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Der harte Weg zurück ins Leben

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Seit dem schweren Unfall Mitte August vergangenen Jahres sitzt Sandro Wechselberger im Rollstuhl – und kämpft sich langsam wieder zurück ins Leben.

Waging am See – Es gibt Tage, an die man sich sein ganzes Leben lang erinnern wird. Und es gibt Tage, die das ganze Leben verändern können. Für Sandro Wechselberger aus der Nähe von Waging ist dieser Tag der 16. August 2018: Der sportbegeisterte 24-Jährige hat einen schrecklichen Unfall, sein Rückenmark wird dabei irreparabel geschädigt. Seit dem Tag sitzt Sandro im Rollstuhl. Jetzt kämpft er sich zurück ins Leben.


Ein knappes halbes Jahr ist das nun her. »So geht's mir inzwischen ganz gut«, erzählt der 24-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Zusammen mit seinem älteren Bruder und Freunden fuhr er an jenem Wochenende im August zum Mountainbiken nach Tschechien. »Ich hatte zwei Räder dabei und habe auch schon einige Sprünge gemacht.« Doch weil an seinem einen Rad etwas kaputt ging, wechselte Sandro auf das zweite Bike. »Ich habe mich nicht eingefahren und war viel zu schnell dran, vielleicht auch etwas übermotiviert. Und dann ist es passiert.« Der damals 23-Jährige verlor die Kontrolle über sein Mountainbike und stürzte – so schwer, dass es zu einem Bruch des ersten Lendenwirbels mit Quetschung des Rückenmarks kam. Außerdem erlitt er eine Gehirnerschütterung, eine Prellung der Lunge und eine schwere Schulterverletzung.

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Nur schemenhafte Erinnerung an Sturz

Der Waginger kann sich heute noch schemenhaft an seinen schweren Sturz erinnern. »Ich hab schon gecheckt, dass etwas nicht stimmt. Ich konnte meine Beine nicht bewegen. Mir war aber nicht bewusst, welche Folgen das hat. Ich dachte halt einfach, meine Beine sind nur eingeschlafen und das ist alles nicht so dramatisch.«

Kurz nach dem Sturz kam zufällig ein deutscher Wanderer an der Unfallstelle vorbei und setzte den Notruf ab. Da dieser tschechisch sprach, konnte er den Helfern erklären, was Sandro passiert ist und dass er seine Beine nicht spürt. Von der Bergwacht wurde der Waginger gerettet und bekam die bestmögliche Versorgung. »Ich wurde dann auf eine Vakuummatratze gelegt und ins Unfallklinikum nach Pilsen geflogen.« Dort wurde er sofort notoperiert, um den Spintalkanal zu entlasten und zu stabilisieren.

Nach wenigen Tagen wurde Sandro in die Schön-Klinik nach Vogtareuth verlegt, dort noch einmal an der Wirbelsäule operiert. Trotzdem blieb die Diagnose vage, ob die Lähmung bleiben wird oder nicht. Wochenlang ist Sandro anschließend im Querschnittszentrum der Unfallklinik Murnau. Telweise zurückgekehrte Funktionen in den Oberschenkeln machen ihm Hoffnung auf eine Besserung seines Zustands. Seit knapp zwei Wochen ist er jetzt in Bad Wildbad auf Reha – auch dort macht er kleine Fortschritte. »Unter Aufsicht kann ich einige, wenige Schritte mit dem Rollator gehen«, so der 24-Jährige. »Ich bin hier täglich eingespannt. Gerade hatte ich zum Beispiel Fahrstunde. Ich habe zwar einen Führerschein, aber muss jetzt die Schaltung mit Handgas neu lernen.« Etwa sechs bis acht Wochen wird er auf Reha bleiben, dann möchte Sandro eigentlich wieder nach Hause.

Dort war er bisher nur an Weihnachten und an seinem Geburtstag. »Es ist alles etwas schwierig. Ich wohne noch zu Hause bei meinen Eltern. Mein Zimmer und das Bad sind im ersten Stock.« Umbauarbeiten seien kaum möglich oder sehr teuer. »Vielleicht ziehe ich auch komplett um. Da muss man jetzt erst einmal schauen, wie es weitergeht.« Auch an seinen Arbeitsplatz in einer Traunreuter Firma möchte der 24-Jährige zurückkehren. »Mein Chef setzt sich dafür sein, dass ich bleiben kann.«

Und auch seiner großen Leidenschaft möchte der 24-Jährige wieder nachgehen. »Ich liebe eigentlich alles, was mit Bergsport zu tun hat. Mountainbiken im Sommer, Skifahren und Skitourengehen im Winter.« Nächstes Jahr möchte er vielleicht mal Monoskifahren ausprobieren. »Vor allem das Skifahren vermisse ich jetzt bei diesem traumhaften Winter.« Vorstellen kann er sich auch, irgendwann mal mit einem E-Bike auf den Berg zu fahren, »natürlich nur, wenn meine Beine das zulassen und genug Kraft haben«. Doch er denkt auch jetzt schon wieder an Sport. Dafür wünscht er sich ein Handbike oder einen Basketballrollstuhl.

Freunde organisieren Spendenaktion

Doch solche Anschaffungen – und auch mögliche Umbauten zu Hause oder im Auto – sind teuer. Der 24-Jährige kann nur sehr eingeschränkt Leistungen von der gesetzlichen Krankenkasse und staatliche Förderung beanspruchen, denn sein Unfall war ein Freizeitunfall – und er hatte keine Unfallversicherung. Damit zumindest ein Teil der Kosten gedeckt werden kann, haben Sandros Freunde eine Spendenaktion ins Leben gerufen. »Alleine kann ich meinen Weg zurück in den Alltag und ins Leben finanziell nicht stemmen.« Wer für Sandro spenden möchte, kann dies über ein Konto bei der Bürgerstiftung Traunstein (IBAN DE07 7109 0000 0001 0777 75) mit dem Betreff »supportsandro« tun.

Trotz allem blickt der 24-Jährige der Zukunft positiv entgegen. Sein Ziel für die nächste Zeit ist es, »erst einmal wieder nach Hause zu kommen und dass ich mich dort alleine organisieren kann«. Auch ein neues Auto will Sandro sich zulegen, »damit ich irgendwann mal selbst in die Arbeit, zum Sport oder meinen Kumpels fahren kann«. Sein großer Wunsch für die kommenden Jahre ist es aber »irgendwann vielleicht auf den Rollstuhl verzichten zu können. Und ich möchte wieder im Outdoorsport aktiv werden«. jal