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Geschichtliches und Kulturelles rund um Waging

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Dies war einst – vom Jahr 1570 an – das Wohnhaus des Lehrers Rupertus Passegger, hier unterrichtete er auch seine Schüler. Somit gilt das sogenannte Babl-Haus, dessen Fassade vor einigen Jahren umfassend renoviert worden ist, als erstes bekanntes Schulhaus von Waging. Darüber und über vieles andere mehr wird im neuen Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Kultur berichtet. (Foto: Eder)

Waging am See – Schon zum 29. Mal hat der 1989 gegründete Verein für Heimatpflege und Kultur Waginger See sein Jahresheft herausgegeben. Das über 100 Seiten umfassende Heft befasst sich mit geschichtlichen und kulturellen Themen rund um Waging; vielfach sind die einzelnen Artikel von Vereinsmitgliedern verfasst. Auch heuer ist dem Redaktionsteam unter Leitung des langjährigen Ortsheimatpflegers Franz Patzelt eine interessante Mischung an Artikeln und Themen gelungen.


So erfährt man, dass Ende des 17. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Menschen aus Waging und dem Rupertiwinkel nach Niederösterreich ausgewandert sind. Ein Zentrum von deren Ansiedlung ist die Ortschaft Rauchenwarth etwa zehn Kilometer östlich von Wien. Auf rund 20 Seiten des Jahreshefts ist die Geschichte von Waging nachzulesen, die der damalige Lehrer Josef Helmer 1884 verfasst hat: »aus frühester Zeit, da Deutschland ein rauhes, unfruchtbares Land voller dichter Wälder und großer Sümpfe war« bis in die »neueste Zeit«, also bis in die 80er Jahre des 18. Jahrhunderts.

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Franz Patzelt fügte dieser Waginger Historie 20 weitere Seiten an, auf denen er Ereignisse und Darstellungen auflistete, die Helmer seinerzeit nicht bekannt waren.

Patzelt und Christine Heiß, die Schriftführerin des Heimatpflegevereins, schildern im neuen Jahresheft den »Organistendienst und die Kirchenmusik in Waging« von den Anfängen nach dem großen Ortsbrand 1611, dem auch die Kirche zum Opfer gefallen war, bis zum Jahr 1773, da der Mautaufseher in Waging, ein gewisser Franz Anton Pichler, feststellen zu müssen glaubte, dass es mit der »Musik allda sehr schlecht bestellt« sei. Heiß und Patzelt haben auch die Aufgabe übernommen, über die Schullokale in Waging zu schreiben: Das waren etwa das heute noch existierende »Babl-Haus« an der Seestraße, das Mesnerhaus in der Gadener Gasse – heute Anwesen Wembacher an der Salzburger Straße 15 – und nicht zuletzt auch das Gebäude, in dem heute das Rathaus untergebracht ist. Beide Berichte – der über die Kirchenmusik und der über die Schullokale – stützen sich auf Aufzeichnungen, die der aus der Gemeinde Wonneberg stammende, 1970 verstorbene Pater Bernhard Walcher niedergeschrieben hat.

Wie in jedem Jahresheft sind auch diesmal wieder etliche Ortsnamen erklärt samt einer kurzen Historie der jeweiligen Ansiedlungen; diesmal von Siegfried Müller, dem früheren Ortsheimatpfleger von Tengling. Und Franz Patzelt erinnert dann noch an »vorbaiuvarische archäologische Spuren im Waginger Raum«, die bei aller Hinwendung zu den Baiuvaren nicht vergessen werden sollten. Auf die neuere Geschichte beziehen sich Artikel im hinteren Teil des Jahreshefts.

Da ist einmal ein Beitrag von Alfons Schmuck, Vorsitzender des Heimatpflegevereins, mit dem Titel: »Waging, das sündige Dorf«. Der Hintergrund: Der bekannte Münchner Schriftsteller und Journalist Sigi Sommer hat Anfang der 1970er Jahre in der Münchner Abendzeitung eine Glosse verfasst, in der er sich mit der »Invasion der Unterröcke« befasst, die im Zuge des zunehmenden Fremdenverkehrs in Waging alljährlich über den Ort hereinbreche. »Viele rechtschaffene und katholische Waginger«, so schreibt Schmuck, waren darüber »entsetzt«, »erbost« und »stinksauer«, zumal all das von Sommer Geschilderte natürlich »erstunken und erlogen« gewesen sei. Roland Terner berichtet aus erster Hand über das Lokal »Roma«, das Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre »für die einen Jugendtreff, Kleinkunstbühne, Ideenschmiede, Musikkeller, Kreativschuppen, Beichtstuhl und Seelenklempnerei«, für die anderen »eher Sündenpfuhl und Lasterhöhle« gewesen sei.

Sebald König, ehemals Chef des Staatlichen Bauamts, schildert die Entwicklung der Straßenverbindung von Traunstein nach Waging – »von der Landstraße I. Ordnung zur heutigen Staatsstraße«. Und nicht zuletzt enthält das neue Jahresheft des Heimatpflegevereins noch einen Artikel über die »Spanische Grippe«, die zwischen 1918 und 1920 in ganz Europa Millionen Tote forderte – mit »Parallelitäten zwischen gestern und heute« mit Blick auf die aktuelle Corona-Pandemie.

Das Jahresheft wird an die Mitglieder des Heimatpflegevereins kostenlos verteilt. Daneben liegt es in manchen Geschäften zum Kauf auf. Außerdem ist auf Initiative des Vereins das Kriegstagebuch des Wonneberger Theologie-Studenten Josef Lechner nochmals neu aufgelegt worden. Diese eindrucksvolle Beschreibung seiner Erlebnisse in den Gräueln des Ersten Weltkriegs ist in der Tourist-Info erhältlich, ebenso das dreibändige Waginger Heimatbuch.

he

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