Bürger fordern Schulwegsicherheit und Hochwasserschutz

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Foto: Symbolbild, dpa/Peter Steffen

Unterwössen – Nach einer einjährigen Corona-Pause gab es in Unterwössen wieder eine Bürgerversammlung. Rund 130 Bürger hatten sich dazu im Alten Bad eingefunden. Nach genau 100 Minuten Redezeit über Rück- und Ausblicke äußerte Bürgermeister Ludwig Entfellner ein positives Resümee: »Die Weichen für die Zukunft sind gestellt.« Kritisch zeigten sich die Bürger. In einer einstündigen Diskussion forderten sie vor allem mehr Schulwegsicherheit und Hochwasserschutz.


Nicht ohne Stolz blickte der Rathauschef zunächst auf das Erreichte in der jüngsten Vergangenheit zurück. Dabei spannte er den Bogen von der Rathaussanierung für eine Million Euro über digitale Neuanschaffungen für die Schule, die Verkabelung der Hochspannungsleitungen und ein geplantes Geh- und Radwegekonzept bis hin zu Dorferneuerungsmaßnahmen.

Ein großer Erfolg und eine dauerhafte Belebung und Stärkung der Ortsmitte zeichne sich laut Entfellner mit dem Projekt »Gemeinsames Wohnen und Arbeiten am Rathaus« durch die genossenschaftliche Im-mobiliengesellschaft Maro und die Lebenshilfe Traunstein ab. Im Fokus standen zudem der Neubau und die Sanierung von Straßen, die Erneuerung der Tribüne am Sportplatz, Wiesengräber am neuen Friedhof, die Beschilderung von Mountainbike-Strecken, die Inbetriebnahme eines neuen Fahrzeugs der Feuerwehr Oberwössen und die Planung eines Vereinsstadels in Oberwössen.

Kommunen arbeiten zusammen

Einen breiten Raum widmete der Gemeindechef der interkommunalen Zusammenarbeit. Durch einen gemeinsamen Datenschutzbeauftragten für die Landkreisgemeinden, einen Informationssicherheitsbeauftragten sowie einen gemeinsamen Archivar und Meldekontrolleur im Rahmen des Ökomodells und die gemeinsame Musikschule von acht Gemeinden würden Synergieeffekte erzeugt, die die Gemeinde allein nicht leisten könnte.

Der Gebäudekomplex Altes Bad habe sich laut Entfellner als »Halle für alle« für das gesellschaftliche, kulturelle und soziale Leben in Unterwössen und der Region erfolgreich etabliert. In wirtschaftlicher Hinsicht hätten sich die Sorgen durch negative Corona-Auswirkungen nicht bewahrheitet: »Die Gemeindefinanzen sind solide, sodass geplante Maßnahmen ohne Probleme finanziert werden können.«

Für die Zukunft richtete der Bürgermeister den Blick vor allem auf den Erhalt der Grund- und Mittelschule. Für Erneuerungen und Erweiterungen seien rund 6,5 Millionen Euro geplant, wobei man von einer Förderungsquote von 50 Prozent ausgehe. Auch in Sachen EDV plane man für die Schule weitere Aufstockungen und Investitionen.

Auf der Agenda stehen darüber hinaus Hochwasserschutzmaßnahmen in Oberwössen, Unterwössen und Brem sowie die sanierungsbedürftige Achenbrücke und Reparaturmaßnahmen im Kanalnetz. In Sachen Mobilfunk ist Oberwössen bereits bestens versorgt. Für Unterwössen hat sich die Gemeinde an einer Standortsuche beteiligt, die noch nicht endgültig abgeschlossen ist.

Ständigen Handlungsbedarf wird es bei dem mit den zuständigen Fachstellen verabschiedeten Geh- und Radwegekonzept geben. Als erste Maßnahme zur sicheren Straßenquerung ist jetzt für mindestens ein Jahr eine Probeampel am Rathaus in Betrieb genommen worden.

Ein intensives Zukunftsprojekt wird das »Interkommunale Seniorenkonzept« sein, an dem auch die Gemeinden Marquartstein, Schleching und Reit im Winkl beteiligt sind. Laut Entfellner hat Unterwössen hierzu bereits die Förderung einer Halbtageskraft für vier Jahre beantragt. Sie soll sich ausschließlich mit Themen einer alternden Gesellschaft beschäftigen wie den Aufbau von Nachbarschaftshilfen, die Stärkung einer ambulanten Versorgung und eine Barrierefreiheit im öffentlichen Bereich.

Ein zentrales Thema in der gut einstündigen Diskussion war die Sicherung der Schulwege für kleine und große Kinder, egal, ob sie zu Fuß oder mit dem Radl unterwegs sind. Hauptsächlich das zu schnelle und rücksichtslose Verhalten der Autofahrer gefährde die Kleinen, so besorgte Eltern. Hier helfe nur eine Bewusstseinsänderung der Autofahrer, meinte der Bürgermeister. Tempo-30-Zonen und Geschwindigkeitsbegrenzungen hätten keine Erfolge gebracht. Auch eine Reduzierung des Autoverkehrs sei keine Option, da sich das Verkehrsaufkommen nach Untersuchungen seit 35 Jahren nicht geändert habe.

Für die Rad fahrenden Kinder von Unterwössen nach Marquartstein wurde ein fehlender Radlweg bemängelt und wenigstens ein aufgespritzter Sicherheitsstreifen für die Fahrradfahrer auf der Fahrbahn verlangt. Letzteres hätten die Verantwortungsträger im Landratsamt bereits abgelehnt, weil man ausfahrende Autos aus Privatgrundstücken als hohe Gefahrenquelle bewertet hatte, sagte der Bürgermeister. Er sicherte jedoch zu, ein Treffen mit der Polizei und Verkehrsfachleuten zum Thema »Schulwegsicherheit« zu organisieren.

»Wer ist hier der Bremser?«

Als zweites Thema brannte den Bürgern der Hochwasserschutz auf den Nägeln. Bereits im Jahr 2018 habe man entsprechende Baumaßnahmen angekündigt. »Wer ist hier der Bremser?« Diese Frage stellte ein Bürger. »Aufgrund der aktuellen Personalsituation beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) konnten die uns am 30. August 2020 mitgeteilten Planungsschritte nicht abgearbeitet werden«, sagte der Bürgermeister. »Nun sollen nach einer internen Ressourcenplanung des WWA im kommenden Frühjahr die weiteren Schritte besprochen werden.«

»Die Natur ist für alle da«

Ein Bürger wünschte sich die Reduzierung von Besuchern des Wössner Sees, etwa durch die ausschließliche Nutzung für Einheimische. Der Gemeindechef verwies auf die zusätzlichen geschaffenen Parkverbote von Autos und Wohnwagen. Entschieden lehnte er aber den Ausschluss von auswärtigen Besuchern ab: »Die Natur ist für alle da.«

Eine Anregung kam für die Ausweitung von mehr »Downhill-Strecken« für Mountainbiker. Dagegen wandte sich die Geschäftsführerin des Achental Tourismus, Elisabeth Keihl: »Im Hinblick auf den Naturschutz will man hier auf keinen Fall ein Eldorado für Downhiller etablieren.« Sie bot aber an, mit allen Interessierten »kleine Schritte« zu besprechen.

bvd