Postfiliale in Übersee schließt im nächsten Jahr

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Dieses Bild gehört ab Juni 2021 der Vergangenheit an, dann wird es nämlich – zumindest an dieser Stelle – keine Postfiliale mehr geben. Die Betreiberin hat den Vertrag mit der Deutschen Post AG gekündigt. (Foto vom Dorp)

Service nur noch bis 31. Mai 2021 – Gemeinde will sich für Erhalt von Station einsetzen – »Sie ist für unseren Ort bedeutsam«


Übersee – Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit werden viele Postfilialen überrannt, um noch schnell vor dem Fest ein Päckchen oder einen Weihnachtsbrief aufzugeben. Doch was ist, wenn es plötzlich keine Postfiliale mehr am Ort gibt? Mit diesem Gedanken müssen sich die Überseer wohl oder übel anfreunden. Denn die Betreiberin der Postfiliale in Übersee hat ihren Vertrag mit der Deutschen Post AG gekündigt. Bis zum Ablauf der Kündigungsfrist am 31. Mai 2021 geht der Service in gewohnter Weise weiter. Auch bleibt das Geschäft, das sie eigentlich betreibt, bestehen. Nur der Postservice wird eingestellt.

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Ob sich in Übersee ein neuer Betreiber einer Post finden wird, ist ausgesprochen schwierig, meint Udo Böer, Vorsitzender des Postagenturverbands Deutschland in einer Pressemitteilung. Dort verweist er unmissverständlich auf die geringen Provisionen, die die Post den Filialbetreibern bezahlt.

»Die Betreiber kommen je nach Standort eine monatliche Grundpauschale«, sagt Böer im Gespräch mit unserer Zeitung. Diese hänge einerseits vom Angebot ab, andererseits von der Frequenz und dem Umschlag in der Filiale. Böer rechnet vor: »Für den Verkauf einer Briefmarke erhält der Betreiber fünf Prozent Provision, bei einer 80-Cent-Marke sind das vier Cent, da müssen Sie schon viele Marken verkaufen, bis sich das lohnt.« Ähnlich sei es mit Paketen, an denen man für Inlandsversand 40 bis 60 Cent je Paket verdient. »Die meisten Kaufleute, die noch ein anderes Hauptgeschäft haben, steigen aus, weil es sich nicht lohnt«, sagt Böer deutlich.

Zum Wohle der Bürger übernehmen deshalb immer mehr Städte und Gemeinden Postfilialen in Eigenregie. Das sei laut Böer zwar an sich nicht schlecht, stütze aber das System der schlechten Bezahlung der Deutschen Post AG nur weiter. Wie es in Übersee konkret ab 1. Juni weitergeht, steht noch in den Sternen. Offiziell ist die Gemeinde noch nicht einmal von der Deutschen Post AG oder dem Postagenturverband über die Schließung informiert worden. Wie Bürgermeister Eberhard Bauerdick auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, wisse man auch nur aufgrund der Anfrage des Traunsteiner Tagblatts, dass die Poststelle schließen werde. »Die Vertragspartnerin der Deutschen Post AG wird den Postservice ab dem 31. Mai 2021 nach Kündigung ihres Vertrags nicht mehr anbieten. Bis zum heutigen Datum liegt der Gemeindeverwaltung jedoch kein offizielles Schreiben der Deutschen Post AG vor«, antwortet Bauerdick auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Bürgermeister hofft, dass die Gemeinde keinen weiteren Baustein der gemeindlichen Infrastruktur verliert.

Nach den Kriterien der Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDL) gilt: »In allen Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern muss mindestens eine stationäre Einrichtung vorhanden sein«. Da in Übersee mehr als 5000 Menschen leben, sei zu gewährleisten, dass eine solche stationäre Einrichtung für Briefdienstleistungen vorhanden sein muss. »Eine Postfiliale in unserem Ort ist für unsere Bürger aber auch für die Geschäftsleute und Touristen bedeutsam«, teilte Bauer-dick mit. Er werde daher mit der Post Gespräche führen, wie ein nahtloser Weiterbetrieb geschaffen werden kann. Zudem wird die Post zu einer Stellungnahme und Einhaltung der Verordnung von der Gemeinde aufgefordert.

Gerne hätten wir die Betreiberin über die Umstände selbst befragt, jedoch war diese für eine Stellungnahme zur Vertragskündigung für unsere Zeitung nicht zu erreichen. vew/bvd


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