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»Das Erreichte erfolgreich weiterentwickeln«

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Die Parkgebühren von einem Euro für die P+R-Plätze am Überseer Bahnhof sind vielen Bürgern ein Dorn im Auge. Das wurde bei der Bürgerversammlung deutlich. (Foto: vom Dorp)

Übersee – Über anderthalb Stunden informierte Bürgermeister Marc Nitschke die gut 130 Besucher der Bürgerversammlung im Wirtshaus D'Feldwies ausführlich über das Ortsgeschehen und die Gemeindepolitik mit vielen Zahlen, Daten und Fakten in einem Rück- und Ausblick.


Dabei zeichnete er ein Bild von einer aktiven, bürgernahen, kinder- und investitionsfreundlichen sowie sozial hoch motivierten Gemeinde mit starkem Bürgerengagement. Das künftige Ziel sei es, das zusammen Erreichte erfolgreich weiterzuentwickeln.

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»Die Bevölkerungsentwicklung hat sich mit aktuell 5057 Einwohnern auf einen gesunden Stand eingependelt«, sagte der Rathauschef. Der prozentuale Anteil von 15,33 Prozent an Kindern und Jugendlichen, 64,03 Prozent an Erwachsenen von 18 bis 65 Jahren und von 20,64 Prozent an Senioren über 65 Jahren ergebe insgesamt das niedrigste Durchschnittsalter im Achental. »Sehr erfreulich sind bis jetzt 49 Geburten in diesem Jahr, eine Höchstzahl seit vielen Jahren«, so Nitschke.

Er bewertete das als Erfolg des angestrebten Dreiklangs von Wohnen-Arbeiten-Freizeit. Vor allem das umfassende Betreuungsangebot für Kinder hätte sich zum Standortvorteil entwickelt. Mit sieben Kindergarten- und vier Krippengruppen in fünf Einrichtungen, der Grundschule ein-schließlich des Erfolgsmodells der Mittagsbetreuung sowie der Ferienbetreuung »Dorfsommerkinder« sei man bestens aufgestellt.

»Auf einem exzellenten Weg«

Auch in Sachen »Finanzen« sei man »auf einem exzellenten Weg«, so Nitschke. Alle geplanten Investitionen konnten ohne Kredite umgesetzt und die Schulden mehr als geplant reduziert werden. »Mit 375 Euro haben wir die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung seit Jahrzehnten erreicht.«

Zu den wichtigsten Punkten beim Seniorenwohnen und bei der Seniorenpflege zählte der Bürgermeister den Standort und das Konzept. »Zum Standort Übersee-Ost mit seinen 5000 Quadratmetern gibt es keine zeitnahen Alternativen«, betonte er unmissverständlich. Andere Möglichkeiten, etwa auf dem ehemaligen Deutz-Gelände, seien wegen schwieriger Grundstücksverhandlungen seit geraumer Zeit ins Stocken geraten.

Hinsichtlich des Konzepts habe die kürzliche Sonderbürgerversammlung mit Vertretern des »Domizilium«-Bauträgers viele Fragen aufgeworfen, gab er zu. Man sei weiter in Verhandlungen und plane am Mittwoch, 4. Dezember, einen runden Tisch mit Gemeinderäten, Ärzten und Vertretern der Kirche. Das Ziel sei laut Nitschke klar: Die Pflege muss im Haus bis Stufe fünf möglich und für jedermann bezahlbar sein.

Zum Thema »Trinkwasserversorgung« verteidigte er nochmals den bestandsorientierten Bebauungsplan für Gröben, nach dem dort keine Neu- oder Erweiterungsbauten mehr errichtet werden dürfen. »Das war eine klare Vorgabe für die Ausweisung des dortigen neuen Wasserschutzgebiets, um die langfristige Versorgung der gesamten Bevölkerung zu sichern.«

Zum Thema »Verkehr am Chiemseeufer« erinnerte der Gemeindechef an viele Debatten und etliche umgesetzte Maßnahmen, die nach seinen Worten »an den allermeisten Sommertagen auch funktionieren«. Im vergangenen Sommer hätte es nur an vier Tagen Probleme gegeben. Für diese Engpässe soll nun ein Fachbüro ein Verkehrskonzept erstellen, um langfristige und nachhaltige Lösungen für Einheimische und Touristen zu erarbeiten.

Keine Neuigkeiten lieferte der Bürgermeister über eine Wiederaufnahme des Chiemsee Summers. Nach den »Alm Wies´n« auf dem Festivalgelände in diesem Jahr, wird es dort vom 21. bis 23. August 2020 ein »Chiemgau Outdoor Festival« im Zeichen des Sports mit maximal 1000 Personen pro Tag geben.

Auf Eis liegt derzeit die Lärmsanierung entlang der Bahnlinie. Neue Förderrichtlinien machten aktuelle schalltechnische Untersuchungen der Bahn erforderlich. Erst danach solle die Angelegenheit neu aufgerollt werden.

In Sachen Breitbandausbau informierte Nitschke über ein angestoßenes Beratungskonzept. Es soll ermitteln, wo Handlungsbedarf besteht und wo die Breitbandversorgung zu verbessen ist. Ziel sei in jedem Fall eine flächendeckende Versorgung.

Zu den größeren Investitionen in diesem Jahr zählte der Bürgermeister die Sanierung von Straßen mit über 140 000 Euro und des Schmutzwasserkanals (450 000 Euro), die Anschaffung eines Schleppers für den Bauhof (123 000 Euro) und bauliche Erweiterungen für den Kindergarten Zellerpark (80 000 Euro).

Im Mittelpunkt künftiger finanzieller Belastungen steht der Erwerb von drei Großfahrzeugen für die Feuerwehr in Höhe von 632 000 Euro. Für die künftige Infrastruktur sind laut Nitschke geplant: der Kreisverkehr am Zusammentreffen der Staatsstraße 2096 und der Kreisstraße TS 4, der Kreisverkehr Seestraße vor der Madl-Brücke, weitere Parkplätze am Bahnhof nördlich des Baugebiets Übersee-Ost, der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs, die öffentliche Toilette an der Eisdiele, die Erweiterung des Bauhofs und die Entschlammung der Feldwieser Bucht.

Im Rahmen der guten Zusammenarbeit von Gemeinde und Vereinen, wies er auf die beiden Jubiläen, 100 Jahre Überseer Trachtler und 100 Jahre TSV Übersee im kommenden Jahr hin.

Sichtlich stolz zeigte sich Nitschke über die vielen ehrenamtlichen Sozialinitiativen und dankte unter dem Beifall der Anwesenden den engagierten ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Lob und Kritik bei Diskussion

In der Diskussion stand vor allem die tägliche Parkgebühr von einem Euro für die P+R - Parkplätze am Bahnhof in der Kritik. Nitschke verteidigte dies mit Wartungs- und Pachtkosten der Gemeinde, »an denen sich auch vor allem die Nutzer aus dem gesamten Achentalgebiet beteiligen sollten.

Der zunehmende Flächenverbrauch und mögliche Gegenmaßnahmen beschäftigten ebenfalls etliche Bürger. »Wir können Übersee nicht eine Käseglocke überstülpen, sondern brauchen eine gesunde Entwicklung mit Maß und Verstand«, so der Rathauschef. Im Übrigen setze man künftig auf kleinere Grundstücke, höhere Häuser und die Umbauten von Bauernhäuser in Wohnungen.

Auch konstruktive Vorschläge kamen aus der Bürgerschaft, beispielsweise die Einrichtung eines generellen Überholverbots auf der unfallträchtigen Staatsstraße 2096, die drastische Reduzierung von Ferienwohnungen und die Einrichtung von WLAN-Spots im Ortsbereich. Lob statt Kritik gab es für die außergewöhnlichen ehrenamtlichen Leistungen des Krankenpflegevereins und die zuverlässigen Schneeräumdienste sowie für das Engagement von Gemeinde und Verwaltung und die bürgerfreundlichen Spenden des Tourismusvereins. Über die Themen »Bauen und Wohnen« und »Tourismus« berichten wir noch. bvd

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