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Götterdämmerung in der Waginger Kommunalpolitik

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Die Marktratschn – alias Bernhard Mühlbacher – erwies sich als ausgesprochen aufmerksame und kritische Beobachterin vor allem der Waginger Kommunalpolitik in diesen Zeiten voller Veränderungen. (Foto: H. Eder)

Waging am See – »Voller Tatendrang und Mitteilungsbedürfnis« war sie, die Waginger Marktratschn alias Bernhard Mühlbacher, als sie den Unterwirts-Saal betrat, hereingespielt vom Musik-Duo Hans und Helmut. Da sie heuer beim Trachtenverein nach acht Jahren wegen »eines neuen Konzepts leider keinen Platz mehr gefunden hatte«, freue sie sich umso mehr, dass sich die Wirtsleute Petra und Andreas Kronast ihrer »derbarmt« hatten. Und so durfte sie sich beim Kessel- und Kronfleischessen ihren Kummer von der Seele reden.


Im Waginger Gemeinderat gehe es ja zu wie im RTL-Dschungelcamp; immer wieder ertöne der Ruf: »Ich bin ein Gemeinderat – holt mich hier raus!« Da sei wohl die Stimmung nicht die allerbeste, vermutete die Marktratschn und äußerte Verständnis: »Dort würde ich es auch nicht auf die Dauer aushalten.« Angefangen habe der langsame Auszug von Räten mit Christian Reiter, dem »aufgehenden Stern am Bürgermeister-Himmel«. Der hatte ja monatelang »Big Brother Bürgermeister Herbert Häusl« vertreten, als dieser krank war. Und nach dessen Rückkehr habe es wohl ganz schön gerumpelt, woraufhin Reiter »alles hingeschmissen« habe. »Ewig schad' drum«.

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Und seitdem sei im Rat der Wurm drin. Drei Gemeinderäte hätten sich in der Folge vom »Big Brother« getrennt und die neue UGW – »Unabhängige Gruppe Waging« – gegründet. »Ein saublöder Name übrigens« – der erinnere so ein bisschen an eine »Selbsthilfegruppe für sexuell genötigte Männer«. Danach hätten noch weitere Räte das Gremium verlassen, darunter auch Lydia Wembacher, »die schwärzeste Seele von Waging«.

Schließlich sei Weltuntergangsstimmung aufgekommen, als auch noch Bürgermeister Häusl seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen bekannt gab. Damit habe Waging nun »eine gewisse Ähnlichkeit mit Rom«: »dort ein emeritierter Papst, hier ein emeritierter Bürgermeister!«. Ein neuer Bürgermeister musste also her. Sie habe schon befürchtet, meinte sie, dass eventuell der Pflanzl-Schorsch (Georg Huber) wieder den Hut in den Ring werfen würde – tat er aber nicht. Oder vielleicht »Bachelor« Konrad Heigermoser, der schönste Gemeinderat von Waging; aber auch der verzichtete. Ebenso wenig mochte Felix Daxenberger antreten: Dafür habe sie großen Respekt vor ihm. Und letztlich habe auch die CSU darauf verzichtet, Karl-Heinz Neumann zu nominieren.

So hätten sich letztlich die bekannten drei Kandidaten ergeben: der mild lächelnde Milchmann Matthias, der wiesengrüne widerborstige Walter und der breit grinsende Bus fahrende Beppo – eine »Wahl zwischen Pest und Cholera«, wie die Marktratschn fand. Zu Walter Wimmer fiel ihr ein: »Dass ein Zuagroasta Waginger Bürgermeister wird, das geht gar nicht!« Beppo Hofmann wäre wohl der erste Bürgermeister mit einem gesponserten fahrbaren Untersatz gewesen, da er neun Jahre Vorsitzender des TSV und ebenso langjähriger Fahrer des TSV-Busses war. Und das Programm von Hias Baderhuber kam der Marktratschn etwas dick aufgetragen vor. Letztlich aber habe er die Wahl gewonnen und mit seinen 2400 Stimmen die Konkurrenz »ganz schön abgewatscht«.

Aber nicht nur die Kommunalpolitik beobachtet die Marktratschn sehr aufmerksam. »Ewig schad'« sei es, dass zwei alteingesessene Familienbetriebe der Gastronomie zugesperrt haben: das Hotel Wölkhammer und das Café Haslberger. Und auch, dass das Kurhaus vergangenes Jahr im Sommer mittags geschlossen war, fand sie nicht gut: Da sollte doch der neue Bürgermeister mal mit dem Inhaber sprechen. Erfreulich sei dagegen, dass ein »verlorener Waginger wieder zurückgekehrt ist und den elterlichen Betrieb wieder selbst übernommen hat«: Markus Oswald nämlich. Nun müsste er nur noch das Straßencafé »a bisserl schön herrichten«, dann gäbe es in Waging venezianisches Feeling und er hätte einen »Markusplatz«. Zum Schluss wünschte die Marktratschn dem neuen Bürgermeister »und seinem Elferrat« alles Gute für die Zukunft. Dann sei abzuwarten, ob »gute Zeiten oder schlechte Zeiten« auf Waging zukommen.

Die Zeit, bis die Marktratschn einmarschierte, füllten Hans Schuster und Helmut Patermann mit bayerischen Melodien, mit Volksliedern und Schlagern. Patermann spielte Ziach und Schuster begleitete ihn mit Gitarre oder Posaune, zwischendurch sangen sie auch oder jodelten gar. Auch manche Gäste, zumindest die in den vorderen Reihen, ließen sich anstecken und stimmten mit ein. Ansonsten ließen sich die Besucher Kessel- und Kronfleisch und allerlei anderes vom Schwein schmecken und genossen den Abend. Dabei war zu beobachten, dass es keineswegs nur die jüngere Generation ist, die ohne Smartphone schier nicht mehr auskommt. he