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Ein Leben voller Liebe zur Trachtensache

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Otto Dufter ist am Donnerstag im Alter von 84 Jahren gestorben. (Foto: Hötzelsperger)

Unterwössen – »Wenn man einen Trachtler malen müsste, dann müsste man sich Otto Dufter als Vorbild nehmen.« Das sagte der ehemalige Landtagspräsident Alois Glück beim 75. Geburtstag des früheren Vorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbands. Am Donnerstag ist Otto Dufter im Alter von 84  Jahren nach langer Krankheit gestorben. Das teilte der Bayerische Trachtenverband mit. Der Unterwössner hinterlässt seine Ehefrau Hilde, seine Kinder und Enkel.


Otto Dufter wurde am 9.  Dezember 1934 in Unterwössen geboren und lebte auch dort bis zu seinem Tod. Der gelernte Zimmerer wurde 1973 Mitarbeiter im Gemeindebauhof und war dort 25 Jahre lang tätig. »Die erste Loipenspur in Unterwössen habe ich gezogen«, sagte Dufter im Gespräch mit unserer Zeitung anlässlich der Goldenen Hochzeit mit seiner Ehefrau Hilde im Jahr 2014. Ihr gemeinsames Leben war vor allem von einem geprägt: Die Liebe zur Trachtensache. 1962 lernte sich das Paar bei einem Vereinspreisplattln kennen. Am 18. Oktober 1964 wurde geheiratet, nur wenig später wurden die beiden Kinder Otto und Anette geboren. Auch über Enkel freute sich das Paar. Die Goldene Hochzeit wurde mit einem 300 Meter langen Festzug und einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin gefeiert.

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Sein ganzes Leben hat der Unterwössner der Trachtensache verschieben. »Er verkörpert alles, was die Trachtenbewegung in Bayern auszeichnet. Er ist bodenständig und weltoffen, konservativ und zukunftsbezogen«, sagte einst Alois Glück. Schon seit seiner Jugend war Otto Dufter für den Trachtenverein »D' Achentaler« Unterwössen aktiv. 1977 wurde er erster Gauvorstand des Chiemgau-Alpenverbands 1994 wurde er zum Landesvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbands gewählt. Maßgeblich war Dufter 2002 an der Einigung aller bayerischen Trachtenverbände unter dem Dach seines Verbands beteiligt und blieb dessen Vorsitzender. 2001 trat der Unterwössner im Alter von 76 Jahren von diesem Amt zurück und wurde zum Ehrenvorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbands berufen. »Mein Amt machte mich persönlich bekannt mit vier Bundespräsidenten, drei bayerischen Ministerpräsidenten und zwei Päpsten«, sagte Dufter bei seiner Verabschiedung.

Für sein Wirken hat der Unterwössner eine Vielzahl von Auszeichnungen erhalten. 2005 wurde er mit der Bezirksmedaille in Gold vom Bezirk Oberbayern ausgezeichnet. 2008 erhielt der Unterwössner die Auszeichnung »Pro meritis scientiae et litterarum« des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst für seine besonderen Verdienste um die Wissenschaft und Kunst. Außerdem wurde Dufter 1999 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2003 mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt. 2014 wurde er mit der Carl-Grübel-Medaille des Deutschen Trachtenverbands ausgezeichnet – eine selten verliehen Auszeichnung für besondere Verdienste um die Brauchtumspflege. »Alles hätte ich nicht so leisten können, wenn ich nicht meine Frau Hilde als Unterstützerin an der Seite gehabt hätte«, sagte Otto Dufter bei der Feier seines 80. Geburtstags.

Dufters Ansichten waren jedoch nicht unumstritten. Unmut äußerte er im Jahr 2014, als die Band LaBrassBanda zum 124. Gautrachtenfest – veranstaltet vom Gauverband I – nach Ruhpolding eingeladen wurde. Dufter sah dies als einen Traditionsbruch an, da die Band barfuß auftrete und auch die Musik nicht passe. Diese sei zu modern und zu wild. »Barfuß und mit Rasta-Locken, das ist nicht unsere Sache«, sagte Dufter in einem Interview mit der »Süddeutschen Zeitung«. Seine Aussagen führten schließlich zu heftigen Diskussionen über die Zukunft der Trachtenbewegung.

Noch am Christi-Himmelfahrts-Tag vor zwei Wochen nahm Dufter noch an der Trachtenwallfahrt des Chiemgau-Alpenverbands teil. Bis zuletzt lag die Trachtensache Dufter sehr am Herzen – jetzt trauert die Trachtenwelt um den Unterwössner, der nicht nur in der Gemeinde, sondern im ganzen Verband eine große Lücke hinterlassen wird. Die Trauerfeier für Otto Dufter findet am kommenden Freitag um 13 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin in Unterwössen statt. Dabei werden ihm sicherlich zahlreiche Trachtler und Würdenträger aus ganz Bayern die letzte Ehre erweisen. jal

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