weather-image

Sandra Sonntag legt Gemeinderats-Mandat nieder

3.3
3.3
Unterwössen Sandra Sonntag
Bildtext einblenden
Sandra Sonntag – hier bei der Stimmabgabe anlässlich der letzten Kommunalwahl – hat per Einschreiben ihren sofortigen Rücktritt als Gemeinderätin erklärt.

Unterwössen – Sandra Sonntag hat per Einschreiben, das am Montag bei Bürgermeister Ludwig Entfellner einging, erklärt, dass sie ihr Mandat im Unterwössner Gemeinderat mit sofortiger Wirkung niederlegt. Sonntag war nach ihrem Ausscheiden aus der FDP im Februar 2015 von der Gemeinde als Mitglied der Wählervereinigung Bürgerkandidaten im Gemeinderat geführt worden. Als Kreisrätin bleibt sie Mitglied der FW/UW-Fraktion. Sonntag schreibt, dass sie auch ihre Mandate in der Unterwössner Wählervereinigung Bürgerkandidaten und in der Bürgerinitiative Mobilfunk Oberwössen weiterverfolgt.


Listennachfolger auf der Liste der FDP für den Unterwössner Gemeinderat sind an erster Stelle der Maurermeister Peter Aberger, an zweiter Stelle die Kinderpflegerin Regina Schweinöster.

Anzeige

Sandra Sonntag begründet ihren Schritt mit »gemeindepolitischen Gründen«. Sie vermisst die Zusammenarbeit im Gemeinderat. Ihre, Sonntags, Anträge  habe das Gremium mit Geschäftsordnungsanträgen von der Tagesordnung genommen, zurückgestellt oder kategorisch abgelehnt. Mit Anträgen auf ein Ende der Debatte hätten Meinungsgegner ihr »Rederecht und Antragsrecht genommen«, die Ratsmehrheit habe das mit Mehrheitsbeschlüssen ermöglicht.

Zuletzt habe sie der Umgang der Gemeinde mit dem Haushalt 2019 in ihrer Entscheidung bestärkt. Der Haushalt bringe eine Verdoppelung der Pro-Kopf-Verschuldung. Der von der Gemeinde zu finanzierende Anteil am Umbau des Hallenbads in ein Bürgerhaus »wird unsere finanzschwache Gemeinde und ihre Bürger mittel- und langfristig auf das Äußerste belasten«, so Sonntag. »Das kann ich gegenüber den Bürgern nicht verantworten.« Mit gleicher Begründung stimmte einzig sie in der letzten Gemeinderatssitzung gegen den Haushalt 2019.

Sonntag gehört dem Gemeinderat seit elf Jahren an. In ihrer politischen Karriere hat die gebürtige Berchtesgadenerin zumeist polarisiert. Initiativen gegen Strahlenbelastungen durch Mobilfunk und Sendemasten brachten sie in die politische Arbeit. 2008 schloss sich die Physiotherapeutin der FDP an und gründete 2009 mit Mitstreitern einen Unterwössner Ortsverband. Im gleichen Jahr wurde sie stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende. In ihrer zielstrebigen Art machte sie parteiintern landesweit auf sich aufmerksam. 2010 wurde sie für das Mentoring-Programm »Top-Nachwuchs-Talent« der Bundes-FDP gewählt. 2012 war sie Direktkandidatin der FDP für den Bundestag. In ihrer Art eckte Sonntag häufig an und im Februar 2015 trat sie aus, wie sie sagte, politischen Gründen aus der FDP aus. Sie schloss sich als Kreisrätin dem Kreisverband der Freien Wähler an und sitzt für die in deren Kreistagsfraktion.

Die politischen Erfolge der Oberwössnerin in der Gemeinde lassen sich nicht unter den Tisch kehren. Als die etablierten Parteien für das schneeärmere Unterwössen ein neues Winterwanderpflegegerät anschafften, ähnliches aber trotz erheblichen Engagements der Oberwössner Politiker diesem Ortsteil verweigerten, setzte sich Sonntag zäh und nachdrücklich für so eine Anschaffung ein. Unter wachsendem Druck aus der Bevölkerung, machten sich das Vorhaben zum Schluss alle zu eigen. Noch heute streiten die heimischen Politiker energisch, wenn es darum geht, wer für die Anschaffung verantwortlich ist. Den Oberwössnern und ihren Gästen ist es längst egal, freuen sie sich doch am viel gelobten Langlauf im dortigen Talkessel und den gepflegten Winterwanderwegen bis hinauf zur Feld- lahnalm.

Im letzten Kommunalwahlkampf setzte sich Sandra Sonntag für das Modell einer Gemeinschaftsliste nach Schlechinger Vorbild ein. Dafür fand sie bei den Bürgern deutlichen Rückhalt. Das Modell scheiterte aber letztendlich an der CSU. Dennoch gelang ihr ein frischer Wahlkampf, der ihr als Bürgermeisterkandidatin viel beachtete Stimmen eintrug und sie direkt hinter den CSU-Kandidaten Ludwig Entfellner trug. Der Gemeinderat setzte bei der Wahl des Bürgermeister-Stellvertreters jedoch nicht auf sie, sondern auf den langjährigen Zweiten Bürgermeister Barthl Irlinger. Sonntags Aussage, in der »Wählervereinigung Bürgerkandidaten« weiter zu arbeiten, könnte auf eine erneute Bürgermeisterkandidatur hinauslaufen. Den Unterwössnern könnte das dann einen spannenden Wahlkampf bringen. lukk