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Auf dem Land sind die Menschen oft aufs Auto angewiesen

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Waging am See – Um die Betrachtung von Mobilitätskonzepten für den ländlichen Raum ganz allgemein und am Beispiel eines heimischen Unternehmens ging es in der Mitgliederversammlung des Informationskreises der Wirtschaft (IdW) Traun/Alz bei der Privatkäserei Bergader in Waging am See. Einerseits geht der Trend hin zur vernetzten Mobilität, während andererseits das Auto durch Sicherheit und Komfort attraktiv ist und auf dem Land unverzichtbar bleibt.


Nicole Wagner-Hanl vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik IML in Prien erklärte, die vernetzte Mobilität auf der einen Seite und das Auto mit seinem Komfort auf der anderen Seite seien eine spannende Herausforderung. Die Vernetzung von Fahrrad, E-Bike, Bus und Bahn müsse intelligent und selbsterklärend, jedoch ohne großen Planungsaufwand vonstattengehen, denn gerade die Ballungsgebiete stünden vor einem Verkehrskollaps. »Alle stehen im Stau«, so Wagner-Hanl. Das Umsteigen auf Fahrzeuge mit Hybridmotoren, E-Mobilität oder Brennstoffzellen mit Wasserstoff wertete sie eher kritisch: »Der Stau wird sauberer, aber nicht weniger.« Die Herausforderung im ländlichen Raum sei, vernünftige Alternativen für den Pkw-Verkehr zu finden.

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Ein Umdenken bei der Mobilität und nicht beim Verkehr sei wichtig, betonte die Referentin. Zu einem guten Mobilitätskonzept gehört nach Ansicht von Wagner-Hanl auch ein bedarfsorientierter Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) mit Park- und Ride-Parkplätzen, Bike-Sharing, Mitfahrbänken oder einem Bürgertaxi.

»Jobticket« und 60 neue Stellplätze für Fahrräder

Das Mobilitätskonzept seines Unternehmens stellte Rainer Schissel von der Firma BSH in Traunreut anhand des Projekts »Mobil gewinnt« vor. Zu wenige Parkplätze und ein veralteter Fahrradabstellplatz brachten laut Schissel das Projekt in Gang. Teilweise seien die Mitarbeiter schon eine Stunde früher mit dem Auto zur Arbeit gekommen, um noch einen Parkplatz zu »ergattern«. Immer mehr Mitarbeiter hätten sich die Frage gestellt: »Wie komme ich nach Traunreut und zurück?« Deshalb seien ein Team gegründet, Workshops durchgeführt und Handlungsfelder festgelegt, Umfragen durchgeführt und ausgewertet worden, um am Standort Traunreut ein Mobilitätsmanagement einzurichten.

Umgesetzt wurden die Einrichtung einer Internetseite »Mobilmanagement« und eine Mitfahrzentrale. Auf Initiative mit dem Betriebsrat wurde mit der Deutschen Bahn ein günstigeres »Jobticket« für Mitarbeiter ausgehandelt. Für die Fahrradfahrer wurden rund 60 neue Stellplätze und eine Reparaturstation geschaffen. Bei der Optimierung und Erweiterung des ÖPNV sei das Mobilitätsmanagement nicht viel voran gekommen, so Schissel. Lediglich der Traunreuter Citybus halte an zwei zusätzlichen Stellen am Werksgelände.

»Der alte Mensch kann das alles nicht«

An der Mitfahrzentrale hätten sich trotz Einrichtung einer »App« zunächst deutlich weniger als bei einer Umfrage angegeben gemeldet. Entstanden seien lediglich 22 Mitfahrgemeinschaften. »Eingeschlagen« haben nach den Worten Schissels erst die reservierten Parkplätze für Fahrgemeinschaften mit mindestens drei Personen. Die Zahl der Fahrgemeinschaften stieg auf 54 mit 187 Mitarbeitern. Die CO2-Einsparung bezifferte er auf 340.000 Kilogramm im Jahr.

In der anschließenden Diskussion hatte Florian Binder bei der vernetzten Mobilität mit Internet, Applikationen usw. seine Zweifel. »Der alte Mensch kann das alles nicht«, meinte er nüchtern. So würde beispielsweise oft nicht berücksichtigt, dass jemand mit dem Rollator oder Rollstuhl unterwegs ist. Wagner-Hanl erklärte, viele junge Leute wollten spontan unterwegs sein, sodass es nicht nur Internet und »Apps« geben dürfe. Im ländlichen Raum werde es wohl nie ein Angebot wie in der Stadt geben können. Im Augenblick seien die Menschen auf dem Land noch auf das Auto angewiesen. Ein On-Demand-Verkehr (zum Beispiel Rufbus oder Ruftaxi) wäre eine Lösung.

In einem kurzen Abriss stellte Geschäftsführerin Beatrice Kress die Bergader Privatkäserei vor. Aus dem Ein-Mann-Betrieb, der von ihrem Großvater Basil Weixler 1902 als Dorfkäserei in Leobendorf bei Laufen gegründet wurde, ist inzwischen ein international tätiger, mittelständischer Betrieb in Waging geworden, wo Käsepionier Weixler 1935 durch das erste deutsche Edelpilzkäsewerk den Grundstein für den Erfolg legte. Bjr

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