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Die Seeräuber ziehen durch Unterwössen

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Unterwössen: Die Seeräuber ziehen durch Unterwössen – Historienspiel nach 6 Jahren
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Das Seeräuberspiel in Unterwössen wird am Faschingssamstag gezeigt. (Foto: Archiv Flug)

Unterwössen – Geschichte, Brauchtum und Tradition leben nach sechs Jahren mit dem traditionellen Seeräuberspiel Wössen am Faschingssamstag wieder auf. Unterwössen ist dann in der Hand der Seeräuber, Chinesen und des fahrenden Volks, die beim Historienspiel mitwirken. 500 Mitwirkende ziehen im Triumphzug Blicke auf sich und begeistern mehrere Tausend Zuschauer. Das Fest mündet in einen Festabend im Alten Bad.


Bis ins Jahr 1849 reicht die Tradition belegter Seeräuberspiele zurück. Hartnäckig hält sich zudem die mündliche Überlieferung, von der auch der Ehrenvorsitzende des Vereins »Traditionelles Seeräuberspiel Wössen«, Stefan Entfellner, erzählt.

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Als 1783 die Pfarrkirche St. Martin eingeweiht wurde, soll das Spiel ebenfalls aufgeführt worden sein. Der Marquartsteiner Lehrer Ludwig Wagner wusste, dass damals ein fürstlich verbrieftes Recht bestand, alle zehn Jahre den Aufzug zu veranstalten. Warum?

899 fielen die Ungarn in die bayerischen Ostmarken ein. 907 unternahm das bayerische Heer unter Markgraf Luitpold einen Gegenstoß, wurde aber bei Preßburg vernichtend geschlagen. Die bayerische Heimat war daraufhin wehrlos. Die ungarischen Reiterhorden verwüsteten in jährlichen Raubzügen ganz Süddeutschland. Es ist belegt, dass 907 die Chiemseeklöster zerstört wurden. In jenen wehrhaften Zeiten entstanden im Achental ab 920 mehrere Burgen: Hohenstein, Velse, Streichen und die Rettenburg. Erst 955 wurden die Ungarn durch Otto den Großen auf dem Lechfeld vernichtend geschlagen und vertrieben.

Die Überlieferung erzählt, dass die Menschen im Achental um 907 durch Brandröte und Feuersäulen vom Unheil vor den Toren des Achentals erfuhren. Flüchtlinge, Männer, Frauen und Kinder, kamen das Achental hinauf. Darauf bewaffneten sich die Achentaler und verteidigten ihre Heimat erfolgreich. Die Legende hält sich, dass die Wössner mit einem erbeuteten Schiff die Ache heraufkamen und viele Gefangene mitbrachten. Das Recht, mit ihrem Aufzug alle zehn Jahre an das Fest zu erinnern, soll ein fürstliches Dankeschön für diesen Sieg sein.

Um 14.14 Uhr läuten die Kirchenglocken

Seit 2001 wird das »Traditionelle Seeräuberspiel Wössen« wieder regelmäßig aufgeführt. Weil im vergangenen Jahr der Veranstaltungssaal fehlte, findet es nun – mit einem Jahr Verspätung – an diesem Samstag statt. Bereits ab 13 Uhr gibt es entlang der Zugstrecke kulinarische Köstlichkeiten und Getränke entlang der Hauptstraße und rund um das Alte Bad.

Um 14.14 Uhr läuten die Kirchenglocken der Pfarrkirche St. Martin. Kurz darauf haben die Schnalzer an der Hauptstraße ihren Auftritt beim Aperschnalzen. Im Anschluss setzt sich der Triumphzug, der oberhalb des Alten Bads auf der Hauptstraße Aufstellung nimmt, in Bewegung. Er besteht aus zwei Zügen.

Der Erste ist der Triumphzug, der den Sieg über die Ungarn feiert. Den Fahnen, dem Festkomitee unter Leitung von Vereinsvorstand Michael Frank und den Ehrengästen folgen der Chiemgau-Graf, die Ritter mit den Fahnenschwingern und Gefolge. Hauptattraktion ist das Seeräuberschiff mit der Seeräuberbraut Theresa König im Bug. Reifenschwinger, Chinesen, Landsknechte und Rettenburger Ritter folgen.

Der zweite Zug zeigt das mittelalterliche Volk und steht für das Winteraustreiben. Dem Impresario Hans Michael Heser folgen die Marketenderinnen. Die Wössner Bauern führen den wilden Mann. Perchten, Zigeuner, Waldgeister und Theaterspieler sind darunter.

Bogentanz der Seeräuber

Von den Musikkapellen Wössen und Schleching begleitet, führt der Zug über die Hauptstraße bis zur Pfarrkirche, biegt dort in die Alte Dorfstraße ein und führt über den Postweg die Hauptstraße hinauf bis in den Kurpark am Alten Bad.

Dort werden nach dem Triumphzug die traditionellen Tänze, der Bogentanz der Seeräuber, der Chinesen- und der Zigeunertanz gezeigt. Es unterhalten Feuerspucker, Gaukler und Reifenschwinger. Höhepunkt wird der Schwertertanz mit dem Reifenschwinger sein.

Von 16.30 bis 18.30 Uhr spielt dort die Musikkapelle Wössen, von 18.45 bis 20.45 Uhr die Musikkapelle Schleching. Ab 21 Uhr sorgt die Formation »ZündUp« für beste Stimmung. lukk