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Im Andenken an Josef Kaspar heißt das neue Rettungsboot »Sepp«. (Foto: Wasserwacht)

Jahreshauptversammlung der Wasserwacht Waging: Neue Strukturen haben sich bewährt

Waging am See – Neue Besen kehren gut, heißt es. In diesem Fall trifft das auf den teilerneuerten Vorstand der Wasserwacht in Waging zu. Gleich von Beginn ihrer Amtsperiode an drückten die »Neuen« der Ortsgruppe ihren Stempel auf. Zwar habe man das Rad nicht neu erfunden, meinte Vorsitzender Marco Haberstetter bei der Jahreshauptversammlung der Wasserwacht im gut besetzten Kurhausstüberl am Waginger See. Aber insbesondere in einigen Organisationsbereichen verlieh man der Wasserwacht neue Strukturen.


Als wohl grundlegendste Neuerung wurde das Finanzwesen reformiert. Von dem System mit mehreren Bankkonten vor Ort löste man sich und führte diese zu einem Konto zusammen, das die Buchhaltung des Kreisverbands Traunstein führt. Von dort aus werden laufende Kosten und Rechnungen beglichen und – als ganz entscheidender Faktor – der Beitragseinzug vorgenommen. Der gewählte Kassier ist deswegen nicht arbeitslos. Er betreut weiterhin eine Kasse für kleinere Zahlungen. Haberstetter sieht hinter dieser Maßnahme nur Vorteile: größere Transparenz durch ein Einkontensystem, Kostenersparnis durch Wegfall von Kontoführungsgebühren und einen hohen Entlastungseffekt für den Kassier.

Neu geschaffen hat die Wasserwacht die Organisationsstelle eines »Qualitätsmanagers«, der für zielgerichtete, straffe und effiziente Arbeitsabläufe sorgen soll. Nicht überall werde dieses Instrument kritiklos akzeptiert. Nun habe man es aber grundsätzlich auch ehrenamtlich strukturierten Vereinigungen übergestülpt. Aber damit, so Haberstetter, müsse man eben leben. Und mit Maximilian Huber habe man den Richtigen für die Position eines Qualitätsbeauftragten gewinnen können.

Aktuell zählt die Ortsgruppe 186 Mitglieder, davon 42 Aktive und 34 im Jugendbereich. Gut aufgestellt ist die Wasserwacht in den Fachressorts Bootsführer mit 20 Führerscheininhabern und im Sanitätswesen mit 25 Mann. Zwölf Aktive können sich als »Wasserretter« und sechs als »Rettungsschwimmer im Wasserrettungsdienst«, eine Vorstufe des »Wasserretters«, bezeichnen. Besonders froh sind die Waginger über die Inhaberin des Ausbilderscheins für Schwimmen, Nora Schramke. So können weiterhin die stark nachgefragten Schwimmkurse als elementare Präventivmaßnahme durchgeführt werden.

Kostenersatz bei Einsätzen einfordern

Mit besonderem Stolz erfülle Haberstetter die Jugendgruppe, die sich seit ihrer Gründung bestens etabliert und bewährt habe. Mittlerweile können Kinder ab acht Jahren mit dem Erwerb des Rettungsschwimmerabzeichens in Bronze zum Jugendteam kommen. Früher war dies erst ab 13 Jahren möglich. Die Heranführung an die Aufgaben der Wasserwacht, an den Naturschutz, die Dienstpflichten und die spätere Fachausbildung erfolgten behutsam durch die Leiter der Jugendgruppe Bernhard Kaspar und Tabea Domann. Auszugsweise ging der Ortsgruppenleiter auf die Finanzen ein. Von der Gemeinde hat man einen Zuschuss in Höhe von 6000 Euro für den Dienstbetrieb erhalten. 3000 Euro erhielt die Wasserwacht für die Beschaffung von Dienstkleidung und 3000 Euro kamen aus dem Verkauf des alten Rettungsboots. Die einzig fest kalkulierbare Größe stellen die Mitgliedsbeiträge in Höhe von jährlich knapp 2500 Euro dar. Zwar könne bei Fixausgaben von jährlich knapp 5000 Euro, also etwa das Doppelte der festen Eingänge, der rechnerische Fehlbetrag bislang durch anderweitige Einnahmen ausgeglichen werden, aber eine sichere Größe stellten solche Zuflüsse eben nicht dar. Um so wichtiger sei es, so der Vorsitzende, wo durchsetzbar, für Einsätze und technische Hilfeleistungen jeweils den vorgesehenen Kostenersatz einzufordern. In den meisten Fällen träten ohnehin Versicherungen ein und die Betroffenen würden letztlich nicht belastet. Natürlich hielte damit ein Stück weit zusätzlicher Bürokratismus Einzug. Dennoch appellierte Haberstetter an die Aktiven, Einsatzberichte und Patientenprotokolle so exakt wie möglich auszufertigen. Schließlich bedeute das bares Geld für die Ortsgruppe.

»Sepp« übernimmt für »Tessy«

Am 15. Juli wird um 18 Uhr am Strandbad Seeteufel das neue Motorrettungsboot eingeweiht. Im Gedenken an das 2019 verstorbene aktive Mitglied Josef Kaspar, wird es den Namen »Sepp« erhalten. Josef Kaspar war ein »Urgestein« der Waginger Wasserwacht. Er legte überall mit Hand an, war zuverlässig, korrekt und einfühlsam.

Die gute alte »Tessy«, Baujahr 1982, hat fast 40 Jahre lang beste Dienste geleistet und war optisch sowie technisch intakt. Allerdings wurden altersbedingt Mängel und damit Reparaturen immer häufiger und kostspieliger. Und so entschied man sich für eine Neuanschaffung. Das knapp 70 000 Euro teure Boot des Herstellers Nordland Hansa Rostock verfügt über einen 140 PS-starken Suzuki-Außenbordmotor und ist optimal den wasserrettungsspezifischen Anforderungen entsprechend ausgerüstet. Die Anschaffungskosten übernahm der Staat Bayern. Die Bootsführer sind alle eingewiesen und haben schon 2021 entsprechende Übungsfahrten absolviert. Haberstetter bat sie angesichts der gestiegenen Treibstoffkosten, Fahrten auf ihre Notwendigkeit hin zu überdenken. Das solle aber nicht heißen, dass man auf Übungs- und Streifenfahrten gänzlich verzichten solle. Vielmehr müsse jeder in jeder Situation das Fahrzeug voll beherrschen. Es sei eben die Dosierung der Fahrten, die man im Auge haben müsse.

Der Technische Leiter Alois Maier berichtete von insgesamt 1648 Wachstunden, davon 1433 am Kurhaus und 215 am Strandbad Seeteufel. 25 Mal wurde Erste Hilfe geleistet, dreimal rückte man auf Alarmierung aus und zweimal hatte man Sachbergungen durchzuführen. Zahlreiche Übungen und Kurse dienten der Neuerlernung und Vertiefung von technischen Kenntnissen an Funk, Boot, Sanitätswesen und in sachgerechter Anwendung von Rettungsgeräten. Als »Pilotprojekt« gelang es 2021 in Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe Tengling, einen Lehrgang für »Rettungsschwimmer im Wasserrettungsdienst« an den Waginger See zu holen. Hierbei handelt es sich um eine Vorstufe zur Ausbildung zum »Wasserretter«. Um eine möglichst breite Basis an »Wasserrettern« zu schaffen, werden diese Kurse künftig im Rotationsprinzip abwechselnd von allen Ortsgruppen rund um den Waginger See organisiert.

In Vertretung für Bernhard Kaspar übernahm Tabea Domann den Bericht der Jugendleitung. Demnach führte man mit den 34 Kindern und Jugendlichen 15 Übungen durch. Themen waren zum Beispiel Erste Hilfe, Knotenkunde und das Retten von in Bedrängnis geratenen Personen. Dass der Spaß dabei nicht zu kurz kam, dafür sorgten Teilnehmer und Übungsleiter gemeinsam. Bürgermeister Baderhuber gratulierte der Ortsgruppe zu ihrem guten Griff bei den letzten Vorstandschaftswahlen. An der Zusammenarbeit mit der Gemeinde werde sich aus seiner Sicht nichts ändern. Zu den Ehrungen folgt ein gesonderter Bericht.

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