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Bürger in Übersee sollen und wollen mitbestimmen

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Großer Andrang herrschte vor den Tafeln zur Bürgerbefragung in der Schulaula in Übersee. (Foto: vom Dorp)

Übersee – »Schwer beeindruckt und überwältigt« zeigte sich Übersees Bürgermeister Marc Nitschke über das unerwartet große Interesse von rund 150 Bürgern bei der Auftaktveranstaltung zum Bürgerbeteiligungsprozess zur Ortsentwicklung in der Grundschulaula in Übersee. Gut anderthalb Jahre hatten sich die Planer mit den Vorarbeiten zur Ortsentwicklung beschäftigt – jetzt waren die Ideen und Anregungen der Bürger gefragt.


Zunächst informierten Städteplaner Max Wüstinger aus Frasdorf und Landschaftsarchitekt Rupert Scheller aus Bad Endorf über die untersuchten und aufbereiteten Gegebenheiten in Übersee. Dabei wurde unter anderem festgestellt, dass noch immer der Flächennutzungsplan von 1982 gilt – inzwischen mit über 50 Änderungen. Weiterhin gebe es 160 freie Einzelbaugrundstücke und rund elf Hektar unbebautes Land. »Allerdings«, so schränkte Wüstinger ein, habe die Gemeinde zur Zeit in vielen Fällen keinen Zugriff auf dieses Land.

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Umfangreiche Voruntersuchungen

Als Konsequenz aus den umfangreichen Voruntersuchungen hatten die Planer mögliche Handlungsfelder entwickelt, wie beispielsweise die freien innerörtlichen Flächen als Wohnräume für Einheimische zu nutzen, ein lebendiges Ortszentrum mit Gewerbe im Erdgeschoß und alternative Wohnformen (Mehrfamilienhäuser) zu entwickeln oder auch ortsprägende Ortskerne, Hofstelle und Grünstrukturen zu erhalten sowie Ortsränder und Grünzungen zu definieren.

Die praktische Umsetzung der Bürgerbeteiligung lag dann in den professionellen Händen des Fachbüros Identität & Image Coaching mit Moderatorin Stephanie Pettrich aus Eggenfelden. Sie animierte die Anwesenden zur Beantwortung der Fragen »Worauf bin ich besonders stolz in Übersee?« und »Wo besteht noch Handlungsbedarf?« Die Bürger hatten eine halbe Stunde Zeit, ihre Meinungen auf grünen oder gelben Kärtchen an sechs Tafeln von 1,5 mal zwei Meter Größe anzupinnen.

Vorgegeben hatte die Moderatorin die sechs Themenfelder öffentlicher Raum (Ortsbild, Aufenthaltsqualität, Ortsmitte), Mobilität, (Autos und Parken, Fahrrad, Fußgänger), Wohnen (Wohnumfeld und -form), Wirtschaft und Tourismus (Einkauf, Gewerbe, Dienstleistung, Gastronomie), soziales Zusammenleben (Jugend, Senioren, ärztliche Infrastruktur) sowie Landschaft und Grünräume (Umwelt, Landwirtschaft). Dank der regen Teilnahme waren alle sechs Tafeln innerhalb der vorgegebenen Zeit voll.

Nach einem kurzen vorläufigen Resümee hatten die Bürger die Struktur der Ortsteile, die gute Versorgungssituation, die Gastronomie, das gute Vereinsleben und den Familienstützpunkt sowie die Sichtachsen für die Landschaft und die kulturellen Angebote positiv bewertet.

Kritisiert wurden das fehlende Ortszentrum, zu wenig Parkplätze für Pendler, wenig Raum und Möglichkeiten für Senioren, die mangelnde Unterstützung für örtliche Betriebe und keine Mobilität für Leute ohne Auto.

Laut Moderatorin Pettrich werden nun alle Bürger-meinungen ausgewertet und auf die Homepage des Fachbüros und der Gemeinde gestellt. Als nächster Termin steht bereits die so genannte »Ideenwerkstatt« am Samstag, 28. September von 9 bis 13 Uhr, in der Schulaula fest. »Da geht es dann bei allen Themen in die Tiefe«, so die Moderatorin. Viele Bürger haben sich bereits nach der Veranstaltung in die aufliegenden Teilnehmerlisten eingetragen.

Lärmschutz, Deutz und Autobahnausbau

Am Rande der Eröffnungsveranstaltung zum Bürgerbeteiligungsprozess zur Ortsentwicklung hat Bürgermeister Marc Nitschke aktuelle Fragen beantwortet. Zum Sachstand »Lärmschutz an der Bahn« verwies er auf ein neues Gutachten der Bahn, das zum Jahresende fertig sein soll. Erst danach werden die Überlegungen und Pläne zum Lärmschutz wieder aufgenommen.

Bei dem kürzlich abgesegneten Autobahnausbau handele es sich laut Nitsche vorrangig um die Strecke Rosenheim–Bernau sowie Grabenstätt–Salzburg ohne Standstreifen. Die Übersee betreffende Strecke von Bernau bis Grabenstätt mit dem vorhandenen Standstreifen läge noch in weiter Ferne. »Für diesen Streckenabschnitt gibt es noch nicht einmal eine Planung«, betonte der Rathauschef.

»Was wird aus dem frei gewordenen Deutz-Grundstück?« – diese Frage brannte einigen Bürgern auf den Nägeln. »Das Verfahren ruht derzeit wegen schwieriger Grundstücksverhandlungen mit allen drei Eigentümern«, bedauerte der Bürgermeister. Grundsätzlich sei auf dem mehr als 25 000 Quadratmeter großen Areal eine Wohnbebauung vorgesehen.

Mit Beifall aufgenommen wurde der Bürgerwunsch, bei neuen Bauplänen eine Visualisierung für die Bürger anzubieten. bvd