weather-image
20°

Gefühlt wie auf dem Nockherberg

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Den neuesten Dorftratsch tauschte Friseurin Katharina Abstreiter im Friseurladen »kammped & zamgricht« mit ihren Kundinnen Sabrina Strohmayer (links) und Rita Lautenbacher (rechts) aus. (Foto: Buthke)

Vachendorf – Was macht man am besten, um sich über das Vachendorfer Dorfgeschehen zu informieren. Entweder man kauft sich regelmäßig die Lokalzeitung oder man besucht das Starkbierfest der Vachendorfer Ortsvereine. In diesem Jahr gab es dort gleich zwei Premieren: Zum einen trat Fastenprediger Martin Schmid als Alleinunterhalter auf, weil sein jahrelanger Mitstreiter Markus Merkle wegen einer Influenza ausfiel, und zum anderen fand die Veranstaltung zum ersten Mal im neuen Haus der Dorfgemeinschaft statt.


Im Saal fühlte sich Schmid wegen der Größe zwar wie auf dem Nockherberg, aber dort darf man die Fenster aufmachen und auch nach 22 Uhr den Saal noch durch den Haupteingang verlassen. Nicht so im Haus der Dorfgemeinschaft, weil es sonst Probleme mit dem Lärmschutz gibt.

Anzeige

Bei der Bürgerversammlung habe der Schmid-Walter gemeint, dass die Gemeinde pleite sei, weil sie kein Geld mehr gehabt habe für eine Hebfeier beim Haus der Dorfgemeinschaft; wo sich die Firstbaumdiebe so geschunden hätten. Der Fastenprediger vermutete, dass kein Geld mehr da gewesen sei, weil die luxuriöse Garderobe so teuer gewesen sei. Bei der Vollbelegung des Hauses der Dorfgemeinschaft fragte sich Schmid, wo die Leute denn seien, denn einen Wirt gebe es ja auch nicht mehr. Er vermutete, dass die daheim seien, um auf ihr Zeug aufzupassen, weil es in Vachendorf und Mühlen mehrere Einbrüche gegeben habe. Ein Einbrecher sei in ein Haus eingestiegen, weil er gedacht habe, dass niemand zuhause sei. Als die Hausherrin ihm im Nachthemd gegenüber getreten sei, sei er schlagartig geflüchtet. »Do fragt ma se, wer vo de zwoa mehra daschreckt is.«

In Mühlen habe man die Ortsdurchfahrt zur Beruhigung des Verkehrs ausgebaut. »Do ko man jetzt schee mit 100 km/h durchefahrn.« Aber dort könne man schön blitzen, genau wie in Stocka. Zur Aufbesserung der Gemeindefinanzen schlug Schmid einen Blitzmarathon Mühlen-Stocka bzw. Stocka-Mühlen vor. Von möglichen Überlegungen, weitere Blitzer aufzustellen, riet er dringend ab. Vor Axdorf zum Beispiel sei die Straße so schlecht, dass man wegen der Schlaglöcher nicht schnell fahren könne.

Der Winter habe ja sogar bis zum Katastrophenalarm geführt, aber in Vachendorf sei die Katastrophe nicht beim Schnee passiert, sondern davor, als man das neue Gemeindeauto bestellt habe. Es sei nämlich schneeuntauglich und vertrage nur fünf bis zehn Zentimeter davon. Außerdem sei das neue Fahrzeug sehr eng. »Do wenn man lenka mecht, muasst‘s Fenster aufmacha, denn sunst rennst mitm Ellbogn de Scheim glei ei«, meinte Schmid. Ein weiteres Opfer des strengen Winters sei Sportvorstand Hubert Gutsjahr, der aus Zeitgründen als Gemeinderat aufgehört habe, weil er als einziger Fahrberechtigter für das Loipenspurgerät den ganzen Winter die Loipe spuren müsse.

Auch zum Bürgerbegehren »Rettet die Bienen« habe er sich Gedanken gemacht, wie man den armen Mädchen helfen könne. Sie würden vermutlich alle frieren, weil sie so wenig an hätten. Er habe schon eine Kleidersammlung machen wollen, bis er gemerkt habe, dass ganz andere Bienen gemeint seien.

Was in der Lokalzeitung steht oder auch nicht, darüber tratschten die Friseurin Katharina Abstreiter sowie ihre Kundinnen Rita Lautenbacher und Sabrina Strohmayer im Vachendorfer Friseurladen »kammped & zamgricht«. Lautenbacher las vor, dass das Ferienprogramm der Krieger- und Soldatenkameradschaft Vachendorf habe geändert werden müssen, weil sie die Besichtigung einer Schnapsbrennerei geplant habe. Nach reiflicher Überlegung habe man dann lieber einen Besuch bei den Adelholzener Alpenquellen organisiert.

Weiter wies sie auf ein Foto von den ausgeschiedenen Ausschussmitgliedern des Burschen- und Arbeitervereins Vachendorf hin. Da sehe man, dass es beim Burschenverein mit der Frauenquote ganz schön hapere, meinte die Friseurin. Lautenbacher äußerte aber auch Kritik am Foto. »Olle sauba im Trachteng'wand, aba da Lenzn-Sepp mit de Bergschua, da Schmid-Martin mit seine Haferlschuaklapperl, da Seppendammer-Hanse ois oida Trachtler mit de Birkenstock-Pantoffeln und ois Krönung hod da Mesner-Sepp des foische Leibe o.«

Strohmayer fand noch weitere Unzulänglichkeiten im Haus der Gemeinde. Bei der provisorischen Garderobe müsse man Angst haben, dass sie bei einem schweren Gewand aufschnappe, die Küche sei ohne Spülmaschine und im Männerklo sei das Fenster so konstruiert, dass der Nachbar vom Gartenstuhl aus beste Sicht auf bestimmte männliche Körperzonen habe.

Die Zeitungsanzeige für das Vachendorfer Starkbierfest kommentierte Lautenbacher mit der Feststellung, dass sich Pater Florin jetzt schon darauf freue. Im vorigen Jahr habe er gar nicht mehr heim gehen wollen. Sehr zum Leidwesen von Pater Michael, weil der noch seine Predigt für den nächsten Tag habe schreiben müssen. Dann habe der Pater Florin gesagt. »Dua di ned obe, suach ma uns einfach oane aus’m Internet.«

Als »g’schnappige« Bedienungen bei einem Leichenschmaus traten Josefa, Marlene und Martina Schmid auf. Sie freuten sich, dass endlich das Haus der Dorfgemeinschaft fertig sei, denn solange die Gemeinde keinen Wirt mehr gehabt habe, habe sich keiner mehr zu sterben getraut. Sie waren froh, dass die Fahnenabordnung der Vachendorfer Feuerwehr da sei, denn beim Pallinger Feuerwehrfest sei sie nicht vertreten gewesen, weil sie bei einem Geburtstag so gesoffen hätten, dass sie in der Früh entweder nicht aufkommen konnten oder noch nicht daheim gewesen seien.

Ferner wollten sie wissen, ob der Trachtenvorstand seinen »Butzhodan« dabei habe. Beim Weiber- und Dirndlkranzl sei er nämlich durch die Polonaiseschlange gerobbt und habe zwischen den Leuten die nassen Flecken, die sie verschüttet hätten, gleich weggeputzt. Als Gründe dafür vermuteten sie, dass er sich entweder ein zweites Standbein als Putzfrau schaffen oder den Dirndln nur unter den Kittel schauen wollte. Bjr