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Klagemauer in der Waginger Pfarrkirche

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Die »Klagemauer« in der Waginger Kirche lädt zum Nachdenken und Verweilen ein. Bis zum Palmsonntag kann jeder hier seine Klagen, Sorgen und Wünsche in den Ritzen ablegen. (Foto: Sojer)

Waging am See – In der Waginger Pfarrkirche St. Martin steht noch bis zum Palmsonntag eine »Klagemauer« vor dem Altar. Die außergewöhnliche Idee dazu hatte Gemeindereferent Martin Riedl, nach dem Vorbild der heiligsten Stätte in Jerusalem, wo viele Gläubige aus der ganzen Welt Gott sich so nahe fühlen wie sonst nirgendwo. Menschen schreiben Zettel mit ihren Wünschen und Gebeten und stecken diese in die Spalten der Mauer. Diese Tradition der Gebetszettel geht bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück.


»Gerade in dieser schwierigen Zeit brauchen wir einen Platz, um all das abzulegen was Herz und Seele bedrücken, ärgern und belasten«, erklärte Martin Riedl. Rund 100 Ziegelsteine sponserte Bauunternehmer Lamminger für das Vorhaben des Gemeindereferenten. Kirchenpfleger Hans Unterreiner sorgte für den sicheren Transport der Ziegel in die Kirche. Mit Mesnerin Tina Poller sowie den Pfarrgemeinderatsmitgliedern Florian Spiegelsperger, Susanne Hötzendorfer und Elli Heigermoser fand der erste »Mauerbau« im Gotteshaus statt.

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Die Mauer ist ein Ausdruck dafür, dass viele Menschen schlichtweg »mit dem Rücken an der Wand stehen.« Die massiven Einschränkungen durch den Corona-Alltag rufen bei vielen Menschen Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen hervor. Auch die Isolation und damit die Gefahr der Einsamkeit macht vielen Menschen zu schaffen. Dazu noch die Ungewissheit, wann man wieder in ein halbwegs normales Leben zurückkehren darf, führt die Gesellschaft in eine Frustration.

Mit dem Zitat aus dem Buch Joel: »Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider, und bekehret euch zu dem Herrn, eurem Gott!« ermutigte Gemeindereferent Martin Riedl die Gläubigen, mehr Zuversicht und Optimismus zu entfalten, um freier zu werden. Das kommende Osterfest bedeute die Auferstehung der Herrn und auf neues Leben zuzugehen. Die dazu errichtete »Klagemauer« soll in der Fastenzeit die Gläubigen bestärken, mehr auf das Herz zu hören und sich loszulösen von all den Ängsten und Sorgen. »Einen besseren Ort als hier in der Kirche gibt es dafür eigentlich nicht«, so Martin Riedl.

Die Kirche ist tagsüber offen, jeder kann einen Gebetszettel ablegen. Ausreichende Zettel, Stifte und Desinfektionsmittel stehen bereit. Die Gebetsanliegen werden vertraulich behandelt und werden, wenn die Osternacht gefeiert werden kann (Ostersonntag, 4. April um 5 Uhr), beim Osterfeuer verbrannt.

soj

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