»Mensch bleiben mit meinen Stärken und Schwächen«

Übersees neuer Bürgermeister Eberhard Bauerdick ist seit 100 Tagen im Amt
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Bürgermeister Eberhard Bauerdick in seinem Büro im Überseer Rathaus. (Foto: privat)

Übersee – Die meisten neuen Bürgermeister im Landkreis Traunstein erreichten bereits Anfang August die traditionelle Einarbeitungs- und »Schonzeit« von 100 Tagen. Nicht so in Übersee: Hier zwang ein Sturz den neuen Bürgermeister Eberhard Bauerdick (GfÜ) drei Wochen nach seiner Amtsübernahme für sieben Wochen in den Krankenstand. Er kehrte Anfang Juli als Gemeindechef zurück und schaffte erst in diesen Tagen »seine« 100-Tage-Marke.


Herr Bauerdick, wie war Ihr zweiter Start?

Die Herzlichkeit und Loyalität der gemeindlichen Angestellten, aber auch die vielen Genesungswünsche aus der Bevölkerung haben mich sehr gefreut und bestärkt.

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Wann fühlten Sie sich »angekommen« in Ihrem neuen Amt?

»Angekommen« fühlte ich mich direkt nach Wiederaufnahme der Amtsgeschäfte.

Wie haben Sie sich auf Ihre Aufgaben als Bürgermeister vorbereitet, die sich ja doch von Ihrer bisherigen Tätigkeit beim Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband unterscheiden?

Durch die Pandemie waren mir anfänglich keine konkreten Vorbereitungen durch Fortbildungen oder Ähnliches möglich. Es galt ins kalte Wasser zu springen und zu schwimmen. Dies gelang besonders aufgrund des engagierten Teams in der Gemeindeverwaltung, dem Bauhof, der Kindergarten-Krippe, den Mitgliedern des Gemeinderats und den Behörden.

Hat sich seit der Amtsübernahme Ihr privates Leben verändert?

Natürlich verändert sich dadurch das gesamte Leben. Die Gartenzaungespräche haben sich vervielfacht, ich werde beim Spazierengehen angesprochen und als Bürgermeister suche ich natürlich auch erheblich mehr den direkten Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern. Im Zuge dessen lerne ich viele Menschen kennen und erhalte dadurch auch einen anderen Blick auf den Ort und seine Besonderheiten.

Haben Sie sich das Amt so vorgestellt, oder gab es Überraschungen?

Ich habe mir schon vorstellen können was auf mich zukommt und war deshalb auch nicht überrascht. Dass ich jetzt Chef eines Betriebs mit rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin, ist jedoch schon etwas anderes als wie Angestellter in einer Behörde.

Was macht Ihnen in Ihrem neuen Job Spaß und was ärgert Sie?

Spaß macht mir bis jetzt eigentlich vieles. Ich wundere mich jedoch über die Menschen, die überwiegend nur Forderungen stellen, jedoch keine Lösungsvorschläge anbieten. Mit einem »ICH« anstatt einem »WIR« kann ich nicht viel anfangen.

Worauf legen Sie den größten Wert?

Ich will Mensch bleiben mit meinen Stärken und Schwächen. Zudem ist mir die Ausübung meiner christlichen Religion wichtig.

Worauf freuen Sie sich in Ihrer Amtszeit?

Ich bin glücklich über die vielen konstruktiven Gespräche im Gemeinderat und in den Arbeitsgruppen. Besonders freue ich mich natürlich, wenn es uns gemeinsam gelingt, den Ort Übersee nachhaltig weiterzuentwickeln.

Was haben Sie sich für die nächsten sechs Jahre vorgenommen und wo setzen Sie dabei Schwerpunkte?

Das Radfahren in Übersee vom See bis nach Grassau muss unbedingt sicherer werden – vor allem für unsere Kinder. Am Seeufer gilt es für alle Nutzer einen gesunden Mittelweg zu finden. Hierfür ist die im Juli gegründete Arbeitsgruppe bereits sehr aktiv. Interesse gibt es derzeit an einer »Überseer Bürgerküche«, die Idee wird positiv bewertet. Die Umsetzung einer solchen Einrichtung erfordert noch viele Gespräche und vor allem Fingerspitzengefühl. Ein nachhaltiges Umdenken bei der Umwandlung von Grünland in Bauland ist für mich ebenfalls eine sehr wichtige Angelegenheit. Nachhaltigkeit bedeutet auch zukünftigen Wohnraum – Eigentum und Miete – für Einheimische zu schaffen.

Haben Sie schon etwas von dem angehen können, was Sie sich vorgenommen haben?

Die Verkehrsberuhigung im Unterland konnten wir bereits wesentlich verbessern. Beim Pilotprojekt »Bayern-Info-App« ist unsere Gemeinde Vorreiter. Als Chiemsee-Besucher soll man in der Zukunft bereits zum Zeitpunkt der Anreise erfahren, ob Parkplätze am Seeufer frei sind.

Bereits seit Mitte des Jahres führe ich Gespräche mit dem Landratsamt wegen der Verbesserung der Sicherheit für den Radverkehr auf der Feldwieser beziehungsweise auf der Grassauer Straße.

Was sehen Sie als größte Herausforderung Ihrer Amts­zeit an und wie wollen Sie diese meistern?

Immer wieder zu versuchen die Anliegen der Bürger mit Zuhören individuell umzusetzen. Jedoch bin ich mir bewusst: »Es jedem Recht zu machen ist eine Kunst, die niemand kann«.

Läuft die Zusammenarbeit im Gemeinderat und mit der Verwaltung rund oder »knirscht« es noch?

Ich freue mich über die aktive Teilnahme an Besprechungen und Sitzungen, einschließlich der Ausarbeitungen von Konzepten in den Arbeitsgruppen. Die Zusammenarbeit im Gemeinderat war bereits von Anfang an sehr lebendig und konstruktiv. Verschiedene Ideen zu entwickeln, dann »Beraten-Beschließen-Umsetzen« – das sind meine Kernvorstellungen für eine gute Gemeinde-Arbeit; möglichst im Konsens mit allen Bürgern in den verschiedenen Vereinen, Gremien und Verbänden.

Bärbel vom Dorp