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Zwei Vergewaltigungen in Trostberg? Mutmaßliches Sexopfer musste aussagen

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Richterhammer
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Auf einer Richterbank im Landgericht liegt ein Richterhammer aus Holz. Foto: Uli Deck/dpa Foto: dpa

Traunstein/Trostberg – Unter größten Schwierigkeiten schilderte ein heute 20 Jahre alter Mann am Donnerstag die zweifache Vergewaltigung durch den 42-jährigen Freund seiner Mutter in einer Wohnung in Trostberg vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein. Das Opfer musste aussagen, nachdem sich der Angeklagte – trotz Bedenkpause – nicht zum Inhalt der Anklageschrift geäußert hatte.


Der 20-Jährige wirkte sichtlich tief betroffen und aufgewühlt, als er die Vorwürfe von Staatsanwältin Karin Hahn in vollem Umfang und mit allen unangenehmen Details bestätigte. Bei den zwei nächtlichen Taten im Mai und Juni vergangenen Jahres habe er »Todesangst« gehabt, gezittert und nicht um Hilfe schreien oder aus lauter Angst sich wehren können.

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Der Zeuge betonte, er habe dem Angeklagten damals deutlich zu verstehen gegeben, dass er das alles nicht wolle. Nach dem zweiten Mal habe der 42-Jährige gedroht, er werde ihn »kaputt machen, wenn ich etwas sage«.

Hinterher sei er, so der Nebenkläger, zusammengebrochen. Zunächst habe er niemandem etwas vom Geschehenen erzählt, alles nur »von der Seele duschen« und verdrängen wollen, erklärte der Nebenkläger mit Opferanwalt Stefan Pritz aus Trostberg zur Seite. Nach dem zweiten Mal habe er mit seinem Bruder gesprochen. Die Mutter habe ihm nicht glauben wollen. Der Vater habe ihn dann zur Polizei begleitet. Noch am gleichen Tag wanderte der 42-Jährige in Untersuchungshaft. Eine Blutprobe nach der Festnahme am 7. Juni 2019 ergab eine Alkoholisierung von 1,8 Promille. Außerdem wurde Cannabiskonsum nachgewiesen.

Ein Kripobeamter informierte über die Ermittlungsergebnisse. An der Unterwäsche des Angeklagten sei Genmaterial des 20-Jährigen sichergestellt, am Körper des Nebenklägers DNA des 42-Jährigen.

Der Asylbewerber aus Pakistan beteuerte, er sei mit der Mutter des 20-Jährigen verlobt und werde sie in Kürze heiraten. In Notizen, die in seiner Zelle in der Untersuchungshaft entdeckt und vom Gericht verlesen wurden, hatte er die Frau gebeten, ihn bei ihrer Aussage zu entlasten.

Der Verteidiger, Julian Praun aus Chieming, versuchte durch Vorhalte und Nachfragen, die Aussage und die Glaubwürdigkeit des 20-Jährigen zu erschüttern. Der Nebenkläger lebt mittlerweile bei seinem Vater, befindet sich noch immer in therapeutischer Behandlung und ist krankgeschrieben.

Der Prozess wird am Dienstag sowie am 17. und 21. Februar fortgesetzt. kd

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