»Mit dem Förster in den Wald«

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Meeresboden auf knapp 1000 Metern Höhe – Förster Max Schweigl erläutert an den Felswänden am Weg, wie die tektonische Verschiebung der Kontinentalplatten früheren Meeresboden in die Höhe presste und die Alpen entstehen ließ. (Fotos: Flug)
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Einer der ältesten Bäume des Chiemgaus ist dieser Bergahorn. Der Methusalem hat hoch am Berg über Oberwössen nahe der Rechenbergalm den Zeiten und Gefahren getrotzt.

Unterwössen – Sanften, nachhaltigen und naturnahen Tourismus schreibt sich neben dem Ökomodell Achental auch das gemeinsame Kommunalunternehmen Achental Tourismus der Gemeinden Schleching, Unterwössen, Marquartstein und Staudach-Egerndach auf seine Fahnen. Wie das in der Praxis aussehen kann, Tourismus abseits von Hochburgen, Großraum-Diskotheken und Gaststätten zu schaffen, hat sich unser Mitarbeiter Ludwig Flug angesehen – am Beispiel des Angebots »Mit dem Förster in den Wald«.


Der ehemalige Förster Max Schweigl – er kann auf 34 Arbeitsjahre als Förster im Achental zurückblicken – führte vom Unterwössner Hochgern-Parkplatz hinauf zur Oberwössner Rechenbergalm und zurück. Nach einer kurzen Einweisung in Corona Schutzvorkehrungen ging es in ruhigem Schritt bergauf.

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Alle paar Hundert Meter gab es bereits auf der Forststraße Besonderes zu sehen und zu bestaunen. Die Erklärungen von Schweigl dazu, gaben den Wanderern hinreichend Zeit zu verschnaufen und den Ausflug und Ausblick zu genießen. Einige Zeit später ging es in einen Steig, den Zugereiste und Urlauber nicht gefunden hätten, um einige Kehren der Forststraße abzukürzen. Der führte hinein in dichten Wald zu beeindruckenden Felsformationen und -wänden. Und auch später im letzten Stück der Forststraße hätten die Wanderer von sich aus den eindrucksvollen, mehrere Hundert Jahre alten Bergahorn zwar aus der Ferne bewundert. Hingegangen wären sie ohne den Förster aber nicht. Seinen dichten Moosüberzug, den teilweise hohlen Stamm, das darin begünstigte Insektenleben, das wäre ihnen alles entgangen.

Erst einmal führte die Wanderung an der Rechenbergalm vorbei, noch ein paar Meter hinauf zur Bergaderalm mit ihrem grandiosen Ausblick auf die Gipfel des österreichischen Alpenhauptkamms und auf die heimischen Berge. Erst jetzt gab es die gemütliche Einkehr beim Hubert mit frischer Buttermilch und von ihm gemachten Käse. Zurück führte ein, in großen Teilen anderer Weg, über die Burgau mit wieder anderen Erlebnissen und Eindrücken.

Es war ein Tag besonderer Begegnungen. Wer ihn zuvor nur von Briefmarken kannte, jetzt traf die Gruppe den Alpenbock, den gut zwei Zentimeter großen, leuchtend hellblauen Käfer in Natur. Zwei bis vier Jahre lebt die Larve im Totholz, der Käfer dann nur wenige Wochen. Er ist in der FFH-Richtlinie als bevorzugt zu schützende Art geführt.

Gleich zuhauf sahen die Wanderer den Russischen Bären. Weil der Schmetterling mit seinen auffälligen Farben die Fressfeinde abschreckt, kann er es sich auch als Nachtfalter leisten in der Mittagszeit unterwegs zu sein.

Das Wissen, das Förster Max Schweigl auf der Wanderung vermittelte, war vielfältig und stärkte den Appetit auf mehr. An den Felswänden beschrieb er die Entstehung der Alpen, wie sie – ursprünglich Meeresgrund – durch die tektonische Verschiebung der afrikanischen Platte in die Höhen gepresst wurden. Schweigl schilderte die Geschichte der Wälder in der Region, wie sich der Mensch die Bergregion erschloss, wie die Salzgewinnung mit ihrem hohen Bedarf an Brennstoff die Gestalt der heimischen Wälder beeinflusste. Damals war das Einpökeln die wichtigste Maßnahme, Lebensmittel haltbar zu machen. Salz wurde bis nach Böhmen geliefert. Das erforderliche Holz kam auch aus den heimischen Wäldern. Der Förster schilderte die Techniken der Holzgewinnung über die Jahrhunderte. Schweigl zeigte den Arbeitstag früherer Holzknechte auf und ihre harte Arbeit. Er beschrieb die Herausforderung des Transports aus den steilen Hängen mit Schlitten und als Treibholz die Tiroler Achen hinunter bis nach Grabenstätt. Heute helfen, von den Holzknechten jeweils eingerichtete Seilbahnen und Traktoren beim Transport. Hart und gefährlich ist die Arbeit nach wie vor.

Schweigl verdeutlichte an Beispielen in der Natur den modernen Holzabbau aus heutigen Wäldern. Inzwischen gibt es mit weniger Wild und einer guten Durchmischung von Laub- und Nadelbäumen ein ausgewogenes Verhältnis, das den heutigen Wald zum verlässlichen Holzlieferanten und Rückzugsraum für Mensch und Tier macht. An verschiedenen Stellen zeigte Förster Max Schweigl die enorme Kraft der Natur auf, wie sie sich in ungeheurer Vielfalt ihren Raum erobert.

Im Gegenzug schilderte der Förster die Bedrohungen durch Borkenkäfer und Klimawandel an Beispielen auf dem Weg. Ob Wolf und Luchs hier leben werden, ist sich Schweigl nicht sicher, nicht zuletzt aufgrund der dichten Besiedelung.

Im Ergebnis war die Gruppe bei der Rückkehr am frühen Nachmittag begeistert von der Wanderung. Künftig wird jeder der Teilnehmer mit etwas anderen Augen durch den Wald wandern und die wichtigen Tipps wie »nie die Wege zu verlassen« und »mit dem Vieh respektvoll umgehen« nicht mehr aus den Augen lassen.

Noch den September über gibt es jeden Dienstag das Angebot »Mit dem Förster in den Wald«. Anmeldung dafür ist erforderlich beim Achental Tourismus unter Telefon 08641/59 79 10. lukk


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