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Neue Inobhutnahmestelle in Oberwössen eingeweiht

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Jetzt war es noch ein kleiner Gast der Feierlichkeiten, der Pfarrer Martin Straßer (von links) und Diakon Michael Soergel bei der Segnung der Inobhutnahmestelle Oberwössen zusah. Bald werden Kinder und Jugendliche in die hellen Räume einziehen, mit denen die Oberwössnerin Ulrike Duda (rechts) ihr Lebenswerk verwirklicht hat. (Foto: Flug)

Unterwössen – Auf starkes Interesse stieß die Einweihung der Inobhutnahmestelle Oberwössen, einer neuen sozialen Einrichtung, die die Oberwössnerin Ulrike Duda im Hintergrund des Campingplatzes Litzelau geschaffen hat.


Von einer Kegelbahn zu einer Kinderobhut sah Pfarrer Martin Straßer die Entwicklung der ehemaligen Räume. Ulrike Duda und ihre Familie bekamen für ihren Mut und ihr Engagement angesichts einer so wichtigen sozialen Aufgabe viel Anerkennung.

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Inobhutnahme heißt es, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher aus einer empfundenen oder tatsächlichen Notsituation aus seinem Umfeld herausgenommen wird. Dann wird der Minderjährige vorübergehend anderswo untergebracht. Der Zeitraum soll genutzt werden, um für den jungen Menschen eine andere Perspektive oder Lösung zu finden. Für diese Aufgabe hält sich die neue Oberwössner Einrichtung bereit.

Neben den eigenen Kindern auch Pflegekinder betreut

Seit über 13 Jahren betreut die gelernte Erzieherin Ulrike Duda fremde Kinder in ihrem Haushalt. Begonnen hat es, als sie aus einer schlimmen Notsituation heraus das Kind einer befreundeten Familie bei sich aufnahm, berichtete sie bei der Begrüßung auf der großen Terrasse der neuen Gebäude. Das Jugendamt Traunstein wurde damals auf sie aufmerksam. Für das übernahm Ulrike Duda erst Tagespflege, später Vollzeitpflege und dann Bereitschaftspflege. Zu diesem Zeitpunkt erkannte sie ihre Berufung, Kindern in Notsituationen eine erste Anlaufstelle zu sein. Teilweise betreute sie neben den eigenen Kindern noch fünf weitere Kinder im eigenen Haus. Ihr Lebensgefährte Christian Schmid hatte dann die Idee für die Inobhutnahmestelle: »Du wirst nie aufhören, dich um diese Kinder zu kümmern. Warum baust du nicht das Haus, in dem du diese Kinder auffangen und betreuen kannst?«

Vor gut zwei Jahren begann so ein – wie Duda selbst sagt – steiniger Weg: grundlegende Bedenken um bestehenden Bedarf, Bebauungsplan, Brandschutz, Löschwasserversorgung, schwierigen Baugrund, Hochwasser. All das wurde mit der Zeit ausgeräumt. Vor allem auch deswegen, weil Ulrike Duda auf dem Weg zu ihrem Lebenswerk immer Mitstreiter fand. Architekten und Statiker planten regelmäßig um, die Jugendämter in Traunstein und Berchtesgaden setzten sich mit in den langatmigen Verhandlungen mit der Regierung von Oberbayern für das Projekt ein. 574 Quadratmeter Geschoßfläche wurden es durch den Umbau der alten Kegelbahnen und die massive Erweiterung zweier ehemaliger Garagen.

Es sind sechs Zimmer entstanden, die auch als Zweibettzimmer genutzt werden können. Jedes hat um die 20 Quadratmeter, ist ausgestattet mit Dusche und einem WC. Außerdem entstanden ein Doppelzimmer, ein Einzelzimmer und ein Erzieherzimmer. Gemeinsam stehen den Kleinkindern eine Spielfläche, größeren Kindern und Jugendlichen ein Aufenthaltsraum und Fernsehzimmer zur Verfügung. Integriert in das Konzept sind Küche, Esszimmer und Wohnzimmer, dazu Nebenräume. An den Garten mit großer Terrasse schließen sich ein Grill- und Spielplatz an. Im Nebenhaus entstanden ein Therapie- und Besprechungszimmer, ein Einzelzimmer und ein größeres Badezimmer.

»Ich hoffe, ich kann weiter auf euch zählen«

Ulrike Duda sparte in ihrer Vorstellung des Projekts nicht mit Dank an die Wegbegleiter und die Behörden. Besonders lobte sie aber ihre eigenen Kinder, ihren Lebensgefährten und ihre Eltern, die ihr allzeit zur Seite gestanden haben. »Ich hoffe, eure Motivation hält an und ich kann weiter auf euch zählen.« Für die Zukunft kündigte Ulrike Duda einen gemeinnützigen Verein zur Unterstützung der Einrichtung an. Sie selbst hat zusammen mit ihrem Lebensgefährten Christian Schmid mehr als 500 000 Euro in dieses Projekt gesteckt. Finanzielle Förderung hat sie dafür nicht erfahren.

In einer ökumenischen Andacht weihten Pfarrer Martin Straßer und Diakon Michael Soergel im Beisein von rund 60 Gästen die neuen Gebäude. Traurigerweise, so Pfarrer Straßer, gebe es immer wieder Jugendliche, für die ihr Zuhause keine Obhut sei. Es sei besonders wichtig, dass Menschen wie Ulrike Duda den Mut haben, Neues anzupacken. »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan«, stellte er ihr Tun unter ein Bibelwort. Diakon Soergel sprach Mut und Zuversicht für das neue Projekt zu. Er erinnerte an das Beispiel Noahs, wie er mit Gottvertrauen die Arche baute.

»Äußerst wichtige und verlässliche Stütze«

Franz Feil sieht in der Inobhutnahme eine der größten Herausforderungen und schwierigsten Aufgaben für die Beteiligten. Deshalb hält der Leiter des Amtes für Kinder, Jugend und Familie im Landratsamt Traunstein die Inobhutnahmestelle in Oberwössen für eine wichtige Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Ulrike Duda und ihrer neuen Einrichtung. Duda habe sich über die Jahre als äußerst wichtige, verlässliche und fachlich kompetente Stütze erwiesen.

Bürgermeister Ludwig Entfellner sieht die Chance, mit der Inobhutnahmestelle eine Vorzeigeeinrichtung in Sachen Kinderbetreuung zu schaffen. Er freut sich über sechs neue Arbeitsplätze in der Gemeinde. Entfellner dankte Ulrike Duda besonders für ihr Engagement und gab ihr und der Einrichtung die besten Wünsche mit auf den Weg. lukk