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Eine weitere Kiesgrube für Vachendorf – »Da schreit keiner 'Hurra'«

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Auf der rot gekennzeichneten Fläche hat das Unternehmen Chiemgau Kies GmbH den Kiesabbau beantragt. Der Abstand zu Wimpasing beträgt rund 130 Meter. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich bereits zwei Kiesgruben – eine auf Vachendorfer und eine auf Siegsdorfer Gemeindegebiet. (© Bayerische Vermessungsverwaltung)

Vachendorf – Interessiert folgten rund zehn Wimpasinger der Diskussion der Gemeinderäte über eine neue Kiesgrube, die südlich von Wimpasing entstehen könnte. Das Projekt ist bei der Dorfgemeinschaft nicht unumstritten, so wurden vor der Sitzung bereits 55 Unterschriften von Wimpasinger Bürgern, die sich gegen eine Kiesgrube stark machen, an Bürgermeister Rainer Schroll übergeben.


Antragssteller ist die neugegründete Chiemgau Kies GmbH. Das Unternehmen will auf einer Fläche von rund 31 500 Quadratmetern Kies abbauen. Die Förderung soll bis in 32 Meter Tiefe erfolgen, und würde damit noch zwei Meter über dem Grundwasserspiegel liegen. Zu erwarten sind rund 670 000 Kubikmeter abbaubarer Kies.

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Der Abbauzeitraum wurde für 16 Jahre in drei Abschnitten beantragt. Geplant ist laut Antragsteller, dass nach sechs Jahren der erste Abschnitt verfüllt wird. Verfüllt werden soll mit Material der Klasse Z1.1, so genanntes Abbruch- und Auffüllmaterial. Der Abstand zur nächsten Wohnbebauung in Wimpasing beträgt rund 130 Meter.

Die Zufahrt soll über die Gemeindestraße erfolgen. Da dort bereits zwei weitere Kiesgruben – eine auf Vachendorfer und eine auf Siegsdorfer Gemeindegebiet – bestehen (siehe Grafik), wären dort künftig zwei Kiesgrubenausfahrten über die Vachendorfer Gemeindestraße. Die Betriebszeiten wurden von Chiemgau Kies für den Zeitraum von 6 bis 22 Uhr beantragt.

Wie Bürgermeister Rainer Schroll darlegte, besteht für das Vorhaben grundsätzlich eine Privilegierung, die sich aus dem Landesentwicklungsplan ergibt. Das betroffene Gebiet südlich von Wimpasing ist als Vorranggebiet Bodenschätze gekennzeichnet. Für die Gemeinde Vachendorf bedeutet dies, dass sie lediglich gegenüber dem zuständigen Landratsamt als Genehmigungsbehörde eine Stellungnahme mit ihren Bedenken abgeben kann. Diese muss das Landratsamt dann prüfen. Gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt sagte der Bürgermeister: »Es schreit keiner 'Hurra', aber wenn das Gebiet auf einer Vorrangfläche für Kiesabbau liegt, dann können wir da wenig machen.«

Als problematisch stellte sich für die Gemeinderäte dar, dass unter der Gemeindestraße – laut Schroll ein »besserer Kiesweg« – über die die An- und Abfahrten der Lastwagen geplant sind, der Abwasserkanal des Ortsteils Wimpasing verläuft. »Die Straße ist aktuell für den Schwerlastverkehr nicht geeignet«, gab Schroll zu bedenken. Hier müsste der Kanal entsprechend geschützt werden. Dies wurde in die Stellungnahme an das Landratsamt  aufgenommen.

Auf Kritik stieß bei den Gemeinderäten auch, dass künftig zwei Kiesgrubenausfahrten über die Gemeindestraße erfolgen sollen. Zudem würde sich das Verkehrsaufkommen mit einer weiteren Kiesgrube deutlich erhöhen, was bei den Gemeinderäten Unmut hervorrief. Der Antragssteller rechnet im normalen Abbaubetrieb mit insgesamt 30 Lkw-Fahrten pro Tag (inklusive Leerfahrten) – bei Verfüllung und parallel laufendem Kiesabbau würde sich die Zahl sogar auf 60 Fahrten pro Tag erhöhen.

Als »Wahnsinn« bezeichnete Gemeinderat Andreas Schroll auch die geplanten Arbeitszeiten bis 22 Uhr. Dem fügte der Bürgermeister hinzu: »Auch 6 Uhr morgens ist sehr früh«. Dieser Kritikpunkt wurde ebenfalls in die Stellungnahme aufgenommen. Marlies Kruse wollte wissen, ob dort der Kies auch aufbereitet werden soll. Dies verneinte Bürgermeister Schroll. Zudem merkte er an, dass eine mögliche Genehmigung keine negativen Auswirkungen auf die vorgesehene, gemeindliche Ausweisung von Bauland in Wimpasing haben dürfe, was nun ebenfalls an das Landratsamt herangetragen wird.

Bedenken gab es auch von Marlies Kruse, ob nicht durch das Verfüllmaterial der Klasse Z1.1 das Grundwasser in Mitleidenschaft gezogen werde. Hier wies Geschäftsleiter Andreas Schultes darauf hin, dass es sich bei dieser Klassifizierung um sehr niedrigschwellig belastetes Material handle. Dies überzeugte die Gemeinderäte jedoch nicht, da man sich unter der Bezeichnung wenig vorstellen konnte. Daher nahm die Gemeinde in ihre Stellungnahme mit auf, dass mögliche Grund- und Trinkwasserbelastungen abgeklärt werden müssen und ob eine Verfüllung mit der Materialklasse Z1.0 nicht »sinnvoller« wäre.

Gemeinderat Robert Kranich regte zudem an, in der Stellungnahme festzulegen, dass die Chiemgau Kies GmbH die voraussichtlichen Rekultivierungskosten als Sicherheit hinterlegen muss. »Nicht, dass der pleite geht, und wir bleiben auf dem Loch und den Kosten sitzen«, so Kranich.

Wie lang sich das Genehmigungsverfahren für die Kiesgrube hinziehen wird, darüber mochte Geschäftsleiter Schultes auf Nachfrage unserer Zeitung keine Angaben machen: »Die Dauer des Prüfungsverfahrens ist völlig offen.«

Bürgermeister Schroll gab noch bekannt, dass die Raiffeisenbank Oberbayern Südost der Gemeinde eine Spende in Höhe von 500 Euro zukommen lässt, die für Möblierung und Ausstattung des Hauses der Dorfgemeinschaft zu verwenden ist. vew

 


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