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Das Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Kultur Waging am See ist jetzt erschienen. (Foto: Caruso)

30. Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Kultur Waging am See erschienen

Waging am See – Die Marktgemeinde Waging am See und die Gemeinden rund um den Waginger und Tachinger See sind Orte mit vielen alten und neuen Geschichten. Man kann sie in Büchern oder Zeitungen nachlesen. Man kann sie sich auch von den Frauen und Männern erzählen lassen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, andere auf kleine Reisen durch die Geschichte dieser Orte mitzunehmen. So sehen auch die Mitglieder des Vereins für Heimatpflege und Kultur Waging am See seit über 30 Jahren ihre Rolle vor allem darin, diese spannende Geschichte weiter zu erforschen, ihre unterschiedlichen Ausprägungen lebendig in die Gegenwart zu bringen und damit ein wichtiges Stück Identitätsarbeit zu leisten.


Als Kenner lokaler Vergangenheit und der Gegenwart bringen die Vereinsmitglieder jährlich ein Jahresheft heraus. Nun ist ihr 30. Jahresheft mit einem Titelbild erschienen, das den Waginger Pfarrsprengel zeigt, wie ihn Pfarrer Guidobald Keine (1696 bis 1708) oder ein von ihm beauftragter Maler einst darstellte.

Für die Redaktion sind Vereinsschriftführerin Christine Heiß und der gerade zum Ehrenbürger der Marktgemeinde Waging am See ernannte Franz Patzelt, der auch lange JahreVereinsvorsitzender war, verantwortlich. Christine Heiß verfasste die Nachrufe auf Pfarrer Josef Neumann und auf das Gründungs- und Vorstandsmitglied des Heimatvereins, Hans Meyer, die beide das Gesicht des Orts prägten.

Der Name Franz Patzelt steht ebenfalls für diesen Ort, stellte der Marktgemeinderat in seiner letzten Sitzung in diesem Jahr fest. Das Gremium folgte damit dem Vorschlag von Ratsmitglied Georg Huber, sich bei Franz Patzelt mit der höchsten Auszeichnung, die die Marktgemeinde zu vergeben hat, zu bedanken und ihm die Ehrenbürgerwürde zu verleihen.

Einen Eindruck von der Schaffenskraft Patzelts erhält der Leser durch seine vier Berichte im Jahresheft. Dabei widmet er sich zunächst der Chronik »Fremdenverkehr und Sommerfrische – als es noch keinen Tourismus gab« und dem ersten schriftlichen Gästeführer Wagings, den im Jahr 1889 vom Verschönerungs-Verein herausgegebenen »Führer in Wagings Umgebung«. Angereichert ist der Text, der zu einem gedanklichen Spaziergang durch Waging und den Landstrich um den Waginger See führt, mit Bildern aus jenen Tagen, die aus der Sammlung von Franz Auer und der Familie Wembacher stammen. Dahinter steckt viel Arbeit und noch mehr Zeit. Bekanntermaßen ist es für gewöhnlich schwierig, Chroniken in leicht verständliche Texte zu fassen. Hinzu kommt die aufwändige Recherche, für die er neben vielen Historikern und Heimatkundlern auch Archivare, Vereine und Zeitzeugen als Quellen benutzt hat.

Einiges findet er auch in schon vorhandenen Ortschroniken, an deren Zusammenstellung er selbst mitgewirkt hat. So etwa in seinem Beitrag über »Wagings letzte Postkutsche«. In dieser Erzählung geht es nicht nur um die 100 Jahre alte Kutsche, sondern auch um die Geschichte der Postmeisterei der Gemeinde, die eng mit dem Namen »Murr« verbunden ist.

In einem Abschlussbericht stellt Franz Patzelt Betrachtungen über das Ende der Gemeinschaft der sudetendeutschen Heimatvertriebenen in Waging am See an. Als ehemaliger Chronist und Ortsheimatpfleger der Marktgemeinde und als Nachkomme dieser Volksgruppe fühlt er sich dazu verpflichtet.

Ehrenbürger des Marktes Waging am See war auch der 1985 verstorbene Wilhelm Scharnow. Waging verlieh ihm 1955 das Ehrenbürgerrecht für seine Verdienste um die Erschließung des Orts als Urlaubsdestination. Bereits zu Lebzeiten waren er und seine Gattin Erika bekennende Anhänger des SV Werder Bremen. Die beiden förderten nicht nur die Hanseaten, sondern neben anderen sportlichen Talenten und Sportvereinen wie dem TSV Waging auch Projekte der Marktgemeinde Waging finanziell. Daher ist nach Wilhelm Scharnow auch das örtliche Sport-Stadion benannt. Zu diesem 1968 eröffneten Stadion verfasste auch der jetzige Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege und Kultur, Alfons Schmuck, einen Beitrag. »Eine Arbeit, die mich fast ein ganzes Jahr lang beschäftigt hat«, erzählt Alfons Schmuck.

Mitgewirkt am Jahresheft hat auch wieder Siegfried Müller aus Tengling. Mit ihm gewann der Waginger Ve-rein einen erfahrenen Historiker, der seine Erklärungen zu den Ortsnamen mit jedem Heft fortschreibt. Dabei dokumentiert er die Entwicklung der Ortsnamen der Dörfer Taching und Tengling, die überwiegend auf das Mittelalter zurückzuführen sind. Akribisch erfasst hat er alle Siedlungsnamen der heutigen Orte und erklärt sie auf der Grundlage von historischen Schreibformen sowie der mundartlichen Aussprache. Auf angenehme Art erschließt Siegfried Müller seinen Lesern so die grundlegende Bedeutung der Namen. »Dazu ist vor allem auch ein intensives Studium der Quellen notwendig«, sagt Müller.

Reinhold Terner schreibt über den früheren Gastwirt des Waginger Hofs, Fritz Waldherr, einem bekannten Grantler. In einer der kleinen und hübschen Anekdoten über Waldherr erinnert Terner auch daran, warum dem Wirt die Schwarzbiesler Wagings ein besonderer Dorn im Auge waren.

Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich das 30. Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Kultur Waging am See zulegen, das sowohl informativ als auch amüsant geschrieben ist. Das Heft gibt es unter anderem in der Gemeindebücherei im Gebäude der Tourist-Info.

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