Bürgermeisterwahl: Brigitte Stahl (CSU) oder Herbert Strauch (FBL)?

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Brigitte Stahl kandidiert für die CSU. / Herbert Strauch tritt für die FBL an.

Übersee – Seit einem Jahr herrscht Unruhe im Rathaus in Übersee. Bei der Kommunalwahl 2020 war der CSU-Bürgermeister Marc Nitschke nach zwölf Jahren und einem heftigen Wahlkampf abgelöst worden. Es übernahm Eberhard Bauerdick von der neu gegründeten Wählergemeinschaft »Gemeinsam für Übersee« (GFÜ). Mitten in seiner Einarbeitungszeit machte ihn ein Unfall für mehr als zwei Monate dienstunfähig. In dieser Zeit übernahm die zweite Bürgermeisterin Margarete Winnichner (Die Grünen) die Dienstgeschäfte. Nach Bauerdicks Genesung waren es nur wenige Monate, ehe er zum 31. Januar aus persönlichen Gründen den Dienst quittierte. Wieder sprang Winnichner ein und wurde kommissarische Bürgermeisterin. Nun stehen am Sonntag Neuwahlen an. Es kandidieren Brigitte Stahl (56) und Herbert Strauch (39).


Stahl ist in Gummersbach bei Köln geboren, verheiratet und lebt seit zehn Jahren in Übersee. Beruflich hat die staatlich geprüfte Betriebswirtin für Touristik in verschiedenen Positionen in vielen Ländern gearbeitet und ist seit 2005 vor allem in der Alpenregion unterwegs. Als Contracting- und Product-Managerin bei der DER Touristik führt sie Verhandlungen mit Hotels und Regionen über Preisgestaltung, Zielgruppen und Vermarktungsaktionen.

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Strauch lebt seit seiner Geburt in Übersee, ist verheiratet, hat drei Kinder und ist Geschäftsführer seines Bauunternehmens. Er ist derzeit dritter Bürgermeister, Fraktionsvorsitzender der Wählergruppe Freie Bürgerliste (FBL) und Vorstand der Überseer Trachtler.

Die Unterschiede der beiden Kandidaten könnten größer nicht sein. Strauch ist seit seiner Kindheit in der Gemeinde in Schule und Vereinen gesellschaftlich und beruflich eingebunden. Auf kommunalpolitische Erfahrung kann er durch seine siebenjährige Tätigkeit als Gemeinderat zurückblicken. Mit der kommissarischen Rathauschefin Winnichner arbeitete er bis zu den Neuwahlen an der Gemeindeführung mit.

Stahl ist für die meisten Überseer noch »ein unbeschriebenes Blatt«. Im politischen und gesellschaftlichen Leben ist sie bisher kaum in Erscheinung getreten. »Bisher war ich international viel unterwegs mit etlichen Wohnsitzen auch im Ausland«, so Stahl. »Nun bin ich seit zehn Jahren in Übersee mit Herzblut richtig sesshaft geworden und möchte etwas für diesen schönen Ort tun.«

Es sei ihr bewusst, dass sie es als »Zugezogene« nicht leicht hat. Andererseits sieht sie das auch nicht unbedingt als Nachteil, denn sie sei unbelastet, unbefangen und offen für Neues. »Und es gibt viele Gemeinden in unserer Region, in denen Bürgermeister auch ohne kommunalpolitische Erfahrungen hervorragende Gemeindechefs geworden sind«, so die Quereinsteigerin. Im Übrigen habe sie eine hohe Motivation und einen Blick für das Ganze. Ihre Siegeschancen bei der Wahl beurteilt sie mit 50 zu 50. Als Pluspunkte sieht sie »ihre persönliche Handschrift« und ein klein wenig »die weibliche Intuition«.

Strauch schreibt sich gute Siegeschancen zu. Er sei im Übrigen auch mit der Überzeugung angetreten, die Wahl zu gewinnen. Als Pluspunkte sieht er seine Parteiunabhängigkeit, seinen Bekanntheitsgrad in Übersee, seine langjährigen Erfahrungen als Gemeinderat und dritter Bürgermeister und seine Einbindung in Vereine und Gesellschaft von Kindesbeinen an.

Inzwischen ist die Wahl der rund 4200 Stimmberechtigten bereits in vollem Gange, denn es gibt heuer Corona-bedingt nur eine Briefwahl. Corona war auch schuld daran, dass es praktisch keinen »normalen« Wahlkampf mit Bürgerversammlungen und Veranstaltungen gab. Die CSU-Kandidatin war aber nach eigenen Worten trotzdem mit vielen Bürgern teilweise über die neuen Medien, über Telefon, E-Mails und Zoom-Meetings in Kontakt. »Ganz besonders schön waren zufällige, persönliche Treffen bei schönem Wetter im Freien«, so Stahl.

Für Strauch stand weniger die Vorstellung seiner Person, als vielmehr die Ziele seiner Arbeit als eventueller Bürgermeister im Vordergrund. Dies sei mit seinem Wahlfaltblatt an alle Haushalte und über die Social-Media-Kanäle geschehen.

Inzwischen kommt der Wahlsonntag immer näher. Die Stimmung bezeichnen beide Kandidaten als gut beziehungsweise sehr gut. Einen kleinen privaten Einblick gewährten sie dem Traunsteiner Tagblatt für den Tag nach der Wahl. Im Fall des Sieges will Stahl mit ihrem Wahlkampfteam ein Glas Sekt trinken und sich gleich anschließend den neuen Aufgaben widmen. Im Falle einer Niederlage will sie um den Chiemsee radeln und wieder ihrem Beruf nachgehen. Strauch will bei einem Wahlsieg gleich um 8 Uhr die Amtsgeschäfte aufnehmen, anderenfalls warten seine gewohnten Tätigkeiten auf ihn.

Die Bürger haben noch bis Sonntag Zeit, ihr Briefwahlrecht auszuüben. Allerdings müssen die Umschläge bis spätestens um 18 Uhr im Rathaus eingegangen sein. Später eintreffende Wahlunterlagen werden nicht mehr berücksichtigt. Mit den Wahlvorbereitungen und dem Auszählen der Stimmen in den fünf Wahlbezirken sind rund 50 Personen beschäftigt. Das Ergebnis kann am Abend über die Webseite der Gemeinde eingesehen werden.

bvd

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