Bushaltestellen vorgesehen sowie eine Gehweganbindung nach Gaden. Nach Umsetzung dieser Maßnahmen würde auf diesem Streckenabschnitt die Geschwindigkeit laut Straßenverkehrsordnung auf 70 km/h begrenzt werden.

Einfach sei die Realisierung dieses Vorhabens nicht, das Staatliche Bauamt sei aber bereit, diese Variante als Alternative zur Unterführung weiter zu verfolgen, betont Baudirektor Martin Bambach. Zum einen müsse vor der Umsetzung die Zufahrtsstraße zum Schwanenplatz verlegt werden, um den nötigen Abstand zur Brücke zu bekommen, zum anderen müsse die Brücke über den Schinderbach erneuert werden. Allein dies werde hohe Kosten verursachen.

»Wir wollen das Projekt zügig umsetzen«

Neben der Bereitstellung der finanziellen Mittel für eine solch umfangreiche Maßnahme, wie die Vorplanung sie aufzeigt, müssen vorab unterschiedlichste Genehmigungen wie beispielsweise zum Naturschutz- oder Wasserrecht eingeholt werden. Dazu kommen die Verhandlungen zum Grunderwerb durch die Gemeinde mit den Eigentümern der Flächen, die zur Straßenverlegung oder Verbreiterung notwendig sind. Hier habe man positive Signale, so Bürgermeister Baderhuber, der mit den Grundstücksbesitzern in Kontakt ist.

»Wir wollen das Projekt so zügig wie möglich umsetzen und zwar in enger Abstimmung zwischen Gemeinde und Bauamt«, betonen beide Gesprächspartner. Einen genauen Zeitraum können sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen. Aktionismus und Sofortmaßnahmen, die ein Gefühl der Sicherheit vortäuschen – wie ein filigraneres Geländer bei der Brücke oder das Zurückschneiden von Weiden am Bach –, würden keinen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bringen und würden in keinem Zusammenhang mit dem bedauernswerten tragischen Unfall vor drei Jahren stehen, unterstreichen Bader-huber und Bambach.

Nachdem sich der tragische Unfall ereignet hat, so die Untere Verkehrsbehörde auf Nachfrage der Heimatzeitung, habe noch im Herbst 2018 eine Verkehrsschau mit Vertretern der Polizei, des Staatlichen Bauamts, der Unteren Verkehrsbehörde und der Gemeinde Waging in Gaden an der Staatsstraße 2104 stattgefunden. Im besagten Streckenabschnitt, wo eine Geschwindigkeitsbeschränkung gefordert wird, sei nach polizeilicher Auswertung der Unfallstatistik die Unfallursache bei keinem Unfall auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen, da die Strecke hier übersichtlich und gut ausgebaut ist, teilte Laura Lockfisch vom Landratsamt für die Untere Naturschutzbehörde mit. Man sei daher übereinstimmend bis heute zu dem Entschluss gekommen, dass hier keine in der Straßenverkehrsordnung geforderten Gründe vorliegen, die eine Geschwindigkeitsbeschränkung rechtfertigen würden. Dennoch werde der Streckenabschnitt laufend beobachtet und neu bewertet. So werde auch dieses Jahr noch vor Ort eine Verkehrsschau mit den entsprechenden Fachstellen stattfinden. kon

Mehr aus Waging am See