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Stille »gehört nicht in einen Kindergarten«

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Traunstein: Kinder-Notbetreuung für alle berufstätigen Alleinerziehenden – Stille "gehört nicht in einen Kindergarten"
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Im Kindergarten St. Martin Unterwössen herrscht derzeit nervtötende Stille. Ab Montag soll wieder mehr Leben in die Einrichtung kommen.

Unterwössen – Nervtötende Stille im Kindergarten St. Martin – so empfinden es die Kindergärtnerinnen. Auf der Gegenseite stehen extreme Belastungen daheim gerade für Alleinerziehende in der Corona-Pandemie. Ministerpräsident Markus Söder und Familienministerin Carolina Trautner folgten inzwischen den Anregungen des Bundes: Die Notbetreuung der Kindergärten und Schulen öffnet sich ab kommendem Montag, 27. April, für Kinder aller berufstätigen Alleinerziehenden.


Auf eine Tätigkeit in einem Bereich der kritischen Infrastruktur kommt es bei Alleinerziehenden somit nicht mehr an. Zwei Elternteile können ihre Kinder dann in die Notbetreuung geben, wenn ein Elternteil im Bereich der kritischen Infrastruktur tätig ist. Nach Bekanntwerden dieser Lösung klingelte das Telefon im Kindergarten St. Martin am Zollweg häufig, weil Alleinerziehende ihr Kind für die kommende Woche anmelden möchten.

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Kindergartenleiterin Birgit Dupke erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung: »Bei uns sind alle gesund.« Man unterhalte derzeit eine Gruppe zur Notbetreuung. »In so einer Gruppe dürfen wir bis zur fünf Kinder betreuen.« Am Montag öffnet eine zweite Gruppe mit bis zu fünf Kindern. Vielleicht kommen auch eine dritte und vierte Gruppe hinzu. In der bisherigen Gruppe der Notbetreuung betreuten die Kindergärtnerinnen Kinder von Eltern, die beide in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiteten.

»Diese Kinder haben wir von 7 bis 16 Uhr gewohnt liebevoll umsorgt«, so die Kindergartenleiterin. Die Erzieherinnen waren zudem gefragte Kontaktpersonen in den Herausforderungen, die sich daheim bei der Betreuung stellten. Dupke beschreibt die Eltern als weit überwiegend verständnisvoll, sodass alle gemeinsam die letzten Wochen der Corona-Krise gut überstanden.

Für die Kindergärtnerinnen war die Zeit nicht einfach. Die letzten Wochen stellten große Herausforderungen an die Organisation der täglichen Arbeit. Neue Konzepte entstanden, alte überarbeiteten die Erzieherinnen. Der Kindergarten entwickelte für die Kinder in der Notbetreuung ein besonderes Kinderschutzkonzept. Dazu gehört, dass immer die gleichen Betreuerinnen die gleichen Kinder beschäftigten. Andere Kindergärtnerinnen arbeiteten im Home Office.

Parallel blieben gewohnte Aufgaben wie die Gestaltung der Gruppen und die Erstellung des Geburtstagskalenders. Besondere Herausforderung dieser Tage ist das Putzen und Desinfizieren. Die Erzieherinnen empfinden ein ungutes Gefühl, beschreibt Dupke. »Stille ist etwas, das selten bei uns vorkommt. Sie gehört eigentlich nicht in einen Kindergarten. Trotzdem, wir müssen gelassen bleiben.«

Auch wenn die erforderlichen Schutzmaßnahmen für die Kindergärtnerinnen keine leichte Aufgabe darstellen, Birgit Dupke und ihre Erzieherinnen freuen sich darauf, dass endlich wieder ein bisschen Leben in den Kindergarten einzieht.

Wer sein Kind in die Notbetreuung geben möchte, erhält im Kindergarten das erforderliche Formular und weitere Informationen. lukk