Kleine Ursache, große Wirkung

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Eine schwere Aufgabe hatten die Atemschutzträger. Die schwere Ausrüstung und das warme Wetter erschwerten die Arbeiten. Wenn dann noch der hermetisch schließende, orangene Spezialanzug über die Feuerwehr-Einsatzkleidung gezogen wurde, blieben nur wenige Minuten bis zur Erschöpfung. (Foto: Flug)

Unterwössen – Großeinsatz für Feuerwehren und Rettungsdienst in Unterwössen: Drei Tage vor der ersten Lehrerkonferenz, vier Tage vor Einschulung und Schuljahresbeginn gab es am Freitagvormittag einen Chemievorfall an der Grund- und Mittelschule Unterwössen. Bei einem Unfall im Untergeschoß vermischten sich geringe Mengen an unbekannten Säuren und Laugen.


»Die Rettungskräfte aus Notarzt, Hubschrauberbesatzung, der drei Feuerwehren, dem Rettungsdienst und der Polizei leisteten gute, umsichtige Arbeit«, zog Kreisbrandinspektor Georg König nach dem Einsatz ein Fazit. Zwei Mitarbeiter der Schule kamen zur Beobachtung ins Krankenhaus.

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Diese beiden i Mitarbeiter der Schule waren am Morgen mit Reinigungs- und Aufräumarbeiten im Untergeschoß des Schulgebäudes beschäftigt. Einer der beiden räumte dort einen Raum leer, der in Kürze als Serverraum für das Computernetzwerk an der Schule dienen soll. Als er einen Schrank mit einer Karre aus dem Raum fahren wollte, stürzte der Schrank auf einer Rampe unglücklich und Glas zersplitterte. Der Schrank war der ursprüngliche Aufbewahrungsschrank für Chemikalien, der dort schon seit Jahren in Vergessenheit geraten war. Ob es einfache Fotolaborchemikalien oder gefährlichere Substanzen waren, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand sagen.

So alarmierte kurz darauf die Schule mit Rektor Otto Manzenberger, der im Obergeschoß arbeitete, die Einsatzkräfte. Kurz darauf landete der Rettungshubschrauber mit dem Notarzt auf der Wiese unmittelbar neben dem Schulportal. Auch drei Feuerwehren rückten an: die Feuerwehr Unterwössen mit 17 Einsatzkräften, Marquartstein mit 18 und Schleching mit neun Floriansjüngern. Außerdem waren die Polizei Grassau sowie das Rote Kreuz mit Einsatzleiter Rettungsdienst und ehrenamtlichen Sanitätern im Einsatz. Als sich nach erster Bestandsaufnahme kein akuter Handlungsbedarf für die Sanitäter ergab, verblieben sie zur Absicherung des Einsatzes der Atemschutzträger.

Den acht eingesetzten Atemschutzträgern kam in diesem Fall besondere Bedeutung zu. Zunächst sondierten sie die Lage im Untergeschoß und stellten mit dem Gasdetektor chemische Substanzen fest. Mit Spezialanzügen ausgerüstet, nahmen sie das Material an der Unfallstelle auf und reinigten den Bereich. Bei dem warmen Wetter war der Einsatz für die Atemschutzträger eine besondere Belastung.

Der Einsatz zog sich bis über den Mittag hinaus. Zuletzt blies die Feuerwehr mit einem Belüftungsgerät etwaige Dämpfe und Gase aus dem Haus. Am Nachmittag konnte Rektor Manzenberger seine Arbeit im Büro wieder aufnehmen. Er hatte sich seinen Arbeitstag anders vorgestellt und war betroffen von dem Ausmaß des Einsatzes, den dieser Unfall ausgelöst hatte. Andererseits zeigte er sich hoch zufrieden, sich auf solche Fachleute verlassen zu können. Dem Schulstart mit Lehrerkonferenz am Montag und erstem Schultag am Dienstag steht nichts entgegen. lukk