weather-image
16°

Kritik an Schwarz- und Vereinsgastronomie

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Peter Stocker bei einer Veranstaltung. (Foto: Müller) Foto: Müller

Waging am See – Peter Stocker ist ein Mann klarer Worte. Der Inhaber des Seehotels Wassermann in Seebruck ist seit 13 Jahren Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Kreisstelle Traunstein – und inzwischen etwas frustriert. Diese Grundeinstellung prägte seinen ausführlichen Bericht auf der Jahreshauptversammlung im Hotel Eichenhof in Waging am See.


Es sind im Wesentlichen drei Themen, die ihn über Jahre beschäftigt haben, ohne dass dabei Erfolge hätten erreicht werden können: Es gibt immer noch keine einheitliche Destinationsebene in der Region 18, das IRS-Buchungssystem für die Touristiker in der Region sei ein »K.O.-Kriterium«, weil hier eigentlich nur die Kleinvermieter mitmachten, und schließlich würden die Schwarz- und Vereinsgastronomie ihren Teil dazu beitragen, dass immer mehr Gaststätten schließen müssten.

Anzeige

Keine Kandidatur im nächsten Jahr: Aus Frust

Dass in diesen und noch manch anderen Bereichen keine Verbesserung habe erzielt werden können, sei ein Grund dafür, dass er kommendes Jahr bei den Neuwahlen nicht mehr als Vorsitzender kandidieren werde.

Ein sehr wichtiges Thema sei es für ihn gewesen, die Hotellerie und Gastronomie besser in die Strukturen der Tourismusverbände einzubinden. Man habe sich immer wieder damit beschäftigt, wie man die verschiedenen Ebenen des Tourismus besser abstimmen könne, damit nicht auf allen Ebenen Geld für die Vermarktung ausgegeben werde. Es habe etliche Konzepte dazu gegeben, sogar Beschlüsse der Kreistage in Traunstein und Rosenheim, aber bis heute sei nichts davon umgesetzt worden.

Derzeit laufe zusammen mit der IHK eine neue Initiative, um die größeren gewerblichen Betriebe mit ins Boot zu holen, damit ein gewerblicher Tourismusverband aufgebaut werden könne. Das Ziel wäre es, ein gleichwertiger Partner zu den kommunalen Tourismusorganisationen zu sein.

Für ihn sei immer ganz klar gewesen, so Stocker, dass man eine Destinationsvermarktung brauche, die am Markt in Zukunft bestehen könne, die eine Größe von 12 bis 15 Millionen Übernachtungen haben müsse, die zumindest die Landkreise Traunstein und Rosenheim umfassen müsse. Dieses Ziel sei bedauerlicherweise aber komplett zum Stillstand gekommen: »Da scheint nichts mehr zu machen zu sein.« Viele heutige Kommunalpolitiker wüssten von diesen Plänen schon gar nichts mehr.

Ein weiteres wichtiges Thema sei für ihn immer das Angehen gegen Schwarz- und Vereinsgastronomie gewesen. Es könne nicht angehen, dass derartige Lokalitäten immer zahlreicher würden, ohne gleiche Wettbewerbsbedingungen erfüllen zu müssen. Dass dabei die bayerische Wirtshauskultur den Bach runter gehe, interessiere dabei weder die Politiker noch die Vereine.

Als Beispiel dafür, gegen das er und der Verband schon seit vielen Jahren ankämpften, nannte Stocker das Anwesen in Pitzlloch bei Erlstätt, in dem – so seine Informationen – deutlich mehr als die 15 genehmigten Veranstaltungen im Jahr stattfänden.

Stocker nannte auch den Grund, warum er sich so in diese Thematik »hineinsteigere«: Die regulären Gaststätten würden mit Vorschriften gegängelt, die man, auch wenn man sie erfüllen wollte, kaum mehr erfüllen könne. Dagegen würden sich viele Veranstaltungsorte überhaupt nicht um die Vorschriften kümmern, ohne dass dagegen vorgegangen werde.

Statt IRS regionales Buchungssystem

Und zum dritten ist Stocker das IRS-Buchungssystem, das in vielen Gemeinden angewandt wird, ein Dorn im Auge. Seiner Meinung nach ist dieses System ein »K.O.-Kriterium«. Denn dadurch dass ins IRS mittlerweile auch die großen Buchungsportale wie »booking.com« oder »hrs« eingebunden seien, fielen dabei Provisionen in Höhe von bis zu 15 Prozent an – »Geld, das unseren Betriebe für Investitionen fehlt«. Stocker ist der Meinung, man hätte zusammen mit den Kommunen schon längst in der Region ein eigenes Buchungssystem aufbauen sollen, das wesentlich günstiger zu betreiben wäre. »Wir brauchen kein IRS«, so Stockers Überzeugung, zumal dieses System eh nicht gut angenommen werde.

Ein ganz großes Problem der Gastronomie ist neben der ausufernden Flut an ständig neuen Vorschriften, die kaum mehr einzuhalten seien, der Mangel an Fachkräften. Stocker äußerte sich überzeugt davon, dass es in nächster Zeit Betriebe geben werde, die schließen müssten, weil sie keine Mitarbeiter mehr finden. Zu dem Thema hatte Veronika Oppacher von der Agentur für Arbeit eine Information parat: Im Sommer kommen 15 junge Leute aus Kroatien und Tschechien in den Landkreis, Auszubildende im dritten Lehrjahr der Hotelfachschule. Wer daran interessiert ist, diese bei sich zu beschäftigen, vorzugsweise im Service, kann sich bei der Agentur melden. Diese fallen nicht unter die Mindestlohn-Regelung, freie Unterkunft und Verpflegung ist zu stellen. Darüber hinaus biete die Agentur, wie Veronika Oppacher noch informierte, mit großzügigen Zuschüssen Fortbildungen für Interessierte ohne Berufsabschluss, die damit einen Abschluss bekommen können. Weitere Fortbildungen werden zur Qualifizierung von Mitarbeitern in der Gastronomie angeboten.

Landtagsabgeordneter Klaus Steiner nahm in seinem Grußwort zu Stockers Hauptthemen Stellung. Zumindest sollten die Vereine, so Steiners Appell, wenn sie schon eigene Heime betreiben, bei ihren Festen den örtlichen Wirten das Catering machen lassen. So seien all diese Themen davon abhängig, dass die Menschen vor Ort auch mitmachen. Dazu merkte Stocker noch an, dass er nicht generell gegen Vereinsheime sei; aber in diesen Heimen fänden mehr und mehr auch private Feiern statt, die dann den Gaststätten fehlten.

Die Zunahme an Vorschriften sei in der Landwirtschaft ein ähnliches Problem wie in der Gastronomie, stimmte Landratsstellvertreterin Resi Schmidhuber Stockers Ausführungen zu. Was das Thema Pitzlloch betreffe, wolle sie nochmals beim Landratsamt nachfragen.

Brandschutz ist wichtiges Thema

In   der   Versammlung ging es   auch   um das Thema Brandschutz, bei dem Ingenieur Stefan Deschermaier, der Geschäftsführer des Werkfeuerwehrverbands, an die Gastronomen appellierte, vor allem bei Umbauten dem Brandschutz hohe Aufmerksamkeit zu schenken. Beim Thema »Bestandsschutz«, das häufig ins Spiel gebracht werde, müsse man sich unbedingt vergewissern, dass die teilweise recht alten Pläne auch wirklich noch vorliegen. he

Mehr aus Waging am See