Beste Stimmung, viel Applaus und ein ausverkauftes Haus beim Kabarettabend in Waging am See

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Zur Melodie der »Schönheitskönigin von Schneizlreuth« trat Barbara Preis in Waging als Stripteasetänzerin auf.

Waging am See – Mit einem gewaltigen Paukenschlag eröffnete Jürgen Kirner einen langen Abend voll irrwitziger Texte, urkomischer Volkslieder und Geschichten aus dem echten Leben – erzählt mit der unverblümten Direktheit des bairischen Dialekts. Mit spöttischer Distanz schauten Jürgen Kirner und seine »Brettl-Spitzen«-Familie dem Volk aufs Maul, spitzten zu und entlarvten dabei auch geheime Sehnsüchte braver Bürger.


Neben Jürgen Kirner gestalteten Bianca Bachmann, Bernhard Gruber, Bernhard Filser, »Tom und Basti«, Roland Hefter, Barbara Preis und Marion Schieder ein wunderbares, dicht gepacktes Bühnenprogramm. Sie erzählten Geschichten vom Alltag des kleinen Mannes, drehten die großen und kleinen Unannehmlichkeiten des Lebens ins Komische und kleideten sie in ein humorvolles musikalisches Gewand.

Jürgen Kirner, der zugleich Kopf und Ideengeber der Brettl-Spitzen ist, erinnerte zunächst daran, dass Volkssänger einst wie Stars gefeiert worden sind und ihre satirischen Lieder die Würze fürs einfache Leben waren. Heute erfahre der freche Gesang ein Revival. Die Brettl-Spitzen-Familie wolle bekannte Künstler und alte Couplets wieder aufleben lassen. Die Volkssängerrevue sei nostalgisch, kabarettistisch, frech und sogar ein wenig frivol, versprach er. Damit hat er nicht übertrieben: Bei den eingängigen Melodien durfte mitgeklatscht, mitgesungen und mitgeschunkelt werden. Die Künstler verstanden es, mit ihrer guten Laune anzustecken, sodass das Publikum nur allzu gern der Einladung folgte, sich der gelebten Lebensfreude hinzugeben. »Es amüsiert sich jeder, so gut er eben kann.« Das wusste seinerzeit schon Karl Valentin.

Los ging es nach dem gemeinsam gesungenen Brettl-Spitzen-Lied mit Thomas Graf und Sebastian Hackl. Die Beiden sind nicht nur »im Woid« besser bekannt unter dem Namen Tom und Basti und im Grunde eine waidlerische Antwort des 21. Jahrhunderts auf die unerreichten Volkssänger-Originale Weiß Ferdl und Roider Jackl. Mit humoristischer Ader, wie Vagabunden, gehüllt in alte Gewänder und mit pfiffigen Pointen, zeigten sie sich mit ihrer sympathischen Art als clevere und wortgewandte Beobachter ihrer Umwelt. Begleitet vom eigenen Spiel auf der Gitarre und der Steirischen sangen sie das Lied, bei dem es über so allerlei amüsanten Gegebenheiten im Refrain heißt: »Wos geht des uns o, uns geht des goar nix o, mir singan nur a Liad davo.« Unbestätigten Gerüchten zufolge handle es sich dabei um die Hymne der CSU, kommentierte Kirner.

Neben Tom und Basti ist Barbara Preis eine weitere Perle aus der Talentbörse der Brettl-Spitzen. Das Allroundtalent mit der glockenklaren Stimme wollte sich dem Publikum lieber »scheibenweise« vorstellen, wie sie sagte. Ihr scheint es besonders gut zu schmecken, denn sie widmete ihr erstes Stück ihrer »Mordsdrum Wampn«. Doch sie spielte nicht nur selbstironisch mit ihren Reizen, sondern auch technisch ausgefeilt mit ihrer klangvollen Stimme. Federleicht kam Barbara Preis mit ihrer »Birkenthalerin« daher, einer »Dame« die das Dorf als Stripteasetänzerin aufmischt. Die Melodie zum Stück stammt von Bally Prells »Schönheitskönigin von Schneizlreuth«, mit der sie oft verglichen wird.

Aber »Schlimmer geht's immer«, wusste Roland Hefter die Zuhörer zu trösten. Der Münchner Liedermacher hatte für viele Schieflagen im Leben Tipps und Tricks parat, die er, begleitet von seiner Gitarre, mit dem Publikum teilte. Da klatschten die Zuhörer gerne kräftig mit bei dem: »Des werd schon no, zumindest war des früher so« oder zum »Des is' doch jedem scho' passiert« und dem »As Lebn is' eh scho' schwer, jetzt kimmst du daher.«

Trude Herr war in den 1950er Jahren die kölsche Komikerin vom Dienst. Mit Herz und Schnauze wurde sie zur Kultfigur des Kölner Karnevals. Zu ihrem musikalischen Erbe gehört: »So schön wie du«, mit dem Marion Schieder in die 1950er und 60er Jahre und damit in jene Zeit einstieg, in der die Geschichte des wirtshausgemachten Vergnügens der großen Volkssänger allmählich zu Ende ging. Schieder hauchte auch dem melancholischen Couplet »Die alte Clofrau« neues Leben ein. Darin besang sie eine Älterwerdende, die einsam Wache hält am stinkenden, aber lebensnotwendigen Örtchen, in das sie in ihrem Leben so manches Leid und manche Träne gespült hat. Aus den Nachkriegstagen stammt auch der Gassenhauer »Ludwig«, »Ludwig, lass das Wackeln mit den Ohren«, den Marion Schieder unterlegt von den beschwingten Polka-Klängen der Brettl-Spitzen-Musi aus der Schublade holte, um zu zeigen, was Paare so alles auf die Palme bringen kann.

Einen kleinen Abstecher in das Berlinerische machte Bianca Bachmann mit »Warum liebt der Wladimir jrade mir, jrade mir? Weil et ihm so neu is', det ihm eene treu ist.« Bianca Bachmann verließ damit aber keineswegs heimatliche Gefilde, denn das Chanson sang einst die 1957 in Bad Reichenhall verstorbene Volkssängerin Claire Waldoff.

Der in Wien geborene und als BR-Moderator bekanntgewordene Fred Rauch, der zudem Texte für die Münchner Kabarettszene schrieb, verfasste auch das im typischen Kuchldeutsch gehaltene »Oh, Mister Swoboda«. So entführten Marion Bachmann und Jürgen Kirner in die K. und K.- Monarchie und böhmakelten: »…Das Pils, na und die Knödel, die Polka und die Mädel. Wo gibt's denn so was überhaupt in ganz Amerika. Sie g'hörn mit dem Benehmen natürlich nur nach Böhmen. Was machen's also da, Herr Swoboda.«

Fast immer im Einsatz war die Brettl-Spitzen-Musi mit Bernhard Gruber an der Ziach und Bernhard Filser an der Gitarre. Bernhard Gruber ist für die musikalische Umsetzung des Programms verantwortlich. In der Bergader-Arena durfte man erleben, wie kunstfertig der aus Piding stammende Gruber dabei zu Werke geht.

Als fester Teil der Couplet AG umrahmten Gruber und Filser auch ihre Couplet AG-Kollegen Bianca Bachmann und Jürgen Kirner bei »Bofrostkinder«, bei »Haben Sie heute schon geschnackselt?« oder bei »Wer a Geld hat«, in dem es hieß: »Wer a Geld hat, muss beim Schubeck fre….., wer koans hat, darf im Kurhaus essen«.

Weil das Amüsement auch ins Geld geht, beschließen die Künstler im großen Finale gemeinsam, die Schwiegermutter zu verkaufen, um ihr Geld dann zu versaufen. Auf dem Höhepunkt der Emotionen und mit schmerzenden Lachmuskeln endet der große Abend des Kabaretts ganz allmählich und gekrönt von den Zugaben: »Mein Herz, das ist ein Bienenhaus« mit dem Refrain »Mei Schwiegervater hot a Glatzn, da wachst ein Radi drauf« und »Ois bloß koa Wasser net«. Schließlich trinkt man im Wirtshaus ein Bier. Das gab es auch in der Bergader-Arena, wo diese Kulturveranstaltung im Rahmen vom »Zeltl‘n« stattfand.

Im Auftrag der Marktgemeinde Waging wurde das Zeltl’n, das heuer trotz Corona großen Anklang fand, von Günter Wimmer organisiert und in Kooperation mit dem TSV Waging realisiert.

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