Faszination Modellbau: Urlauber baut Waginger Feuerwehr nach

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Foto: Benjamin Stein

Bereits vor einigen Jahren wurde von der Firma Rietze, einer der führenden Modellbauhersteller, das Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 der Waginger Feuerwehr im Verkaufsprogramm aufgenommen. Das Fahrzeug war aufgrund seiner Detailtreue in einem deutschen Feuerwehr-Fachmagazin sogar als „Modell des Monats“ vorgestellt worden. Auf so mancher Sammlervitrine und Modelleisenbahn rückt seitdem die Feuerwehr mit einem originalgetreuen Waginger Löschfahrzeug aus.


Für Benjamin Stein, einen 38 Jahre alten Feuerwehrmann aus Leutenbach in Baden-Würtemberg, war dieses jedoch nicht ausreichend. Er baute in den vergangenen Jahren nicht nur alle Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr Waging im Maßstab 1:87 nach, sondern dazu passend auch noch das Waginger Feuerwehrhaus. Laut seiner Aussage begleitet Benjamin Stein die Feuerwehr und auch der Modellbau schon sein ganzes Leben. In seiner heimischen Feuerwehr in ist er Gruppenführer und er leitete auch den KTrupp, den damaligen Bundeswehr-Ersatzdienst. Auch im örtlichen Faschingsverein ist er als Zunftmeister aktiv. Hinzu kommt noch eine vierte „Leidenschaft“, und zwar Urlaubsreisen nach Waging am See. „Jedes Jahr, wenn wir im Sommer nach Waging am See kamen, mussten meine Eltern als allererstes am Waginger Feuerwehrhaus vorbeifahren, da ich schon als Kind von der Feuerwehr Waging fasziniert war“, so Benjamin Stein im Gespräch.

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Besuche von Urlaubsgästen sind bei der Feuerwehr in Waging nichts außergewöhnliches, bestätigt auch 1. Kommandant Michael Schramke. Oft kommen auswärtige Feuerwehrfrauen und -männer am Feuerwehrhaus vorbei und möchten die Fahrzeuge, das Gerätehaus und das Feuerwehrmuseum besichtigen. Auch Kinder, welche sich die Nasen an den Toren der Fahrzeughalle geradezu platt drückten, dürfen gerne mal das Feuerwehrhaus von innen begutachten.

Waginger Modellbau-Feuerwehr
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Benjamin Stein mit seiner Familie

So wurde damals auch Benjamin Stein laut seiner Auskunft „ohne wenn und aber“ hereingebeten und war von dem Ausmaß dieser oberbayerischen Feuerwehr und der ganzen Ausrüstung und Technik die hinter der Fassade steckte noch mehr begeistert. „Seit diesem Zeitpunkt reicht es mir nicht mehr einmal in unserem Urlaub an der Wache vorbei zu fahren, sondern ich wollte immer auch hinein sehen“, wie er bestätigt. „Manche Orte Deutschlands haben den Ruf, dass sie einen an sich fesseln. So lässt auch meine Familie und mich Waging nicht mehr los“. So käme für ihn als Auswanderungsort auch nicht Australien oder Kanada in Frage, sondern nur die Region um den Waginger See, wie er scherzhaft meinte.

Nachdem er Feuerwehrfahrzeuge seiner Heimatorte Leutenbach, Nellmersbach und Weiler zum Stein nachbaute, folgte bald auch Fahrzeugmodelle der Feuerwehren Stuttgart, Reutlingen und der Flughafenfeuerwehr Frankfurt am Main, bevor er sich mit noch mehr Übung und Erfahrung an die Fahrzeuge der Waginger Feuerwehr „wagte“. Etwa 1 ½ Jahre Bauzeit benötigte er alleine für den Fuhrpark wie er im Jahr 2000 in Waging im Einsatzdienst war. Da Feuerwehrfahrzeuge natürlich auch eine entsprechende Heimat brauchen, sollte als nächstes Bauprojekt das Waginger Feuerwehrhaus folgen. Von der Planung mit Zeichnungen bis zur Fertigstellung kurz vor Weihnachten 2020 vergingen etwas 2 ½ Jahre.

Waginger Modellbau-Feuerwehr
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Foto: Benjamin Stein

Auch hier zeichnete sich wieder eine unwahrscheinliche Detailtreue aus. Aus Kunststoffprofilen wurden die Fenster und Hallentore erstellt. Für die Außenfassade und das Dach musste von einem Architektenmodellgroßhandel Kunststoffplatten bearbeitet werden. Geländer, Funkantenne, Parkplätze, sogar Schachtdeckel, Straßenlaternen und Fahnenmasten wurden maßstabsgetreu erstellt und originalgetreu auf dem Diarama platziert. Der Höhepunkt war dann die Statue des Heiligen Florian an der Einfahrt zum Feuerwehrhaus. Der Stein unter dem HO-Modell der „Florians-Statue“ an der Einfahrt zum Feuerwehrhaus ist sogar original aus dem Waginger See entnommen. Die Leidenschaft für Feuerwehr, Modellbau und natürlich für Waging am See ist ihm und seiner Familie natürlich erhalten geblieben. Derzeit arbeitet Benjamin Stein an einem Modell des Waginger Wasserwachtsbootes „Tessy“. Und natürlich hofft der Modellbauer baldmöglichst seinen Urlaub – samt Ehefrau und vierjähriger Tochter - wieder in Waging verbringen zu können und dann natürlich auch „seine“ Waginger Feuerwehr wieder besuchen zu können.

Thomas Pfeffer, FF Waging am See/red

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