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»Gemeinsames Wohnen und Beschäftigung«

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Hinter dem Rathaus in Unterwössen sollen neue Gebäude der Lebenshilfe entstehen, unter anderem eine Kochwerkstatt, in der Behinderte arbeiten können. (Foto: Flug)

Unterwössen – Ein Inklusionsprojekt »Gemeinsames Wohnen und Beschäftigung« soll auf dem Gelände des ehemaligen Holzhandels Döllerer unmittelbar hinter dem Unterwössener Rathaus entstehen. Die Lebenshilfe Traunstein mit Geschäftsführerin Annemarie Funke stellte nun ihren Teil des Projekts vor. Ein anderer Teil betrifft die MARO-Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen aus Ohlstadt.


Die Lebenshilfe plant hinter dem Rathaus eine »Kochwerkstatt« mit angegliedertem Inklusions-Café. Beides bietet Menschen mit und ohne Behinderung Arbeit. Die sollen in einem zweiten Gebäude wohnen. Das Interesse an der Lebenshilfe-Präsentation war rege. Rund 50 Teilnehmer drängten sich im Sitzungssaal.

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Für das Gelände am Rathaus hat ein Architektenwettbewerb stattgefunden, den die Püschel Architektengesellschaft mbH mit Sitz in München und Prien für sich entschieden hat. Beide Unternehmen, die Wohnungsbaugenossenschaft MARO und die Lebenshilfe, haben sich darauf verständigt, den verantwortlichen Architekten Bernhard Püschel mit der Ausführung zu betrauen.

Bis Anfang April läuft die artenschutzrechtliche Abschätzung der Bauvorhaben. Ende April soll die konkrete Nutzung festgeschrieben werden. Die Bauleitplanung für Hochbau und Freiflächen folgt bis Juli. Bis November hofft das Unternehmen auf die planungs- und baurechtlichen Genehmigungen. Auf eine Nachfrage in der anschließenden Diskussion sagte Annemarie Funke, dass sie davon ausgehe, das Bauvorhaben bis 2022 zu verwirklichen.

In der Grobplanung entstehen im linken Grundstücksteil drei nahezu parallele Wohngebäude der MARO. Im rechten Grundstücksteil baut die Lebenshilfe zwei Gebäude, das erste quer zur Blickrichtung. In diesem soll die Kochwerkstatt mit Kaffee und Nebenräumen entstehen. Der Name »Kochwerkstatt« deshalb, weil die Planer sich ausdrücklich von Vorstellungen wie Großküche oder Kantine absetzen möchten. »Behinderte und nicht behinderte Menschen sollen dort regionale Lebensmittel zu gesunden Mahlzeiten verarbeiten, die sie an Kindergarten, Kinderkrippe und Schule liefern«, sagte Annemarie Funke bei der Vorstellung im Rathaus. »In diesem Projekt soll sich der Inklusionsgedanke intensiv wiederfinden.« Des Weiteren soll das Café »ein markanter Treffpunkt für den Ort« werden, hofft Funke.

Anschließende Fragen aus der Zuhörerschaft beleuchteten weitere Aspekte. Das neue Bundesteilhabegesetz biete Raum für neue Ideen. Verschiedene Wohnformen seien für das Lebenshilfeprojekt denkbar. Über die Wohnformen in Unterwössen entscheide der Bedarf. Im Projekt der Lebenshilfe entstehen je nach Ausbauform 16 bis 20 Wohnplätze. »Nein, freie Plätze in dem Sinne gibt es bei der Lebenshilfe nicht«, sagte Funke auf eine entsprechende Frage. Die Ergebnisse der Beratungen mit den Interessierten führten zu einer Warteliste, in der die Rangfolge durch verschiedenste Faktoren bestimmt werde, so Funke. Berücksichtigt würden Bedürftigkeit, eventueller Zeitdruck, das Angebot des Platzes im Verhältnis zum individuellen Bedarf. »Danach werden die Leistungen angeboten.«

Im Angebot der Lebenshilfe werde besonders auch an die Senioren gedacht, betonte die Geschäftsführerin. Die Lebenshilfe habe das Motto, »dass Menschen mit Behinderung bis zum Lebensende bei uns leben. Wir betreuen jetzt schon Senioren und planen für palliative Therapien«. Wer sich von der Lebenshilfe beraten lassen möchte, egal ob Behinderter, Angehöriger oder Senior, kann sich mit Claudia Mauer, Telefon 08621/9831-12, oder Elisabeth Hächer, Telefon 0861/20970-145, in Verbindung setzen.

Die MARO-Wohnbaugenossenschaft stellt ihren Teil des Projektes am 27. Februar um 18 Uhr im Sitzungssaal vor. lukk