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Der Kalkofen in Dieperting brennt

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Pfarrer Andreas Ager segnete die Kalkbrenner und die Materialien zum Kalkbrennen mit der Bitte um einen guten Verlauf der kommenden Tage. (Foto: Eder)

Waging am See – Jetzt brennt er wieder, der Kalkofen bei Dieperting. Am Mittwoch ist der Ofen nach einem kurzen Einmarsch der rund 30 Kalkbrenner und einer Segens-Zeremonie mit Pfarrer Andreas Ager angezündet worden; insgesamt 100 Stunden muss er brennen. Das Anzünden geschah nach einer wohl noch aus der Steinzeit stammenden Methode.


Dr. Robert Darga, der Leiter des Siegsdorfer Naturkunde- und Mammutmuseums, schlug mit einem Feuerstein einen Glutfunken aus einem Brocken Markasit (Eisenerz), der auf zerbröseltem Zunderschwamm unter allmählichem Zusatz von Kiefernnadeln und kleinen Holzspänen zunächst viel Rauch und dann eine kleine Flamme entstehen ließ. Damit wurde eine Art Reisigbesen entzündet, mit dessen Hilfe dann das Holz im Ofen rasch in Flammen aufging. Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser »steinzeitlichen« Methode klappte das Anheizen ganz hervorragend und ohne große Rauchentwicklung.

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Zuvor hatte Pfarrer Ager das Kalkbrenner-Projekt unter göttlichen Segen gestellt. Mit dem Lied »Lobe den Herren« wollte er den Dank dafür ausgedrückt wissen, dass es in der hiesigen Region doch eine ganze Menge an Bodenschätzen gibt, die vor allem in früheren Zeiten dem Menschen halfen, den Alltag zu meistern. Eisen in der Gegend um Eisenärzt, Salz in Berchtesgaden, Torf in den Mooren, Köhler »bei mir dahoam« in Unterwössen und schließlich Kalk um Dieperting herum. Das Kalkbrennen in einem runden Dutzend an Öfen sei hier ein Zuverdienst in der kargen Landwirtschaft gewesen. Es sei erfreulich, so der Pfarrer, dass diese Tradition weiterlebe und dass auch die Kirchen davon profitierten, wenn mit dem Kalk die Mauern geweißelt werden.

Den Kalkbrennern sprach der Pfarrer großen »Respekt, was ihr da alles auf die Füße stellt« aus. Der kleine Andreas, ein Sohn von Kalkbrenner-Vorstand Franz Gröll, sagte nach dem Anzünden des von ihm gehaltenen Reisigbesens ein Gedicht auf: »Wir wünschen, dass das Feuer nun brennt und uns einen guten Brandkalk schenkt. Es soll dabei freilich nichts passieren, wenn wir jetzt fröhlich den Ofen schüren.«

Als tolles Ensemble stellt sich die Umgebung des Ofens dar. Der Stadel ist zu einer ansehnlichen Gaststätte umgestaltet worden, mit dem Steinbackofen als zusätzlichem Blickpunkt. Genügend Tische und Bänke sind aufgestellt, um die Besucher der kommenden Veranstaltungen unterbringen zu können.

Die Kalkbrenner waren gleich fleißig dabei, den rund 100 Ster umfassenden, gewaltigen Holzberg abzutragen, damit auch immer genügend zum Nachschüren zur Verfügung steht. Bis zum Sonntagabend ist jetzt am Kalkofen praktisch durchgehend Betrieb: Drei Leute werden in der Regel vor Ort sein, um den Ofen am Brennen zu erhalten. Denn um konstant auf einer Temperatur von über 1000 Grad zu bleiben, muss rein rechnerisch pro Stunde etwa ein Ster Holz eingeheizt werden, in manchen Phasen gar noch etwas mehr: Da ist schon einiges zu tun; das Holz muss schließlich auch an das Schürloch herangeschafft werden.

Weiter geht's am heutigen Freitag um 18 Uhr mit einem lukullischen Abend und der Almkaser-Seestadl-Party mit DJ Abe ab 21 Uhr. Am Samstag gibt es ab 13 Uhr Führungen am Kalkofen, fürs leibliche Wohl werden bayerische Schmankerl und Schmalzgebackenes angeboten, außerdem gibt es ab 20 Uhr Musik mit der Live-Rock-Band »Heat Up«. Am Sonntag gibt es ab 10 Uhr einen musikalischen Frühschoppen mit der Musikkapelle Otting, ehe am Abend gegen 21 Uhr der Ofen ausgeht und das Schürloch zugemauert wird. Den Abschluss bildet das Kalkaustragen mit historischen Fuhrwerken am Samstag, 29. Juni, ab 12 Uhr. he