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Die Honoratioren bei den Verhandlungen (von links): Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner, Lampodings KSK-Vorstand Klaus Reschberger, sein Tettenhausener Kollege Hans Sommer und Wagings Rathauschef Matthias Baderhuber. (Foto: H. Aicher)

Bühnenreifer Einakter beim Patenbitten in Tettenhausen

Waging am See – Lange hat Corona verhindert, dass ein Verein zu einem anderen Verein zum Patenbitten fährt. Umso schöner gestaltete sich das Patenbitten der Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) Lampoding beim Patenverein Tettenhausen.


Regenwolken zogen bereits auf, als die Lampodinger Veteranen sich mit der Musikkapelle Kirchanschöring am Sommerstockplatz in Tettenhausen versammelten und dann zum Badwirt marschierten, wo sie von den Mitgliedern des Tettenhausener Patenvereins empfangen wurden. Schnell füllte sich das Gasthaus, und die Musikkapelle unter Leitung von Rüdiger Koslik spielte flott auf.

Klaus Reschberger, Vorsitzender der Lampodinger, bat schließlich Tettenhausens Veteranenvorstand Hans Sommer, die Patenschaft für das 110. Gründungsfest im Juli zu übernehmen. Den ersten Überredungsversuch starteten die Lampodinger mit einer Kiste Bier. Barbara Reschberger, die Fahnenmutter des Festes, versuchte es dann mit einem Korb »halbfrischer« Brezen. Da musste der zweite Vorsitzende der Tettenhausener, Jakob Rehrl, eingreifen, um den Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen. Die Bittsteller boten daraufhin ein Fass Bier an. Um seine Lampodinger bei den weiteren Forderungen des Patenvereins zu unterstützen, sagte Kirchanschörings Bürgermeister Hans-Jörg Birner den Tettenhausenern ein Weißwurst-Frühstück zu.

Dennoch kam die Lampodinger Vereinsführung samt Rathauschef nicht um das Scheitelknien herum. Dazu hatten sich die Tettenhausener Verhandlungsführer einen Gack einfallen lassen: Die Bittsteller mussten während des Kniens das Bier mit dünnen Schläuchen aus ihren Gläsern trinken, welche dann aus einem Potschamperl nachgefüllt wurden. Danach stieg rasch die Bereitschaft zur Zusage von 250 Liter Bier, und die Tettenhausener sagten zu.

Vorstand Hans Sommer kam dann auf die schon lange angekündigte Dankeschön-Feier für die Lampodinger Paten anlässlich des letztjährigen eigenen Festes zu sprechen. Als Geschenk an die Paten überreichte er einen selbst gebauten Schnapstresor in Form eines kleinen Holzfasses, bei dem auf Knopfdruck eine Schublade mit einem Schnapsfläschchen ausfährt. Außerdem gab er bekannt, dass die KSK Tettenhausen die halben Kosten für die Getränke und die Musik bei dieser Veranstaltung übernimmt.

Anschließend wurde die Bühne in einen Gerichtssaal umgebaut. »Amtsrichter« Jakob Rehrl und sein »Staatsanwalt« Richard Antichi sollten einen Kriminalfall aus dem Jahr 2019 klären, bei dem den Tettenhausener Veteranen eine auf halbem Weg zum Fest in Taching deponierte Kiste Bier in Wasser umgetauscht worden war. Das Gericht sollte den Dieb ermitteln. Mehrmals vermutete Hans Sommer zwischendurch, dass dies nur die Lampodinger gewesen sein konnten, wogegen diese auf der anderen Saalseite lautstark demonstrierten.

Trotz des wortreichen Vorbringens von allerlei Gerüchten und Vermutungen aller Zeugen, geladen oder nicht, konnte das Gericht den Dieb nicht entlarven. Letztlich standen vier Kisten Bier vor dem Richtertisch, weil sich vier Zeugen jeweils selbst als Dieb bezichtigten, um das von Wagings Bürgermeister Matthias Baderhuber versprochene Freibier zu bekommen. Es war eine gelungene Aufführung der Tettenhausener Theatergruppe, das Stück stammte aus der Feder von Lisa Obermayer.

aij

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