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Wirtshausretter, Lokalradiogründer und Alpen-Bossi – Wolfgang Gschwendner aus Übersee hat viele Seiten

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Übersee - Gschwendner - Feldwies - Radio
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Foto: Wukits
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„Wenn der Gschwendner Woifi was anpackt, dann macht er es g´scheit“, das sagen zumindest diejenigen, die den 70-jährigen besser
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„Wenn der Gschwendner Woifi was anpackt, dann macht er es g´scheit“, das sagen zumindest diejenigen, die den 70-jährigen besser kennen. Noch immer ist Wolfgang Gschwendner als Anwalt in seiner Traunsteiner Praxis täglich im Büro. Mit seiner imposanten Erscheinung beeindruckt er manchen. Er ist groß, breit und sprachgewandt, ein bäriges bayrisches Mannsbild halt. Daneben fungiert er als Gesellschafter beim heimischen Lokalradio, sein ganzer Stolz ist aber das Wirtshaus in der Feldwies, das er vor dem Verfall gerettet hat.

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Beim Rückblick auf seine berufliche Laufbahn als Rechtsanwalt bleibt eines nicht aus. Die Erinnerung an seinen Spitznamen als „Alpen-Bossi.“ Rolf Bossi war einer der bekanntesten Strafverteidiger in Deutschland und hatte einen legendären Ruf. Als junger Anwalt verteidigte Gschwendner Wilderer aus Schleching, so auch den König der Wildschützen, Felix „Fex“ Laubhuber. Nach ein paar Freisprüchen ist er schließlich doch verurteilt worden. Die Geschichte vom „Fex“ ist sogar verfilmt worden. In dem Film des BR hatte auch Gschwender seinen Auftritt und plötzlich seinen Spitznamen „Alpen-Bossi“. Mittlerweile sind die Zeiten der Wilderer in Schleching vorbei, nun bestimmen Familien- und Verkehrsrecht seinen Alltag. Einen kleinen Seitenhieb hat er trotzdem noch auf Lager. „Früher war ein Wilderer ein Verbrecher und ist vom Gesetz unerbittlich verfolgt worden. In der heutigen Zeit wäre der Forst froh, wenn Leute ein wenig herum wildern würden. Weil dann bräuchten sie das Wild nicht mehr selber schießen.“

Marodes Wirtshaus vor dem Verfall bewahrt

„Wenn der Gschwendner Woifi was anpackt, dann macht er es g´scheit“, das sagen zumindest diejenigen, die den 70-jährigen besser
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Mit Stolz erzählt Wolfgang Gschwender die Geschichte, als er sich mit einigen Mitstreitern daran machte, das Gasthaus in der Feldwies zu retten. Dem Traditionswirtshaus drohte zur Jahrtausendwende der völlige Verfall. Über 500 Jahre hat es schon auf dem Buckel und das hat den Gschwendner Woifi auf den Plan gerufen. Zusammen mit Herbert Graus, und dem damaligen Bürgermeister Franz Gnadl haben sie beschlossen, das Wirtshaus zu retten. „Die Feldwies ist ein Teil meiner Jugend gewesen, das gibt man so schnell nicht auf“, so Gschwender zu seinen Motiven. Außerdem ist sein Vater lange Zeit Bürgermeister der Gemeinde gewesen. Zugute kam den Rettern, dass der Anwalt ein Mann der schnellen Entschlüsse ist. “Das Gebäude hat einen jämmerlichen Eindruck gemacht, alle Fenster sind eingeschlagen gewesen“, erinnert er sich. Angefangen hat alles im Vorfeld der Kommunalwahl 2002.

Gschwendner und seine Mitstreiter haben sich zusammen mit dem Trachten- und Theaterverein an die Bürgermeisterkandidaten gewandt. „Alle Bewerber sind sich einig gewesen, die Feldwies zu retten. Konzept hat aber keiner davon gehabt.“ Doch von sowas hat sich Gschwendner nicht entmutigen lassen. Er wollte mit seinen Mitstreitern das Gasthaus in Eigeninitiative wieder zu alten Glanz bringen. Zunächst gründete er eine AG in der jeder 1.000 Euro eingezahlt hat. Herbert Graus wurde Aufsichtsratsvorsitzender und Gschwendner Vorstand der AG. Die Gemeinde kaufte das Wirtshaus und als Partner wurde das Hofbräuhaus Traunstein ins Boot geholt. 2,6 Millionen Euro hat ein Planer für die Umbaukosten ausgerechnet. Eine Summe die nicht zu stemmen war.

Gschwendner Wolfagng

Es folgten zähe Verhandlungen mit der Staatsregierung um Zuschüsse die schließlich zum Erfolg führten. „Alle haben angepackt, Handwerker, Freiwillige und unsere >Rentnerbands< sind gekommen. In aller Früh bin ich zur Baustelle und habe ihnen gesagt, was sie zu tun haben“, erzählt Gschwendner. Weit über 7.500 Arbeitsstunden in Eigenleistung wurden geleistet. An 1.900 Aktionären wurden 2.750 Aktien im Wert von jeweils 100 Euro zur Finanzierung des Projektes verkauft. Die Aktionäre kommen unter anderem ans den USA, Namibia und Singapur. „Durch den Verkauf der Aktien ist der Bezug zum Wirtshaus da“, erklärt er den Erfolg. Das Projekt erlangte bayernweit Beachtung.

Und so erstrahlte die Feldwies 2004 im neuen Glanz und hatte gleich eine erste Bewährungsprobe zu bestehen. Eine Hochzeit. Die Erinnerung daran lässt Wolfgang Gschwendner noch heute schmunzeln. „Die Braut hat die Toiletten angeschaut und einen Weinkrampf bekommen. Die sind da noch nicht fertig gewesen. Ich habe ihr versprochen, dass wir das bis zum Tag der Hochzeit schaffen und wir haben es auch hinbekommen.“ Seit der Wiedereröffnung des Wirtshauses gibt es jährlich eine Aktionärsversammlung, jeweils am Josefitag. Das stellt Gschwendner die jährliche Bilanz vor. Fette Gewinne gibt es nicht, aber das Geschäft läuft entgegen den Trend gut und das im Zeichen des massiven Wirtshaussterbens in Bayern. Für die Aktionäre gibt es je Aktie einen Dividendengutschein für ein Essen, einzulösen zwischen März und November. „Unser Konzept ist schon ein paarmal kopiert aber nie erreicht worden“, sagt er nicht ohne Stolz.

Vater der heimischen Lokalradios

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Bei der Einführung des Lokalradios hat Wolfgang Gschwendner eine wichtige Rolle gespielt. Er gilt als Pionier des lokalen Rundfunks im Landkreis Traunstein. Anfang der 90er Jahre war er bei der Gründung von Radio Chiemgau maßgeblich beteiligt. „Ich bin einfach mit eingestiegen obwohl ich keine Ahnung davon gehabt habe, im Gegensatz zum Betrieb eines Wirtshauses“, sagt er lachend. Als Gründungsgeschäftsführer und Geschäftsführer einer Anbietergesellschaft lernte er aber schnell das Radiogeschäft kennen. „Das waren am Anfang wilde Zeiten. Niemand hat so richtig Bescheid gewusst wie Radio geht. Wir sind immer auf der Suche nach talentierten Quereinsteigern gewesen, das alles hat seine Zeit gebraucht.“ Überzeugungsarbeit musste auch bei den Chiemgauern geleistet werden, damit sie ihr Lokalradio akzeptieren und hören. Kommunalpolitiker wurden dazu gebracht, dass sie im Radio ihre Statements abgeben sollen. „Es war eine spannende Zeit und hat sich gut entwickelt.“ Vor allem den Kampf um Frequenzen und Reichweiten forderten die Macher damals. Das benachbarte Österreich fürchtete um seinen ungestörten Empfang. „Lange sind wir um Waging und Tittmoning deswegen nicht zu hören gewesen.“

2008 kam es zur Fusion zwischen Radio Chiemgau und Radio Untersberg und es entstand die Bayernwelle. Eine Maßnahme aus finanziellen Gründen. Diese Entwicklung macht Gschwendner Sorgen. „Man sieht es an der Zusammenlegung der Zeitungen. Ich befürchte das wird auch mit den Lokalradios geschehen. Irgendwann wird es nur noch ein Radio für die Region 18 geben. Aus dem Lokalradio wird ein Regionalsender.“ Gschwendner vermisst die Zeiten, als die Redakteure im Radio noch in der Region verwurzelt waren. „Die meisten davon haben aufgehört oder sind woanders hingegangen. Mit denen haben sich die Chiemgauer identifizieren können. Das ist leider vorbei“, genauso wie wohl bald seine eigene berufliche Karriere. Zwei oder drei Jahre will der 70-jährige noch in seiner Kanzlei arbeiten. Dann wird sein Sohn Benedikt das Geschäft weiter führen. Für den Gschwendner Woifi bleibt dann noch ein wenig mehr Zeit, sich um seine Feldwies zu kümmern.

Text: Siegi Huber
Fotos: Ernst Wukits


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