Erfolgreicher Auftakt des Festivals »Zeltl'n« in Waging

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Das Publikum bestens unterhalten hat Willy Astor beim Auftakt zum »Zeltl'n«-Festival. Die Bühne dafür bietet heuer wieder die Bergader Arena. (Foto: Caruso)

Waging am See – Ist er nun ein Unfug-Unternehmer, der gerne mit der deutschen Sprache spielt, oder doch eher Songschreiber und Musiker? Das weiß Willy Astor bisweilen wohl selbst nicht so genau. Aber flink ist er auf jeden Fall, sowohl zwischen den Ohren als auch mit den Fingern. Sein Gitarrenspiel ist virtuos, und er lässt mit Unterstützung eines Gitarrensynthesizers seine halbakustische Godin erklingen, wie der Tierarzt an Gewicht zugelegt hat: »Des is' vielleicht a fetter-Inär«.


Um die Stimme zu schonen, lutschte er zwischendurch immer wieder mal ein Hustenguatl. Er war jedoch gerne bereit, es zu teilen: »Soll ich es mal durchgehen lassen?« Überhaupt ließ er so manches durchgehen, auch die Unterhaltung zweier »Ratschtanten«, die in der ersten Reihe der ausgebuchten Bergader Arena saßen, was ihn nicht weiter störte. Er sei gerne bereit, sein Programm für sie zu verlängern.

Die erste Reihe hatte es ihm offensichtlich angetan, war da doch eine Zuhörerin, der er gezielt entlockte, dass sie aus Rosenheim angereist ist, weil sie die Karten von ihrem Arbeitgeber geschenkt bekommen hatte. Astor dankte für die Offenheit, verzieh »der Plaudertasche« aber nicht so ganz, dass sie nicht wusste, wie weit es von Rosenheim bis Waging ist. Ein Lob gab es dagegen für Fans aus Tittmoning, die die Karten selbst gekauft hatten – und wussten, dass sie für diesen Abend noch einen Anfahrtsweg von exakt elf Kilometern ab der eigenen Haustüre in Kauf zu nehmen hatten.

Sein Dank galt dem »Hausherrn der Bergader-Arena«, Beppo Hofmann, der ihn mit seiner Ansprache so stark überzeugte, dass er ihm anbot, ihn vom Fleck weg für seine Auftritte zu engagieren, »falls ich mal einen Ansager brauche«. Dem Fotografen, der ihn laufend knipste, riet er, den Deckel vom Objektiv zu nehmen, damit die Bilder was werden.

Astor gestand, dass ihm Waging nicht ganz unbekannt ist, weil er bei Alfons Schuhbeck zu Gast war, wo er den Songtext für »Stern des Südens« gedichtet habe. Seine Sympathie für Waging scheint ungebrochen, was er mit der Uraufführung seines »Lieds für Waging« beteuerte. Das bestand aber nur aus der Strophe »Waging, du bist, wie du bist«. Die Leute ließen sich aber gerne auf den Arm nehmen und klatschten lautstark. Überhaupt durfte sich Willy Astor den ganzen Abend über im Beifall sonnen. Damit bestätigten ihm die Freuwilligen, dass sie gewillt sind, die verqueren, gelegentlich gürtelliniennahen und oft anrüchigen Wortspielereien, die das Markenzeichen des bayerischen Wortwitz-Fürsten sind, begeisternd aufzunehmen. Denn alle fanden wunderbar, wie Astor ungeniert und fröhlich Silben fischte und mit seiner von rustikalen Kalauern angereichten Wortspielkunst brillierte.

Der Künstler passte seine Lieder zum Teil dem aktuellen Krisenmodus an. Geleitet von der Gitarre sang er in seinen Sanitärstücken den Klopapier-Song- »die Situation ist keine hoffnungsvolle, vielleicht bin ich schon morgen von der Rolle«, das »Steril, Steril Lady« oder das: »Sag, Sag, Sagrotan« und »wenn es Models pressiert, frag ich mich oft, ob die Miss muss«.

Optimismus und den Kontakt zu seinem inneren Kinde solle sich jeder erhalten, meinte Astor und zündete einen seiner Klassiker, frei nach der Melodie des kubanischen Volkslieds Guantanamera, »des Gwand an ham Ära«. Lauthals stimmte das Publikum in die zweite Strophe, »Kaulquappensocken, da waren Kaulquappensocken…« ein. Wie viele Waginger seiner Aufforderung aber tatsächlich gefolgt sind und in den nächsten Tagen »Kaulquappensocken« in einer Bäckerei geschmettert haben, wird wohl im Dunkeln bleiben.

Auch mit »Wenn ich mit Dir bei Esso ess« gehört zu den Liedern mit schrägen Texten zu den Melodien. Aus Helge Schneiders Katzenklo wurde so »Mäusekot, Mäusekot, schmeckt auch mal im Roggenbrot.« Besonderer Beliebtheit erfreute sich der Songtext: »Es gibt Millionen von Zähnen, meine dritten möchte ich hier erwähnen«, frei nach der Melodie »Aber dich gibt’s nur einmal für mich,…« erfreuen. »Nur der Gedanke, dass ich dich einmal verlieren könnt, dass dich ein andrer Mann einmal sein eigen nennt…« Wie das »Ja, in Schwabing wohnt mein Zivi« stammte es aus seinem Senioren-Medley, mit dem er der älteren Generation Respekt erweist.

Seine Witze prasselten dermaßen schnell aufs Publikum herab, dass sich dieses ganz schön konzentrieren und trotzdem gelegentlich beim Sitznachbarn nachfragen musste, was Astor wohl mit Schrulligkeiten wie der »Mike F. Ablage« meint. Diese Mischung aus geistreicher Wortspielerei und schräger Blödelei kam gut an, und Astor selbst schien auch seinen Spaß am Publikum zu haben.

Mit dem Lied »Einfach sein« stimmte er am Ende nachdenkliche Töne an und ergänzte die Komik um eine Portion Weisheit des Herzens. Die Hochstimmung, die bis dahin geherrscht hatte, fuhr Astor mit dem gefühligen Gitarren-Solo »Nautilus«, das in die Untiefen der Meere entführt, schließlich zu wortfreiem Ausklang.

Willy Astor blieb an diesem Abend nichts schuldig, nur die zweite oder dritte Strophe des Liedes »Waging, du bist wie du bist«. Aber die kann er ja vielleicht bei einem der nächsten Kulturfestivals im Rahmen von »Zeltl'n« immer noch präsentieren. Veranstalter Günter Wimmer hätte sicher nichts dagegen. Vielleicht zieht es Willy Astor aber auch eher nach Afrika, wo es auch einen See mit einer schönen Fee geben soll.

ca

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