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Ein Plädoyer für die Meisterpflicht

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Hans Michael Heser (rechts) stellte mit Jörn Zehe und seiner Firma »9minus8« ein neues Unternehmen am Ort vor. Im Vordergrund die geöffnete Handwerkslade, sichtbares Zeichen des Handwerkertags.

Unterwössen – In Unterwössen wurde der 154. Handwerkertag begangen. Nach dem Gottesdienst kamen die Handwerker im Landhotel Gabriele zusammen.


Den Gottesdienst gestaltete Pfarrer Martin Straßer handwerksbezogen. »Was braucht es, dass für einen jeden von uns das Leben lebenswert ist?«, fragte er. Eines der unerlässlichen Dinge sei die Zufriedenheit in der Arbeit. Auf welche Art der Arbeit, darauf komme es nicht an. »Nicht jeder kann studieren, dazu sind die Begabungen zu verschieden«, so Straßer. Es habe besonderen Stellenwert, den Beruf zu wählen, in dem man zufrieden ist. So verwirkliche sich der Mensch in seiner Arbeit und gebe der Gesellschaft etwas zurück.

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Malermeister Hans-Michael Heser, Organisator der Veranstaltung, stellte im Haus Gabriele mit Jörn Zehe und seiner Firma »9minus8« ein neues Unternehmen am Ort vor. »Die Gemeinde kann stolz sein, dass es immer wieder junge Menschen gibt, welche mit Begeisterung das Handwerk erlernen«, betonte Heser.

Heser sieht das Handwerk gut aufgestellt. Es stabilisiere die Gesamtwirtschaft und stehe mitten in der Gesellschaft. »Das Engagement des Handwerks für Ausbildung und Beschäftigung, für Integration und Qualifizierung auch von Migranten und Flüchtlingen ist Baustein für Wohlstand und Weiterentwicklung der Gesellschaft. Entsprechend sollte der Mittelstand künftig politisch deutlicher und positiv gestärkt werden«, forderte Heser.

Das Zurück zur Meisterpflicht war Thema seiner Ausführungen. 2004 schaffte die Politik die Meisterpflicht für 53 der 94 Handwerksberufe ab. Als eine der wenigen habe sich die Maler- und Lackiererinnung – damals mit ihm in der Beschlusskommission – dagegen gewehrt.

Heser zitierte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Handwerkes: »Bei dem Thema bewegt sich etwas. Es ist eine Koalitions-Arbeitsgruppe gebildet worden. Die wird sich mit zwei Gutachten beschäftigen. Das juristische besagt, dass eine Rückkehr von Handwerkern in die Meisterpflicht unter Einhaltung bestimmter Kriterien verfassungs- und europarechtlich möglich ist.« Heser begrüßte das und betonte: »Seit der Deregulierung braucht man als Rollladen- und Jalousienbauer, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Gold- und Silberschmied keinen Meisterbrief und keinen Qualifikationsnachweis mehr. Um in diesen oder anderen Gewerken selbstständig am Markt zu sein, kann jeder einen Auftrag annehmen. Schnell waren jedoch viele unterwegs, die sich zwar als Handwerker betitelten, aber gar nicht ausgebildet waren. Die liefern natürlich nicht immer die Qualität ab, die es sein sollte. Das schädigt den Ruf des Handwerks insgesamt.«

Heser sieht viele Neugründungen schnell verschwinden, oft schon innerhalb der fünfjährigen Gewährleistungspflicht. Im Sinne des Verbraucherschutzes sei das überaus bedenklich. »Einige, die sich in den seit 2004 zulassungsfreien Gewerken allein selbstständig machten, haben sich komplett aus dem Sozialversicherungssystem verabschiedet. Am Ende ist es dann wieder die Allgemeinheit, die sie finanziell auffangen muss«, so der Malermeister.

Heser fasste zusammen: »Das Handwerk braucht nachhaltige und beständige Betriebe, die junge Menschen ausbilden, danach auch weiter beschäftigen und anständig bezahlen können. Bei der Wiedereinführung der Meisterpflicht geht es um Verbraucherschutz gerade in Bereichen, die sich sehr innovativ entwickelt haben und in denen viel neues Wissen hinzugekommen ist. Es geht vor allem um Qualitätssicherung und soziale Aspekte.«

Bürgermeister Ludwig Entfellner war sich sicher: »Das Handwerk hat nach wie vor goldenen Boden.« Immer mehr Leute seien auf die Unterstützung der Fachleute angewiesen. »Die haben auch das Geld dafür.« Und mit der älter werdenden Gesellschaft verändern sich die Wohn- und Lebensformen, sieht der Bürgermeister. »Um diese Veränderungen zu vollziehen, bedarf die Gesellschaft des Handwerkes. Ich bin da guter Dinge.« Für die Zukunft sieht der Bürgermeister im Ort Arbeit in der Schulhaussanierung. Der Hochwasserschutz in Oberwössen ist für die kommenden Jahre ein Vorhaben. Entfellner: »Ihr habt eure Arbeit am Ort. Seid froh, dass ihr dabei seid.« lukk