Flaschenpost entdeckt: »1964 war ein gutes Jahr, es gab viel Heu und Gras«

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Den Brief, der in der Flasche lag, verfasste am 30. September 1964 Maria Mayer, die früher Dorfhebamme war.
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Eine Flaschenpost entdeckte die Familie Schelling bei Renovierungen ihres alten Bauernhofes.

Übersee – Braun war die Flasche, Staub lag auf ihr. Und fest verschlossen trug sie einen über 50 Jahre alten Brief in sich. Eine Flaschenpost kam zum Vorschein, als die Familie Schelling in ihrem landwirtschaftlichen Anwesen die Bodendielen hob. Mit großem Aufwand sanieren die Eigentümer den alten Bauernhof. Und zu ihrer Freude entdeckten sie einen fernen Gruß aus der Vergangenheit.


Am Albererweg steht der sehr alte Hof. Bereits im 12. Jahrhundert habe er in den Urkunden die erste Erwähnung gefunden, erzählt Annemarie Kneissl-Metz, die Ortsheimatpflegerin der Gemeinde Übersee. Ihren Angaben zufolge übergaben die beiden Herzöge Heinrich und Otto den Hof 1320 an das Kloster Raitenhaslach – und zwar um das Seelenheil für ihre Mutter zu erbitten.

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Das »Albrach«, wie der Hof in der Schenkungsurkunde bezeichnet wird, war privilegiert. Sein Eigentümer hatte das herzogliche Recht inne, Fische aus den Fließgewässern aufzukaufen. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahre 1767. Der Firstbaum trägt die Namenskürzel seiner damaligen Besitzer: »L.F.«, »E.F.« und »H.M.« stehen für Lorenz und Eva Fürstner beziehungsweise Mathias Höhensteiger. 1903 kam der Hof in den Besitz der Familie Kling/Mayer, bis er vor kurzem an das Ehepaar Schelling überging.

Mit Leidenschaft ist die Familie Schelling dabei, den Hof zu restaurieren. Und dabei erlebten sie nun eine große Überraschung, als sie die Flaschenpost aus der Zeit von Alfred und Maria Mayer entdeckte. Den Brief hatte Maria Mayer, geborene Kling, geschrieben. Sie ist auch heute noch vielen Bürgern in Übersee als Dorfhebamme in Erinnerung.

Maria Mayer schreibt, dass der Hof bis 1962 die Adresse »Übersee 104« besessen habe, »dann kam die Straßenbenennung Albererweg, weil es beim Großalberer geheißen hat«. Und Maria berichtete weiter, dass ihr Vater als »Alberer« bekannt gewesen sei. Ihre Mutter, die »Alberin« sei 40 Jahre von 1910 bis 1950 hier Hebamme gewesen.

Die Bodenlager und der Boden seien am 30. September 1964 ver-, beziehungsweise gelegt worden, berichtete die Verfasserin der Flaschenpost weiter. »Gelegt hat ihn der König Andre (Stöger Andre von der Feldwies genannt), geholfen hat ihm mein Mann Alfred Mayer u. ich auch. Habe Handlangerdienste verrichtet.«

Nicht nur über die Arbeit schrieb Maria Mayer. »An der Südseite vom Haus waren die Reben schon reif«, teilte sie auch mit. Und weiter: »1964 war ein gutes Jahr, es gab viel Heu u. Gras, ein sehr warmer Sommer.«

Und dann verewigte sie auch noch weitere Auskünfte: Alfred Mayer war damals 64 Jahre alt, Andre König, der »Stöger-Andre«, der Zimmerer, 68 Jahre. Und den Brief verfasste sie am 30. September 1964: Marie Mayer, geborene Kling, 55 Jahre alt.