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Da waren es auf einmal sechs …

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Eine junge Frau ließ sich während des Firmgottesdienstes auf der Winklmoosalm zunächst noch taufen, um im Anschluss noch das Sakrament der Kommunion und der Firmung zu empfangen. (Foto: Flug)

Unterwössen – Fünf, nein sechs junge Menschen aus Oberwössen traten am Freitag an den Altar der Bergkirche Sankt Johann im Gebirge auf der Winklmoosalm. Es lag ein langer Weg hinter ihnen, als Pfarrer Martin Strasser sie firmte.


Strasser erinnerte sich, dass der ursprüngliche gemeinsame Firmtermin für die Jugendlichen aus dem Pfarrverband Oberes Achental auf den 24. April bestimmt war. Unter den Schutzvorkehrungen der Corona-Pandemie abgesagt, dauerte es Wochen, ehe die Entscheidung fiel, dass die Pfarrer die Firmung selbstständig in den eigenen Pfarreien spenden. Für die Oberwössner Jugendlichen brachte das eine neue Hürde: Die dortige Pfarrkirche wird derzeit renoviert. Sie sahen darin eine Chance und wünschten sich in einer Abstimmung ihre Firmung in der Bergkirche auf der Winklmoosalm.

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Pfarrer Martin Strasser sah mit dem Weg hinauf auf die Alm für die Familien und Großeltern einen Weg hinaus aus dem Alltag, eine Chance zur Ruhe zu finden. Und auch aus anderem Grund sah er die Oberwössner Firmung als besonders. Wenn der junge Katholik mit Taufe, Erstkommunion und Firmung in die christliche Glaubensgemeinschaft hineinwächst, fehlt ihm gerade für das Sakrament der Taufe noch das Bewusstsein, für das, was da passiert. Jetzt wurde für die Oberwössner Firmlinge und ihre Familien der Weg über die drei Sakramente erneut lebendig.

Und das kam so: Eine der fünf Jugendlichen wünschte sich einen speziellen Firmpaten, eine junge Frau. Das besondere Verhältnis zwischen Firmlingen und Paten machte Pfarrer Strasser später deutlich, als er beschrieb, wie der Firmling dem Paten sein Vertrauen schenkt und welche Freude und Verantwortung es für den Paten ist, diesem Vertrauen gerecht zu werden.

Gern wollte die junge Frau die Verantwortung übernehmen. Sie freute sich – nur, sie war nicht getauft. So war der Vertrauensbeweis der Jungen der Auslöser für die Ältere, nun als Erwachsene den Weg zu gehen. Sie empfing im Gottesdienst Taufe, Kommunion und – als sechster Firmling – die Firmung. Eine willkommene Gelegenheit für die Gottesdienstbesucher, noch einmal den Weg in die katholische Gemeinschaft zu reflektieren, so Pfarrer Strasser.

»Leinen los«, heißt das Jahresthema über der Firmung 2020, in der Bergkirche bildlich dargestellt in einem Floß im Altarraum. Pfarrer Strasser sah im »Leinen los« ein Loslassen aus den Familien, einen Weg hinaus auf offene See mit vielen Gefahren aber auch schönen Momenten. Für so einen Weg hält Strasser es für wichtig, dass der Firmling weiß, »wer ich bin«. Er sitze mit seinen Mitchristen »in einem Boot«. Mit ihnen packe er an, neues Land, ein Ziel zu erreichen. Am Beispiel eines 18-Jährigen, der erst durch das Beispiel seiner armen, aber hilfsbereiten und überall geachteten Tante zum Glauben zurückfindet, sieht Strasser, dass der Mensch allein für sich viel zu schnell den Halt verliert. Um seinen Weg zu finden, benötige er die Kraft, ein Geschenk Gottes. Pfarrer Strasser spendete das Sakrament der Firmung unter Beachtung der Schutzvorkehrungen. Mit junger einfühlsamer Musik und Gesang begleiteten Benedikt Meurer und Teresa Ufertinger den Gottesdienst musikalisch. Einen besonderen Dank und einen Arm voller Geschenke erhielten unter kräftigem Beifall die Firmhelferinnen Michaela Nayder und Susanne Tätzsch. Nach dem Gottesdienst standen die Familien noch längere Zeit auf dem Bichl und genossen im Gespräch den Herbsttag und den besonderen Ort. lukk