Seniorenheim mit 100 Plätzen in Oberwössen

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So soll das geplante neue Seniorenheim in Oberwössen aussehen.

Unterwössen – Mit einem eher unscheinbaren Antrag auf Bebauungsplanänderung wird ein Projekt öffentlich bekannt, das Oberwössen verändern und das Leben von Vielen beeinflussen wird. An der Sonnenbichlstraße nahe der Bundesstraße 305 soll im Anschluss an die vier Wohnhäuser auf der rechten Seite bis 2024 ein neues Pflegeheim entstehen.


100 Pflegeplätze und 30 Wohnungen für betreutes Wohnen planen die drei Akteure, die vor kurzem mit dem Pflegeheim Grassau an der Kaiserblickstraße bereits ein ähnlich großes Projekt verwirklichten. Es ist Tagesordnungspunkt in der heutigen Gemeinderatssitzung.

Das sind einmal die familiengeführte Anthojo-Gruppe, ein Unternehmen, das Einrichtungen der Pflege, Eingliederungshilfe und Rehabilitation betreibt. In Unterwössen ist das das Senioren- und Pflegeheim im ehemaligen Gasthaus zum Bräu an der Hauptstraße. Die Erl-Immobiliengruppe spezialisiert sich auf Bau, Vertrieb und Verwaltung vollstationärer Pflegeheimen und Einrichtungen des betreuten Wohnens.

Die Wohnlinie GmbH mit den Geschäftsführern Thomas Gassner, Grassau, und Manfred Mix, Schleching, tritt als Bauherr oder Baubetreuer auf eigene und fremde Rechnung auf. Wie Alois Erl junior berichtet, hat die Wohnlinie das Grundstück an der Sonnenbichlstraße bereits gekauft.

Etwas zurückgesetzt von der Sonnenbichlstraße und damit außerhalb der vom 100-jährlichen Hochwasser gefährdeten Flächen soll das Seniorenzentrum entstehen. Gedacht ist zurzeit an drei miteinander verbundene dreigeschoßige Gebäude in Form eines »H«, das parallel zur Straße liegt. Im Hintergrund des Grundstücks soll zusätzlich parallel ein Wohnhaus für das betreute Wohnen entstehen.

Das Grundstück ist knapp 12 000 Quadratmeter groß, das Seniorenheim hat eine Grundfläche von knapp 5700 Quadratmetern, das Betreute Wohnen knapp 1800 Quadratmeter. Die Gebäude sollen modern, den neuesten Erkenntnissen angepasst und vollständig barrierefrei werden. Anthojo rechnet mit 80 Mitarbeitern. Dazu gehören ein zentraler Küchenbereich und eine offene Cafeteria. Helle moderne Räume, Außenterrassen und die Gartengestaltung sollen Geborgenheit bieten.

Das Ortsbild Oberwössens würde die mächtige Anlage maßgeblich mitbestimmen, wie auch die große, bereits bestehende Ferienwohnanlage des ehemaligen Posterholungswerks im Oberwössner Osten zeigt. Nach der gerade im Gemeinderat diskutierten seniorengerechten Quartiersentwicklung in Unterwössen gehören zum Projekt auch Wohnungen des betreuten Wohnens. Weil mit ihnen Zuzug aus den Städten wahrscheinlich scheint, stellte sich im Gemeinderat die Frage, ob Wohnraum zu diesem Zweck gewünscht ist.

Andererseits sehen die drei planenden Unternehmen den tatsächlich wachsenden Bedarf an Pflegeplätzen. Die Menschen werden immer älter. Einige trifft es früher, aber jenseits der 80 Jahre benötigt in Deutschland fast jeder Zweite einen Pflegeplatz, sagt das Statistische Bundesamt.

Auf jeden Unterwössner kommt früher oder später die Frage zu, in welcher Einrichtung er seinen Lebensabend beschließt, wenn es ihn dann trifft, in der Region oder in der Ferne.

Anthojo informierte nach eigenen Angaben Anfang 2020 die Gemeinde, dass sie das Seniorenheim Unterwössen schließen werden. Ständig wechselnde und anwachsende Anforderungen an moderne Pflege seien in einem ehemaligen Gasthofgebäude dauerhaft nicht erfüllbar, hieß es zur Begründung. 70 Heimbewohner leben derzeit an der Unterwössner Hauptstraße. Das Oberwössner Projekt könnte diese 70 Bewohner aufnehmen. 30 Plätze blieben bevorzugt für Bewohner aus dem Oberen Achental und Reit im Winkl.

Erste Stimmen aus der Reihe der Gemeinderäte zeigen kein einheitliches Bild. Die Gemeinderatssitzung am heutigen Montag um 19 Uhr beginnt mit einer Ortsbesichtigung der im MARO-Gebäude hinter dem Rathaus entstehenden Arztpraxis. Punkt drei der Sitzung behandelt dann die Aufstellung eines Bebauungsplans an der Sonnenbichlstraße in Oberwössen für das geplante Seniorenheim.

lukk