Gefahrgutübung der Feuerwehr – Unklare Rauchentwicklung im Chemikalienlager

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Reinigung der vorgehenden Trupps an der Dekon-Stelle Foto: Thomas Pfeffer FF Waging am See

Waging – Die Meldung im Titel war die Ausgangslage zu einer groß angelegten Gefahrgutübung der Feuerwehr. Schauplatz der Einsatzübung war das Gelände der Milchsammelwagenwaschanlage der Bergader Privatkäserei am Gärtnerweg in Waging.


Bereits im Vorfeld konnten sich die Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Waging am See im Rahmen einer Besichtigung einen Überblick über das neue Betriebsgelände verschaffen. Bei der nun abgehaltenen Übung waren die dabei erlangten Kenntnisse sehr nützlich. Unter dem bei der für die Feuerwehralarmierung zuständigen Leitstelle geführten Stichwort „ABC-B, unklare Rauchentwicklung im Chemikalienlager“ machten sich die für eine derartige Lage vorgesehenen Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Waging und Taching auf den Weg zur fiktiven Unglücksstelle.

Den ehrenamtlichen Helfern bot sich dann folgendes Bild: Der ausgetretene Rauch stellte sich als Dampfwolke in Folge einer Neutralisationsreaktion von verschiedenen Laugen und Säuren heraus. Laut einem Mitteiler befanden sich noch zwei Monteure im Gebäude, welche im ebenfalls verrauchten Keller arbeiteten. Einsatzleiter 2. Kommandant Sebastian Kamml, welcher als Zugführer die eintreffenden Einsatzkräfte befehligte, sowie Martin Pöllner als Fachberater für Gefahrguteinsätze wurden logistisch vom Team des Einsatzleitwagens mit diversen Nachschlagewerken unterstützt. Als wichtigste Maßnahme galt nun die Rettung der beiden Personen. Zwei Feuerwehrmitglieder, welche sich mit speziellen Flüssigkeitsschutzanzügen und Atemschutzgeräten schützten, gingen zur Personensuche vor. Zwei weitere Trupps rüsteten sich mit Chemiekalienschutzanzügen aus, um den Austritt des ätzenden Gefahrstoffes zu stoppen. Die verschiedenen Stoffe konnten identifiziert und die diversen Gebindegrößen ermittelt werden.

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Vorgehen der Einsatzkräfte im Chemikalischenschutzanzug Foto: Thomas Pfeffer FF Waging am See

Um die im Gefahrenbereich eingesetzten Kräfte von den ausgetretenen Stoffen reinigen zu können, musste gemeinsam mit der Tachinger Feuerwehr eine Dekontaminationsstelle errichtet werden. Eine großräumige Absperrung direkt an der Grenze zum Gefahrenbereich und eine weitere Sperrung des Umfeldes ist bei dieser Art von Einsätzen von großer Wichtigkeit. Auch der Brandschutz musste mit dem Pulverlöschanhänger, welcher mit 250 Kilogramm Löschpulver ausgestattet ist, und ausreichend Löschwasser sichergestellt werden.

Der Fokus galt bei der Übung der Einsatzleitung, der Dokumentation des Einsatzes, sowie der Prüfung des vorhandenen Einsatzplanes. Taktische Entscheidungen und die richtige Befehlsgabe an die Gruppenführer der eingesetzten Fahrzeuge waren von essentieller Wichtigkeit. Ein großer Dank geht an die Bergader Privatkäserei, welche das Firmengelände zur Verfügung stellte. Eine praktische Durchführung derartiger Schadenslagen ist zusätzlich zur theoretischen Vorbereitung, sowie das Vorhandensein der technischen Ausrüstung von großer Wichtigkeit. Von den beiden Feuerwehren waren fünf Einsatzfahrzeuge mit verschiedenster Ausrüstung und rund 30 Feuerwehrfrauen und -männer vor Ort.

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Gefahrgutberater Martin Pöllner mit diversen Gefahrstoffmessgeräten der Waginger Feuerwehr Foto: Thomas Pfeffer FF Waging am See

GAMS-Regel

Ein solcher in der Fachsprache genannter ABC-Einsatz (als Sammelbegriff für atomare, biologische und chemische Einsätze) stellt die Feuerwehr, wie Fachberater Martin Pöllner erwähnt, immer vor besondere Herausforderungen. Um hierbei gezielt vorgehen zu können, wird die sogenannte GAMS-Regel angewandt. Mit diesem Merkwort gilt es die Gefahr zu erkennen, Absperrungen zu veranlassen, die Menschenrettung durchzuführen und gegebenenfalls Spezialkräfte anzufordern. Die Feuerwehr Waging kann hierbei mit dem im Feuerwehrhaus stationierten Umweltschutzanhänger umfangreiche Spezialausrüstung an den Einsatzort befördern. Verlastet sind hier auf verschiedenen Rollwägen Ausrüstungen für Mineralölunfälle, Auffangbehälter für chemische Stoffe, diverse Gefahrgutpumpen mit Erdungsmaterial, ein Dekontaminationszelt, verschiedenste Armaturen und Flansche, sowie nicht funkenreissendes Werkzeug, sowie auch Abdichtungs- und Absperrmaterial. Der Einsatzleitwagen, welcher im Regelfall als erstes an einem Einsatzort eintrifft, verfügt über diverse Messgeräte und Prüfröhrchen zur Feststellung der verschiedensten Gefahrstoffe.

fb/red

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