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Läuft die Simbabwe-Hilfe nach 30 Jahren endgültig aus?

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Waging - Otting - Simbabwe-Hilfe
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81 Jahre alt ist Rosa Blank und muss – auch aus Gesundheitsgründen – das Verschicken von Containern im Rahmen ihres Simbabwe-Projekts nunmehr aufgeben. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Sollte dies tatsächlich der letzte Container gewesen sein, der von der Pfarrei Otting aus in Richtung Simbabwe gestartet ist? Alles sieht danach aus, denn die jahrzehntelange Organisatorin Rosa Blank, 81 Jahre alt, kann aus Alters- und Gesundheitsgründen ihre Hilfsaktion nicht mehr weiterführen, wie sie schon seit längerem angekündigt hat; denn »so jung bin i aa nimmer«.


Sie hat die Zahl nicht im Kopf, aber es waren deutlich über 200 Container, die in den vergangenen knapp 30 Jahren tonnenweise wichtige Hilfsmittel zu den Menschen in Simbabwe gebracht hatten.

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Keine Hilfsgüter mehr bei ihr abladen

Neben ihrer Haustür in Otting hängt mittlerweile ein Schild, auf dem sie darauf hinweist, dass hier keine Hilfsgüter mehr abgeladen werden sollen, was über all die Jahre hin regelmäßig geschehen ist. Und was im Stadel in Freimann, von wo aus die Container in den vergangenen zwei Jahrzehnten beladen wurden, noch verblieben ist, wird laut Blank an andere Hilfsorganisationen weitergereicht. »Es ist schon sehr schade, dass niemand mehr weiter tut«, sagt sie und denkt zurück an all das, was seit 1990 geschehen ist.

In ihrer Jugendzeit verbrachte Rosa Blank etwa zwei Jahre in Simbabwe, das damals noch Rhodesien hieß. Dort hat sie die Not und das Leid der Leute erlebt, das ihrer Meinung nach seitdem immer noch schlimmer geworden ist, und Kontakt zu dortigen kirchlichen Einrichtungen gewonnen. Zurück in der Heimat begann sie rasch, Pakete und Geld zu schicken, um den Menschen dort zu helfen.

Ihr Sohn Hans brachte sie dann auf die Idee, statt der kleinen Pakete doch gleich Container zu schicken; das komme auf Dauer billiger. Und nachdem die Recherchen abgeschlossen waren, startete im Januar 1991 der erste Container in Richtung Afrika – gefolgt von vielen weiteren, teils bis zu zehn im Jahr.

Als Lager für die Hilfsgüter, die von vielen Seiten gespendet wurden, diente zunächst der alte Rossstall neben dem Ottinger Pfarrhof. Von Anfang an fanden sich auch Helfer, die die Aktion unterstützten, sei es mit Geld, mit Hilfsgütern oder mit ihrer Hilfe beim Beladen der Container. In den Anfangszeiten durften sogar Schüler der Ottinger Schule helfen, die Container zu beladen – nicht zuletzt mit ausrangierten Schulbänken und -stühlen. Denn die Ausstattung und später auch der Bau von Schulen waren von Anfang an Schwerpunkte der Simbabwe-Hilfsaktion – und sind es bis zum heutigen Tag. Die damalige Schreinerei Fenninger in Weibhausen spendete gar 14 neue, eigens angefertigte Schultische und -bänke.

Der Umfang wurde nach und nach immer größer. Spenden kamen teilweise bis aus Norddeutschland, und so wurden auch die Container größer – und immer teurer. Rund 10 000 Euro kostet es heute, wenn einer der zwölf Meter langen Container auf die Reise geschickt wird. Auch der Lagerraum musste verlegt werden: von Otting in einen Stadel des Kobler-Anwesens in Freimann, wo die Spenden bis jetzt gelagert waren.

Geld sammelt Rosa Blank auch weiterhin

Wenn jetzt wohl auch keine Container mehr verschickt werden – sollte nicht noch ein Wunder geschehen – so geht die Simbabwe-Hilfsaktion trotzdem weiter. Rosa Blank lässt es sich trotz ihres Alters nicht nehmen, auf Flohmärkten beispielsweise in Bad Reichenhall und Freilassing sowie am Christkindlmarkt in Traunstein einen Stand aufzubauen und dort gespendete oder selbst gemachte Artikel zu verkaufen.

Denn sie will auch weiterhin wenigstens Geld nach Simbabwe schicken. Drei Schulen sind dort mit ihrer wesentlichen Mithilfe gebaut worden, benannt nach den Orten, aus denen große Einzelspenden dafür gekommen waren: »Otting«, »Berchtesgaden« und »Augsburg«. Und, wie Rosa Blank bescheiden hinzufügt, es gibt auch eine Blank-Straße.

Im Gespräch ist es ihr besonders wichtig, all denen zu danken, die ihr und ihrem Hilfswerk über all die Jahre hinweg die Treue gehalten haben. Dabei denkt sie beispielsweise an den früheren Tachinger Pfarrer Walter Laakmann, der für die Aktion immer ein offenes Ohr hatte, an ihr treues Team, das bei Hitze und Regen stets die Spenden in den Container packte, und natürlich alle Spender, vor allem auch die aus Altötting, zu denen eine ganz nahe Verbindung bestand.

Wichtig zu erwähnen ist ihr auch Ludwig Perschl aus Waging, der Unmengen an Nähmaschinen überholt und wieder gangbar gemacht hat, ehe sie nach Afrika geschickt wurden. Auch ihr Sohn Stefan habe ihr viel geholfen, nicht zuletzt bei all dem Schreibkram, der mit den Containern unvermeidbar einhergegangen ist. Der letzte Container hatte wieder all das geladen, was in Simbabwe besonders gebraucht wird: Rollstühle, Gehwagerl und Krücken, Schultische und Krankenhausmöbel, Fahrräder und auch Lebensmittel.

Nicht zuletzt war es Rosa Blank immer auch wichtig, religiöse Dinge zu versenden: Kerzen, Kreuze, Marienstatuen, Rosenkränze, zuletzt ging sogar ein Tabernakel mit auf die Reise. Besonders erwähnt sei hier auch Peter Haberlander aus Weibhausen. Er half nicht nur immer beim Verladen, er war auch derjenige, der nicht mehr benötigtes Werkzeug aller Art zusammengesammelt und mit viel Geschick und Kreativität repariert hat: Hämmer, Schaufeln, Hacken, Sensen und vieles andere mehr.

Hilfsorganisationen von Ordensleuten

Adressaten für all die Hilfsgüter sind verschiedene soziale oder schulische Einrichtungen, die von Ordensleuten geleitet werden: »Die wissen genau, wo es am schlimmsten ist«, sagt Rosa Blank, die auch das ein oder andere Mal selbst in Simbabwe war, auch wenn der letzte Besuch schon eine ganze Weile zurückliegt; schließlich kostet die Reise viel Geld. Einst war es ja ihr Jugendtraum, selbst Ordensschwester zu werden – ein Wunsch, der aber umständehalber nicht in Erfüllung gegangen ist. Aber über all die Jahre hat sie viel Post aus Simbabwe erhalten, in der sich die Empfänger der Hilfslieferungen sehr dafür bedankt haben, und immer wieder kam auch Besuch von dort, sodass Rosa Blank immer gut über die Situation informiert war. he

 

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