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»Wenn es voll ist, ist es voll« – neues Konzept für Parkchaos am Chiemseeufer

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Weniger Parkchaos durch Schließung von Parkplätzen am Chiemsee
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Auf dem Prüfstand stehen 1100 Stellplätze auf zehn Parkplätzen (Ziffern 1 bis 10) in der Feldwieser Bucht vom Strandbad (A) bis zur Autobahn (links). (Quelle: IVVM Schlatter)

Übersee – Früher war das Überseer Chiemseeufer ein idyllischer Erholungsraum, vorwiegend für Einheimische. Dann wurde es durch die Werbung für spektakuläre Sonnenuntergänge, die Beach-Bar und attraktive Events zu einem »Geheimtipp« für Besucher bis in den Münchener Raum. Heute herrscht dort an Schönwettertagen das blanke Auto-Chaos. Seit 2015 hat die Gemeinde immer wieder versucht, mit einigen Maßnahmen dagegen anzukämpfen. Nun haben neun Gemeinderäte quer durch alle Fraktionen ein radikaleres Konzept gefordert – und sich durchgesetzt.


Das »Verkehrskonzept Chiemseeufer« stand auf der Tagesordnung der jüngsten Gemeinderatssitzung. Einig war sich das Gremium, dass der gesamte Autoverkehr in geregelte Bahnen gelenkt werden muss. Dazu gab es die unterschiedlichsten Überlegungen. Hauptkommissar Peter Pfaffinger von der Polizeiinspektion Grassau hielt es für wichtig, vor allem den Parksuchverkehr einzudämmen und dafür gegebenenfalls ein professionelles Konzept zu erstellen. Stefan Haneberg (ADfÜ) forderte eine strenge Reduzierung der 630 Parkplätze zwischen den Parkplätzen fünf bis neun. Anton Stefanutti (Die Grünen) führte den Vergleich mit anderen Gemeinden an, »die Autos erst gar nicht an den Strand lassen«.

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Für Ludwig Ertl (FBL) war es klar, »dass wir keine neuen Parkplätze mehr schaffen können. Wenn es voll ist, ist es eben voll.« Deshalb müsste seiner Meinung nach die Einweisung in die vorhandenen Parkplätze besser funktionieren. Auch sollte nicht noch mehr Werbung für das Chiemseeufer gemacht werden. Alois Huber (CSU) meinte, dass man schon an der Autobahn signalisieren müsste, wenn alles voll sei. Für Erika Stefanutti (Parteilos) könnte die Lösung in der Attraktivitätssteigerung des Badebusses liegen, der permanent vom Ort zum Strandbad fährt, sodass man auf das Auto verzichten könnte.

Konkrete Erweiterungen der bestehenden Regelungen für das Seeufer brachte Bürgermeister Marc Nitschke ins Spiel. Dazu gehörten die dauerhafte Schließung des Parkplatzes Nummer neun südöstlich des Strandbads, die Anweisung an die kommunale Verkehrsüberwachung Falschparker zu verwarnen, das Sicherheitspersonal zu verstärken, die Werbemaßnahmen für das Seeufer einzustellen und vor dem Parkplatz Nummer eins eine Schranke einzurichten, die bei 80-prozentiger Belegung der Parkplätze bis zum Strandbad zu schließen ist.

Generell nicht antasten wollte er »den für Familien lebensnotwendigen Parkplatz fünf«, der vom Sicherheitsdienst bei Bedarf abschnittsweise frei gegeben werden sollte.

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Diese Punkte gingen den neun Gemeinderäten Haneberg, Christian Huber (beide ADfÜ), Leo Segin, Uschi Geiger (beide CSU), Erika Stefanutti, Maria Steinert (SPD), Wolfgang Hofmann (BP) sowie Margarete Winnichner und Anton Stefanutti (beide von den Grünen) nicht weit genug. Sie lehnten deshalb den Bürgermeister-Vorschlag mit neun zu sechs Stimmen ab. Sie forderten stattdessen neben der Schließung des Parkplatzes neun zusätzlich eine dauerhafte Stilllegung des rückwärtigen Teils vom Parkplatz fünf. Die Begründung: Der Parkplatz ist unbefestigt und die Absonderungen der Autos gefährden Fauna, Flora und das Grundwasser. Lediglich der befestigte Teil des Parkplatzes entlang der Straße könnte ihrer Meinung nach bestehen bleiben. Dieser Antrag erhielt mit neun zu sechs Stimmen grünes Licht.

Die Überseer Grünen, Winnichner und Stefanutti, forderten zudem eine Absperranlage auf der Höhe des Parkplatzes eins. Sie soll ein Einfahren verhindern, sobald sich eine festgelegte Anzahl von Fahrzeugen bereits im Uferbereich befindet. Drei Personen seien ihrer Meinung nach für dieses Konzept nötig: eine an der Absperranlage und zwei zur Parkeinweisung und Verkehrsleitung. Um eine ausreichende Anzahl von Parkplätzen auch vor der Absperrschranke sicher zu stellen, beantragten die beiden Gemeinderäte außerdem, die Wiese östlich von dem derzeitigen »Aicherparkplatz« (Nummer zehn) als Parkplatz einzurichten.

Ludwig Ertl gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass ein entsprechender Ausbau Grundstücksverhandlungen mit den Eigentümern und Baukosten von etwa 100.000 Euro nach sich ziehen würde. Die Absperranlage wurde einstimmig genehmigt. Für die weiteren Parkplätze davor stimmten elf Gemeinderäte, vier waren dagegen. bvd