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Der ursprünglich in den Ausmaßen der Giebelwand der Turnhalle am Zollweg geplante Anbau einer offenen Ganztagsschule fällt aus Kostengründen kleiner aus. Der geplante einstöckige Anbau ließe sich bei Bedarf aufstocken. (Foto: Intec/Flug)

Gemeinde plant Offene Ganztagsschule deutlich kleiner

Unterwössen – Auf Vorschlag von Verwaltung und Architekt komprimierte der Unterwössner Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Pläne für den Bau der Offenen Ganztagsschule deutlich. Gestiegene Baukosten und eine begrenzte Förderung sind die Auslöser. Einstimmig stimmte das Gremium den geänderten Planungen zu. 


Ursprünglich war geplant, den First der Turnhalle am Zollweg nach Südosten, zum Pausenhof hin, um zehn Meter zu verlängern, um darunter zweigeschoßig die Räume für die Offene Ganztagsschule und im Obergeschoß weitere Räume für die Grund- und Mittelschule anzubauen. Bürgermeister Ludwig Entfellner (CSU) beschrieb, wie auf der Basis dieser Ursprungsplanung die Verwaltung die Idee weiterentwickelte und die schulaufsichtliche Genehmigung einholte. Die Erkundung der Förderungsmöglichkeiten brachte dann Ernüchterung: Die Förderung richtet sich ausschließlich nach den für die offene Ganztagsschule erforderlichen Nettoflächen. Für zusätzliche Flächen, wie das vielseitig nutzbare Foyer und die Räume für die Schule im Obergeschoß, gibt es keine Förderung. Zugleich stiegen die Baukosten stark an. Nach ersten Schätzungen würden sie den ursprünglichen Kostenansatz um 300.000 Euro überschreiten und in der Summe 2,8 Millionen Euro erreichen. Vor diesem Hintergrund kamen Verwaltung und Architekt überein, den Bauumfang zu verringern.

Architekt Toni Entfellner von der Firma Intec war schon für die vorherige Planung verantwortlich. Er schlug dem Gemeinderat vor, den Anbau für die Offene Ganztagsschule an der 26 Meter breiten Giebelwand der Turnhalle nur noch eingeschoßig auszuführen. Das großzügige Foyer mit seinem Zugang ins Obergeschoß fällt danach kleiner aus. Die auf Vorrat für die Schule geplanten Räume im Obergeschoß entstehen nicht. Der neue Entwurf lehnt sich an den ursprünglichen Erdgeschoßentwurf an. Die einzelnen Räume fallen nun größer aus. Ein für das Obergeschoß vorgesehener Raum findet im Erdgeschoß Platz. Dort gibt es vier Schulräume, eine Cateringküche zur Aufbereitung gelieferter Mahlzeiten und einen Speiseraum, Garderobe sowie Sanitäranlagen. Im Ergebnis, so Entfellner, sei der eingeschoßige Bau mit 1,8 Millionen Euro deutlich günstiger. Die Förderung für die offene Ganztagsschule bleibe annähernd gleich. Die Planung bringt die Möglichkeit mit, bei späterem Bedarf den geplanten einstöckigen Anbau mit seinem Flachdach aufzustocken, so Architekt Entfellner.

Auf die Nachfrage von Philipp Spanier (CSU) sah Architekt Entfellner in der Ursprungsplanung kaum Einsparmöglichkeiten. Die Ausstattung des Gebäudes müsse sich stark am Bedarf orientieren, lasse kaum Spielraum. Kostentreiber seien vor allem auch akustische Maßnahmen.

Der neu geplante Anbau ist 210 Quadratmeter groß und wird an die Fernwärme-Einrichtung von Schule und Turnhalle angeschlossen. Die im ersten Bauabschnitt des Schulumbaus in die Turnhalle eingebaute Lüftungsanlage ist bereits auf die weiteren Anforderungen die Ganztagsschule ausgelegt.

Für die Mitarbeiter der Offenen Ganztagsbetreuung um Katrin Grander hat diese kleinere Lösung ebenfalls ihren Reiz, »weil so alles etwas näher zusammenrückt«, sagt Architekt Entfellner weiter.

Bürgermeister Ludwig Entfellner berichtet, dass Schulleiter Otto Manzenberger mit der kleineren Lösung zufrieden ist. Auf Nachfrage von Matthias Schweigl (CSU) sieht Architekt Entfellner die Ausschreibung der Bauarbeiten im Herbst, die Fertigstellung des Anbaus hält er zu den Weihnachtsferien 2023 möglich.

Künftig ausreichend Platz für Schüler

Die Offene Ganztagsschule ist ein derzeit in Bayern noch freiwilliges schulisches Angebot zur ganztägigen Förderung und Betreuung von Schülern. Diejenigen Schüler, deren Eltern dies wünschen, besuchen nach dem stundenplanmäßigen Unterricht ihrer Schule die jeweiligen Ganztagsangebote.

Über den Bedarf sprach das Traunsteiner Tagblatt im Vorfeld der Planungen mit Adelheid Meirer, Vorsitzende des Wössner Regenbogens. Meirer berichtet, dass der Verein derzeit in der ehemaligen Hausmeisterwohnung im Anbau der Schule 45 Kinder auf 80 Quadratmetern in der Mittagsbetreuung betreut. Eine wenige Quadratmeter große Rasenfläche reicht für Spiele vor der Tür nicht. Gegen Mittag, wenn erste Grundschüler in der Mittagsbetreuung spielen, wird der Schulbetrieb beeinträchtigt.

Am neuen Standort an der Turnhalle stören die Schüler in der Ganztagsbetreuung nicht, finden ausreichend Räume im Gebäude, weite Spielflächen im Pausenhof und in der angeschlossenen Turnhalle.

Meirer schildert einen besonderen psychologischen Effekt. »Nach dem Unterricht verlassen die Ganztagsschüler mit den Klassenkameraden das Schulgebäude. So schließen sie den Schultag ab, das ist mir wichtig. Wenn sie die Mittagsbetreuung im Anbau der Offenen Ganztagsschule betreten werden, beginnt ein neuer Tagesabschnitt für sie.«

lukk