Bildtext einblenden
Wo (von links) Wolfgang Madl (AELF), Förster Christian Zaiser, Josef Gambs (AELF), Bürgermeister Ludwig Entfellner, der Betriebsleiter Staatsforsten Ruhpolding, Joachim Keßler, und der Unterwössner Verwaltungsleiter Thomas Müllinger stehen, traten sich die Wanderer am Kroatensteig einen Ausweichpfad um die Moraststellen. Jetzt ist der Weg saniert. (Foto: Flug)

Wanderweg Kroatensteig ist jetzt in einem Top-Zustand

Unterwössen – Fast 40.000 Euro steckte das Land Bayern mit seinem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein und den Staatsforsten Ruhpolding in einen Wanderweg, den historischen Kroatensteig. Zur Besichtigung trafen sich die Beteiligten vor Ort.


Der Kroatensteig ist schon aufgrund seines Namens, seiner Geschichte und der Legenden, die sich um ihn ranken, ein bekannter Wanderweg. Als sich europäische Könige und Fürsten um die österreichischen Ländereien der verstorbenen Maria Theresia in den Österreichischen Erbfolgekriegen stritten, erhob in Bayern Kurfürst Karl Albrecht Ansprüche. 1741 gab es in der Region um Marquartstein heftige Kämpfe, in deren Folge die Österreicher das Achental erneut besetzten. Die mit Österreich verbündeten Kroaten fielen nach der Überlieferung über den Kroatensteig in das Achental ein. Bis ins 20. Jahrhundert blieb er ein Weg für Schmuggler und andere.

Hinzu kommt, dass er landschaftlich reizvoll vom Schlechinger Streichen und der Unterwössner Chiemhauser Alm zu einem Naturwunder führt: dem Taubensee. Die Beliebtheit bei Einheimischen und Feriengästen bewiesen die häufigen Begegnungen mit Wanderern beim Ortstermin.

Bisher galt, dass der Kroatensteig nach Regenfällen kaum zu nutzen ist. Tiefe Morastlöcher erschwerten das Vorwärtskommen, links und rechts des Matsches traten die Wanderer Ausweichpfade. Zuletzt seit 2018 hätten die Gemeinde Unterwössen und der Forstbetrieb Ruhpolding erheblichen Handlungsbedarf gesehen, beschreibt Bürgermeister Ludwig Entfellner die Lage. Es gehöre zu den Aufgaben einer Gemeinde, Erholungsräume zu schaffen und zu erhalten. Der touristische Bedarf habe sich während der Corona-Pandemie verstärkt gezeigt.

Der Unterwössner Verwaltungsleiter Thomas Müllinger ergänzt, dass sowohl Staatsforsten wie Gemeinden mit ihrem Aufgabenkatalog für Erholungsmöglichkeiten sorgen. Dazu arbeiteten alle eng und gut zusammen, sind sich Mül-linger und der dortige Betriebsleiter Joachim Keßler einig.

Für solche Aufgaben abseits ihres Kerngeschäfts zahle das Land den ansonsten betriebswirtschaftlich orientierten Staatsforsten einen jährlichen Pauschalbetrag, erläutert Josef Gambs vom AELF. Um da-rüber hinausgehende Aktionen der Gemeinwohlleistungen wie Schutzwaldsanierung und -pflege, Moorrenaturierung sowie die Bereitstellung ausgewiesener Rad- und Wanderwege zu ermöglichen, biete das Land Förderprogramme, ergänzt der Leiter des AELF-Forstreviers Inzell.

»Über ein solches Programm finanzieren wir 90 Prozent der Nettokosten dieser Gesamtmaßnahme«, informiert Wolfgang Madl, Bereichsleiter Forsten beim AELF. Den übrigen Teil der Gesamtkosten von knapp 40.000 Euro würden die Staatsforsten tragen, sagt Betriebsleiter Keßler.

Was es für diese Investition gibt, zeigt sich an Ort und Stelle. Große Morastflächen, denen die Wanderer bisher auf neu getretenen Pfaden am Hang entgingen, sind trockengelegt. Unter Leitung von Revierförster Christian Zaiser sind dort Drainagen gelegt. Lange Kieswege führen über diese Schlüsselstellen, rechts und links abgegrenzt von Balken, die mit eigens angeschafften, in den Boden geschlagenen Stangen fixiert sind und den Kies im Weg halten.

Wolfgang Madl, der Betriebsleiter Forsten beim AELF, interessiert sich für diese Konstruktion. Die Vorteile gegenüber einem Bohlenweg erschließen sich dem Fachmann: keine Rutschgefahr auf nassen, glitschigen Bohlen, keine regelmäßige Sanierung erodierter Bohlen. Der Kiesweg verspricht, sich zu stabilisieren, so dass er dauerhaft hält. Weitere Verbesserung auf dem Kroatensteig sind die instandgesetzten oder erneuerten Sicherungsseile an den ausgesetzten Stellen. Die Gesamtmaßnahme ist nicht abgeschlossen, einzelne Tätigkeiten stehen die nächsten Tage an.

Zweimal kam ein Lastenhubschrauber zum Einsatz. Zuerst brachte er die erforderlichen Gerätschaften und das Material auf den Berg. Im zweiten Einsatz transportierte er den Kies auf den Berg, wo ihn die Arbeiter unmittelbar aus der Transportbirne in die Wegeflächen schütteten, schildert Revierförster Zaiser.

lukk