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Jetzt drei Bewerber fürs Überseer Rathaus

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Die Grünen-Landratskandidatin Gisela Sengl (links) beglückwünscht Margarete Winnichner zur Aufstellung als Kandidatin. (Foto: vom Dorp)

Übersee – Bei der Aufstellungsversammlung der Grünen-Gemeinderatskandidaten in Übersee im vergangenen Oktober wurde Margarete Winnichner zwar zur Spitzenkandidatin gewählt, eine mögliche Bewerbung zur Bürgermeisterkandidatin war aber seinerzeit kein Thema.


Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Winnichner stellte sich nun in der Aufstellungsversammlung zur Wahl und erhielt das Votum aller Stimmberechtigten. Damit ist sie neben dem amtierenden Bürgermeister Marc Nitschke (CSU) und Eberhard Bauerdick (GfÜ) die dritte Möglichkeit für den Chefsessel im Rathaus.

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Das Bürgerinteresse zur offiziellen Aufstellungsversammlung war mit knapp 80 Anwesenden im Wirtshaus D'Feldwies groß. Geleitet wurde die Versammlung vom Grünen-Bürgermeisterkandidaten Sebastian Heller aus Chieming. »Wir brauchen mehr Frauen in der Politik«, sagte die Landratskandidatin der Grünen, Gisela Sengl, in einem Grußwort in Anspielung auf den nur dreizehn-prozentigen weiblichen Anteil im Kreistag. Es sei bekannt, dass Teams mit einem großen Frauenanteil kreativer, ideenreicher und respektvoller zusammenarbeiten. »Insofern zieht Übersee mit der Kandidatur von Margarete Winnichner einen Joker«, so Sengl.

»Wir können als Grüne vor Ort viel bewegen«, so die Bürgermeisterkandidatin. Wichtig sei ihr vor allem eine sachorientierte Politik und ein respektvoller Umgang im Gemeinderat, wo unterschiedliche Positionen ausdiskutiert werden müssten. Dies sollte aber nicht zu persönlichen Verletzungen und verhärteten Fronten führen. Sie rief deshalb zu einem Klima der Offenheit, Transparenz, Toleranz und Wahrhaftigkeit auf. Als Leitgedanke für ihre Kandidatur bezeichnete die Grünen-Politikerin Leidenschaft in der Sache, Verantwortungsgefühl, Augenmaß und Kommunikation.

Die 60-Jährige ist verheiratet und lebt seit 1992 in Übersee. Geboren wurde sie bei Tann in Niederbayern in einer kleinbäuerlichen Familie. Nach ihrer Ausbildung und Anstellung als Erzieherin, widmete sie sich berufsbegleitend dem Studium der Sozialpädagogik, der Politologie und der Sozialbetriebswirtschaft.

Seit 2001 ist Winnichner bei der Diakonie in Traunstein beschäftigt und dort seit vielen Jahren stellvertretende Geschäftsführerin. Zudem ist sie Schöffin am Jugendgericht in Traunstein und ehrenamtliche Richterin am Verwaltungsgericht in München. Seit fünf Jahren organisiert sie den beliebten Dorfmarkt in Übersee, um die Dorfgemeinschaft im Ortszentrum zusammenzuführen.

Bei der detaillierten Rede über ihre Pläne und Ziele für Übersee hat Winnichner kaum ein Thema ausgelassen. Über alles stellte sie eine aktive Bürgerbeteiligung. »Mitreden, mit­machen und mitentscheiden und die Ideen der Bevölkerung gewinnbringend für die Gemeinde einsetzen, das sind für mich Grundpfeiler der gemeindlichen Politik«, betonte sie.

Der Klimaschutz, den sie auch in der Gemeinde für realisierbar hält, war eines ihrer Schwerpunktthemen. Dazu brauche es nach ihren Worten aber ein gemeindliches Gesamtkonzept und möglicherweise auch die Installierung einer Bürgerenergie GbR. Ebenso wichtig ist für Winnichner die Mobilität für die Bevölkerung, um mehr Lebensqualität zu schaffen. Sie befürwortet ein gemeindeübergreifendes Konzept zur Stärkung des ÖPNV für das ganze Achental, um Lücken bei den Zubringerbussen und Fahrradwegen zu schließen.

Zum Thema »Bauen in der Gemeinde« plädierte die Bürgermeisterkandidatin für eine drastische Einschränkung von Zweitwohnungen und für Gegenleistungen von Bauträgern, die in Übersee bauen wollen. Außerdem sollten ihrer Meinung nach mit einem Flächenmanagement und einer fundierten Bauleitplanung Spekulationen mit Grund, Boden und Wohnraum verhindert werden.

Weiterhin bekannte sich Winnichner zu einem Gleichgewicht zwischen Tourismus und Lebensqualität der Bevölkerung, zu Artenvielfalt, zu einer innovativen Wirtschaft mit der Förderung regionaler Produkte und Dienstleistungen, zur Mitsprache von Heranwachsenden mittels eines Jugendparlaments, zur Weiterentwicklung der Digitalisierung, zur Versorgungssicherheit von Senioren in den eigenen vier Wänden sowie zu Kunst und Kultur. Letztlich wünschte sie sich in der Vorwahlzeit einen guten Umgang miteinander. »Je unfairer diese Phase wird, desto schwieriger ist die Zeit danach.« bvd