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Gaupreisschnalzen in Waging erst 2022

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Ein Gaupreisschnalzen wird es 2021 nicht geben – Corona macht den Waginger Schnalzern einen Strich durch die Rechnung.

Waging am See – Das 68. Gaupreisschnalzen am 6. und 7. Februar 2021 in Waging wird aufgrund der aktuellen Corona-Situation um ein Jahr verschoben. Das teilte die Vorstandschaft der Schnalzervereinigung im Gasthaus Steinbrünning während eines Pressegesprächs nach einem einstimmigen Vorstandsbeschluss mit. Als Ersatz steht für den Schnalzersonntag die Idee eines »Sternschnalzens« im Raum.


Die Vorsitzenden Rudi Roider aus Kirchanschörning und Toni Langwallner aus Viehhausen, Schriftführerin Marianne Hauser aus Steinbrünning und Ausrichter Michi Mühlbacher aus Waging überbrachten die Nachricht sichtlich schweren Herzens. Aufgrund der hohen Zahlen im Berchtesgadener Land und im benachbarten Salzburg musste sogar die Ausschusssitzung einige Tage darauf abgesagt werden, weil die rund 30 Gebietsvertreter momentan rein rechtlich gar nicht zusammenkommen dürfen.

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Das Rupertigaupreisschnalzen ist jedes Jahr der Höhepunkt der Schnalzersaison. Veranstalter ist die Schnalzervereinigung, jähr­lich wechselnd gibt es einen anderen Ausrichter. Im kommenden Jahr wäre nach 1976 wieder einmal Waging an der Reihe, und zwar die Schnalzer im Trachten- verein »D‘ Mühlberger«.

»Wir hätten uns narrisch gefreut, die Leute zu uns einzuladen«, sagt deren Obmann und Festleiter Michi Mühlbacher. Für das Jahr darauf wollte sich Viehhausen bewerben, betont deren Vorsitzender Toni Langwallner. Die Vorstandschaft ist sich einig, dass die coronabedingten Vorgaben und ein Hygienekonzept beim Rupertigaupreisschnalzen mit insgesamt circa 220 Passen an beiden Tagen und erfahrungsgemäß vielen Zuschauern im kommenden Februar nicht durchführbar sind.

Derzeit sei davon auszugehen, dass sich die Coronalage nicht maßgeblich verbessert. Deshalb drängte Michi Mühlbacher auf eine frühe Absage. Immerhin ist mit der Durchführung einer so großen Veranstaltung sehr viel Organisation und ein finanzieller Aufwand verbunden. Alleine die Krüge kosten schon an die 15.000 Euro. »Wir wären startklar gewesen, die Eckpunkte waren fixiert«, sagt Mühlbacher mit Bedauern.

Seit Juni vergangenen Jahres laufen die ersten Vorbereitungen. Er hofft nun, dass alle Helfer auch ein Jahr später bereitstehen. Insgesamt sind etwa 300 bis 350 Leute für die Durchführung des Rupertigaupreisschnalzens notwendig. Waging mit Schirmherrn Bürgermeister Matthias Bader­huber habe jedenfalls auch für 2022 die Unterstützung zugesagt. »Waging steht hinter den Trachtlern und den Schnalzern.«

Was die einzelnen Gebietspreisschnalzen in den fünf bayerischen und den zwei salzburgischen Gemeinden angeht, gibt es eine Empfehlung der Vorstandschaft, wie Rudi Roider und Toni Langwallner betonen. Sie wollen die Schnalzer-vereine auf die Situation sensibilisieren. »Jedes Gemeindegebiet ist anders, die Zahl der Passen schwankt von 20 bis 50. Es muss vor Ort entschieden werden, ob ein Gebietspreisschnalzen unter den derzeitigen Vorgaben möglich ist. Jeder sollte sich aber über mögliche Konsequenzen im Klaren sein«, so Roider. Veranstalter bei den Gebietspreisschnalzen ist nicht die Schnalzervereinigung, sondern der jeweilige Verein.

Die Jahreshauptversammlung der Schnalzervereinigung im November in der Mehrzweckhalle in Saaldorf hängt ebenfalls am seidenen Faden. Schlimmstenfalls müsse auch sie entfallen, sagt Schriftführerin Marianne Hauser. Die Rechenschaftsberichte und Beschlüsse müssten dann bei der nächsten Versammlung ein Jahr später nachgeholt werden.

Was die weiteren Aussichten für den kommenden Winter betrifft, so soll nach dem Wunsch der Vorstandschaft der Schnalzervereinigung die Saison nicht komplett ausfallen. Sie wünscht sich, dass am Stefanitag unter Einhaltung der Hygiene- und Gesundheitsschutzvorgaben die Schnalzer wieder auf die Wiese gehen. Da das Brauchtum naturgemäß mit Abstand und unter freiem Himmel stattfindet, dürfte dies kein Problem sein. Lediglich das gemütliche Beisammensein hinterher in größeren Gruppen muss entfallen.

Besonders die Jugend solle bei Laune gehalten und zum Training geholt werden, wünschen sich Roider und Langwallner. »Schaut‘s auf die Dirndln und die Buam, die Passen sollen halt einzeln zum Training kommen.«

Ähnlich wie das Sternschießen steht die Idee eines Sternschnalzens am Schnal­zersonntag, 7. Februar 2021, im Raum. Jede Pass würde in ihrer Heimatgemeinde ab 11 Uhr bei sich daheim schnalzen, gebietsmäßig eventuell nach einem vereinbarten Zeitplan von außen nach innen, Zentrum ist Saaldorf, wo der Sitz der Schnalzervereinigung ist. Um 12 Uhr würden alle zusammen gleichzeitig einen Generalpasch schnalzen – freilich alles ohne Zuschauer, aber die Leute würden dies daheim in ihren Wohnungen hören. Die Vorstandschaft sieht eine Ähnlichkeit zum Ursprung des Brauchtums in der Pestzeit. Damals verständigten sich wohl die Gemeinden durch das Schnalzen.

»Das Leben und das Schnalzen geht weiter«, sagt Rudi Roider. »Wir sind geschickt für die Zeit nach Corona.« Die Vorstandschaft appelliert an den Zusammenhalt und die Vernunft jedes einzelnen. »Bleibt‘s gesund und haltet euch an die Vorgaben.« tw

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