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Mittelalterliches Spektakel bei brütender Hitze

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Bei brütender Hitze zogen die mittelalterlich gewandeten Teilnehmer des Rettenburger Ritterfests vom Ortszentrum hinauf zur Rettenburg. (Foto: Flug)

Unterwössen – Wie schon im Jahr 2013 ächzten auch heuer Teilnehmer und Besucher des Rettenburger Ritterfests in Oberwössen unter gleißendem Sonnenlicht und der Hitze, als die Kanone der Gebirgsschützen den Startschuss für den Festzug aus dem Ortszentrum hinauf zur Burg aus den Holzschwarten gab.


Auf den heißen Nachmittag folgte ein wunderbarer Sommerabend bis spät in die Nacht hinein. Eine unüberschaubare Menschenmenge erlebte im großen hölzernen Rund der Burg einen unvergesslichen Tag.

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Am meisten litten die Teilnehmer in ihren mittelalterlichen Gewändern, oft aus Samt. Der Fanfarenzug der Veitsgroma Zunft kündete den Festzug an, die Trommeln gaben den Schritt vor. Edle Damen, vornehme Ritter, Knechte, Kinder, Holzarbeiter freuten sich offensichtlich über die Gäste, die den Zug am Straßenrand säumten. Die sahen Gaukler und Seeräuber mit ihren gefangenen Chinesen. Zwei Esel trugen Kinder, eine Kindergruppe des Trachtenvereins in historischen Gewändern begeisterte die Zuschauer.

Im Burginneren gab es Hütten und Stände – eine Weinstube, einen Ritterladen, Verpflegungsstände, die Bar und feinsten Kuchen. Kaum im Innenhof, begannen die Vorführungen, der Fanfarenzug spielte auf, die Seeräuber präsentierten sich. Die Oberwössner Goaßlschnalzer erwiesen sich als Fahnenschwenker. Kinder übten sich in Turnierspielen, bastelten oder schossen mit dem Katapult. Bald fanden sich überall im Treiben Holzschwerter und Schilder.

Kinder ließen sich zu Prinzessinnen, Fantasiegestalten und Bösewichten verzaubern. Hell klang es, wenn der Schmied kraftvoll das glühende Eisen schlug. Auch gab es ein breites Warenangebot der Töpferin. Rund um den hohen Masten in der Mitte erstreckten sich große Sonnensegel über die unzähligen Tische und Bänke. Dazu gab es Stühle und Tische aus Baumstämmen. Große Holzstapel sollten später die Feuer versorgen.

Zweitschlechtester Platz war der im gleißenden Sonnenlicht stehende Pranger für darin eingespannte Übeltäter. Der war ein ebenso beliebtes Fotomotiv wie eine Fotowand, die dem Gesicht einen schönen Rahmen mit mittelalterlichem Gewand gab.

Schlechtester Platz war eindeutig der Kerkerwagen. Auf einer Tafel war zu lesen: »Für einen Taler können Sie jemanden abführen und 3 Minuten einsperren lassen!« Drei Minuten, das war die Zeit, die mittelalterlich gewandete Jugendliche benötigten, um den Wagen einmal durch das Rund des Burghofs zu ziehen und zu schieben, während der Delinquent gequält zwischen Kistenbrettern hindurchschaute und die Menschen ihn kräftig beklatschten. Etwas abseits las in einem kleinen Ritterzelt eine Erzählerin spannende Märchen.

Die Oberwössner Feuerwehr installierte eine Wasserwand zur Abkühlung. Im Gumpen am Hammerergraben stand ein Piratenschiff, um das herum sich Jung und Alt im Wasser abkühlten. Vom Balkon der Burg aus freute sich Christina Aberger über den überraschend guten Besuch. Die Vorsitzende des Vereins der Rettenburger blickte zurück auf die Vorbereitung und lobte die Oberwössner Dorfgemeinschaft mit ihren vielen Helfern.

Bürgermeister Ludwig Entfellner, selbst Landwirt in Kruchenhausen, lobte die gute Zusammenarbeit seit den Zeiten der Unterwössner Rettenburg. Der Glanz der Burg sei jahrzehntelang auf die Kruchenhausener gefallen. Als Gegenleistung hätten die Untergebenen die Burgherren mit Schwein, Milch und dem bekannten Kruchenhausener Südseiten-Riesling beliefert. Besonders freute er sich, dass dieses Jahr »wir als einfaches Volk mit den hohen Herrschaften feiern dürfen.«

Höhepunkt waren die Feuerdeifen

Als die Sonne unterging, sorgten Lagerfeuer, Fackeln und Kerzenlicht für gemütliche Atmosphäre. Gerade auf die Kinder übte die mittelalterliche Musik der Spielleute Neumentroll magischen Zauber aus. Die Kleinen standen wie gebannt vor der Bühne und bewunderten die Musikanten mit ihren mittelalterlichen Instrumenten. Den letzten Höhepunkt setzten in der Nacht die Feuerdeifen mit einer Schau hoch lodernder Feuerräder, brennender Seile und Funken sprühendem Zauber.

Dahinter steht eine große logistische Leistung. So gut wie jeder Oberwössner im Dorf hat seine feste Aufgabe und arbeitet, als werde er bezahlt. Dank waren vor allem leuchtende Kinderaugen. Dank gab es von Altbundespräsident Horst Köhler, der den Rettenburgern große Anerkennung aussprach. Gewinner des Spektakels sind vor allem die Kinder des Achentals. Der Erlös beschert ihnen unter anderem fünf Jahre Oberwössner Kinderfasching, ehe in fünf Jahren die Rettenburg wieder die Tore öffnet. lukk