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Bergader und der Edelpilz: Von der Dorfmolkerei zum »Global Player«

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Geschäftsführerin Beatrice Kress führte die Gäste durch die Ausstellung. (Foto: Konnert)

Waging am See – Als sich Basil Weixler 1902 mit 21  Jahren aus dem Allgäu aufmachte und in Leobendorf eine erste Dorfmolkerei pachtete, war das der bescheidene Anfang eines Unternehmens, das heute in der vierten Generation und weltweit agiert und sich zu einem der größten Mittelständler in der Region entwickelt hat.


Die 117-jährige Unternehmensgeschichte der Privatkäserei Bergader ist damit nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch »Zeitgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, Ortsgeschichte«, sagte Beatrice Kress, die Enkelin des Unternehmensgründers und Bergader-Geschäftführerin bei der Eröffnung einer Dauerausstellung zum Thema »Bergader und der Edelpilz«. Mit dieser wird die langjährige Unternehmensgeschichte erstmals öffentlich gemacht.

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An zwölf Stationen werden dem Besucher mit detailliertem Bild- und Textmaterial sowie Exponaten aus vergangenen Zeiten die Firmenhistorie und -philosophie von Bergader nahegebracht. Meilensteine für die Weiterentwicklung des Unternehmens werden in den Mittelpunkt gerückt, wie zum Beispiel die Geschichte des langjährigen Gerichtsverfahrens um die Bezeichnung »Bayerischer Gebirgs-Roquefort«, einer für die damalige Zeit einmaligen Käsekreation. Basil Weixler verlor zwar den Prozess und musste seinen Käse ab dann Edelpilz nennen, aber er hatte etwas viel Wertvolleres gewonnen: Bekanntheit.

Interessant ist auch die Geschichte der Namensgebung, bei der der Watzmann mit seinen vielen Wasseradern – daher Bergader – Pate stand. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere, ältere Besucher noch an die erstmals eingeführte Plastikdose zur Käseverpackung, die man nicht weggeworfen, sondern zum Aufbewahren von Alltagsdingen verwendet hat.

Auch die in den 1950ern von Bergader eröffnete, erste Milchbar des Salzachgaus ist originalgetreu nachgebaut zu sehen. Damals war sie eine Sensation und ein beliebter Treffpunkt für die Bevölkerung. Interessanterweise stand sie an derselben Stelle, wo heute der Ausstellungsraum ist.

Wie sich Werbebotschaften und Bildsprache im Laufe der Zeit gewandelt haben, zeigen nicht nur Textausschnitte, sondern auch Werbespots seit den 1950ern bis heute. Ein Gang durch die Ausstellung macht auch den stetigen Wandel in der Landwirtschaft, dem Transportwesen, den Hygieneansprüchen, das Fortschreiten der Globalisierung und die zunehmende Internationalisierung sichtbar. Nicht zuletzt schlägt die Ausstellung den Bogen zum heutigen Markenunternehmen, das mit seinen Käseprodukten international präsent ist und für das nachhaltiges Wirtschaften und soziale Verantwortung eine Selbstverständlichkeit sind.

Sehenswert sind auch das Original-Einschreibebuch von Basil Weixler von 1902, die »frühen Copien-Bücher« der Molkerei Weixler von 1904 bis 1911, die Insignien der Käser, Charivaris und Zunftkrüge, ein Milchseiher und vieles mehr.

Kurze Einblicke zur »Internationalisierung bei Bergader« gab Ortsheimatpflegerin Dr. Claudia Schemmer bei der Ausstellungseröffnung. Außerdem gab es eine kurze Talkrunde mit den ehemaligen Mitarbeitern Siegfried Neher, Pankraz Niedermaier und Haris Alexiou, der eigens aus Griechenland angereist war. Sein Schwiegervater hat 1957 den ersten Bergader-Käse für den griechischen Markt importiert.

Die Ausstellung ist zur Zeit nur bei vorheriger Anmeldung im Rahmen des regelmäßig stattfindenden Besucherprogramms zu besichtigen. Am 30. Juni beim Tag der offenen Tür ist die Ausstellung am Waginger Marktplatz von 11 bis 17 Uhr geöffnet. kon