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Löst sich der TSV Übersee auf?

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Der mit über 1000 Mitgliedern größte Verein in Übersee mit seinen fünf Abteilungen steht vor einem Problem. Bei den anstehenden Neuwahlen in der Jahresversammlung am Freitag, 22. März werden der Erste und Zweite Vorstand, die Kassierin und Schriftführerin sowie einige Beiräte nicht mehr kandidieren. Nachfolger sind bisher nicht gefunden, obwohl die Sachlage seit fast zwei Jahren bekannt ist. Unsere Redaktion sprach mit dem Vorstand Bernhard Jakisch über die Folgen und mögliche Alternativen, wenn sich keine neue Vorstandschaft findet. Das Horrorszenario lautet: »Ein Verein ohne Vorstand ist kein Verein mehr.«

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Herr Jakisch, warum machen Sie und Ihre Vorstandskollegen nicht mehr weiter?

Bernd Jakisch: In der Vereinsarbeit sollte jeder das Recht haben, aufzuhören, ohne wenn und aber, ohne schlechtes Gewissen und ohne böse Worte. Für uns ist es einfach an der Zeit, ein wenig Abstand zu gewinnen, zu reflektieren und der neuen Vorstandschaft Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen.

Wann genau endet Ihre Amtszeit?

Die Zeit endet automatisch und ohne Verlängerung laut Vereinssatzung nach drei Jahren. Das ist jetzt der Fall.

Was passiert, wenn sich tatsächlich kein neuer Vorstand findet?

Die noch im Vereinsregister eingetragenen alten Vorstandsmitglieder können dann eine außerordentliche Mitgliederversammlung für eine sogenannte Ergänzungswahl einberufen. Scheitert auch dies, wird vom zuständigen Amtsgericht ein Notvorstand zur Liquidation des Vereins eingesetzt. Gleichzeitig werden alle in den Sportverbänden gemeldeten Mannschaften zurückgezogen und das Vereinseigentum verkauft, um Verbindlichkeiten zu begleichen.

Viele Sportfreunde meinen, dass die Gemeinde beziehungsweise der Bürgermeister den Verein übernehmen muss, wenn sich kein neuer Vorstand findet. Stimmt das?

Das ist schlichtweg falsch. Zu dieser Annahme besteht keine rechtliche Grundlage. Die Vereinssatzung sagt lediglich, dass die nach der Auflösung des Vereins verbliebenen Geld- und Sachmittel an die Gemeinde gehen.

Gibt es für Mitglieder, die auch weiterhin ihren Sport betreiben möchten, eine Alternative?

Ja, denn jede der fünf Abteilungen kann nach Auflösung des Vereins einen eigenen Verein gründen. Dazu braucht es mindestens sieben Mitglieder und eine eigene Satzung. Außerdem muss sich um die Hallennutzung, die Besorgung von Geldmitteln und um die Begleichung von Steuern und Verbandsbeiträgen gekümmert werden. Jeder neue Verein erhebt natürlich auch Mitgliedsbeiträge. Bisher reichte ein Beitrag für alle fünf Abteilungen.

Welche ablehnenden Gründe für die Übernahme eines Amtes haben Sie in der vergangenen Zeit am meisten gehört?

Es war der Zeitmangel. Doch meines Erachtens ist das nur eine gut funktioniere Ausrede für Bequemlichkeit. Im Klartext heißt das wohl: Ich möchte keine Zeit finden, es ist mir nicht wichtig genug.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach die Auflösung des TSV verhindern?

Die Lösung ist im Grunde ganz einfach. Die Mitglieder sollten untereinander über mögliche Kandidaten sprechen sowie Vorurteile und Ängste abbauen. Außerdem sollten sich die Mitglieder bewusst sein, welche Vorteile sie genießen, welche Risiken bei der Vereinsauflösung bestehen und auf welche Traditionen der Verein bereits zurückblicken kann.

Wie lautet die Aufforderung an die TSV-Mitglieder?

Stellt euch zur Wahl. Gebt mir oder der Vorstandschaft eine Rückmeldung. Wir helfen euch.

Das Interview führte Bärbel vom Dorp.