Kletzei geh in Waging

Kletzei geh in Waging
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Foto: Alois Pfeffer

Waging am See – Seltsames ereignete sich am vergangen Donnerstag vor dem Haus von Alfons und Lisa Schmuck in Waging am See. Vor dem Haus des Vorsitzenden des Waginger Vereins für Heimatpflege und Kultur marschierte eine Gruppe von „Kletzein“, genauer gesagt fünf Sängerinnen und Sänger mit Akkordeon und Gitarre, auf, um zu musizieren. Auch einige Mitglieder des Heimatvereins waren vor Ort und lauschten gemeinsam mit den Gastgebern den musikalischen Klängen.


Die „Kletzeigruppe“ wurde von Ernst Schusser, dem ehemaligen Leiter des Volksmusikarchivs des Bezirks Oberbayern, angeführt. Schusser ist ja von vielen Auftritten bei Waginger Marktsonntagen ein allseits bekannter und beliebter Musiker und Sänger. „Alles Gute, ein frohes Weihnachtsfest und a gutes Neues Jahr, scheene Sternsingerleut' und Frohe Ostern“ wünschte dieser allen Anwesenden. Wie gewohnt, animierte Ernst Schusser auch die anwesenden Zuhörer zum Mitsingen.

Im Rupertiwinkel gibt es noch diesen alten Brauch des „Kletzei geh'n“. Je nach Region wird dieser Brauch „Klöpfel singen“, oder „Anklöpfeln“ genannt und geht bis in das 15. Jahrhundert zurück. In seiner ursprünglichen Form war es einer der vielen Neujahrsbräuche mit Glückwünschen für die kommende Zeit. Die armen Leute nutzten die Vorweihnachtszeit, da hier die Leute „spendenbereiter“ seien. Die Kletzeigeher waren vermummt, denn niemand wollte sich als Bettler von Haus zu Haus gehend erkennen zu geben. Meistens bekamen sie dann getrocknete Birnen, also Kletzen, oder auch Nüsse geschenkt. Heutzutage gehen Kinder und Jugendliche an den ersten beiden Donnerstagen im Dezember zu den Häusern und singen Lieder. Natürlich gibt es dann auch eine kleine Gabe als Dank. Zu den essbaren Gaben kamen im Im Laufe der Zeit dann auch Orangen und Schokolade, sowie eine finanzielle „Gage“ dazu.

Nachdem die zünftige Truppe einige in die Vorweihnachtszeit passende Lieder zum Besten gab, bedankte sich Alfons Schmuck, dass sie im Rahmen ihrer „Kletzeitournee“ auch nach Waging gekommen sind. Dieser Auftritt und somit die Aufrechterhaltung des echten Brauchtums sei, so Schmuck, eine große Ehre für den Waginger Verein. Vor dem Auftritt in Waging war die Gesangsgruppe bereits andernorts im Waginger Gemeindegebiet „im Einsatz“. Auch bei Heinrich Thaler in Hochreit traten die Sänger auf.

Der kurze Auftritt fand unter Hygieneauflagen im Freien statt. Mit dem Wunsch: „Irgendwann sehen wir uns wieder bei einem Auftritt in der Waginger Kirche oder dem Handwerkermarkt“ verabschiedeten sich die Sänger und verschwanden mit musikalischer Begleitung in der Dunkelheit.

Thomas Pfeffer

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